Henning Kagermann sieht IT als Innovationsmotor und fordert von der Branche mehr Verantwortungsbewusstsein

March 10, 2005 by SAP News 0

Hannover/WienInformationstechnologie spielt eine Schlüsselrolle für Innovation und Wirtschaftswachstum im 21. Jahrhundert, betonte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann gestern in seiner Rede anlässlich der CeBIT-Eröffnungsveranstaltung in Hannover. Kagermann verdeutlichte die steigende Bedeutung von IT, insbesondere so genannter „embedded“ Software, in allen Bereichen des öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Lebens. Aus seiner Sicht kann die Industrie optimistisch in die Zukunft blicken, vorausgesetzt, sie sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. IT-Anbieter müssten ihre Kunden dabei unterstützen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, mit denen sie sich im globalen Wettbewerb behaupten können.

Henning Kagermann nahm im Einzelnen zu folgenden Punkten Stellung:

IT ist allgegenwärtig. Informations- und Kommunikationstechnologie ist im Alltag überall präsent, in der Wirtschaft, der Wissenschaft und im Privatleben. Sie ist in vielen Bereich “unsichtbar” und wird als selbstverständlich hingenommen. Durch diese Allgegenwart hat sie vielleicht an Faszination verloren, nicht jedoch an Relevanz. IT wird im Gegenteil wichtiger als je zuvor: So sind Endverbraucher bereit, Geld auszugeben für Technologie gepaart mit Emotion – für cooles Design, Lifestyle und Statussymbole. Das Zusammenwachsen von IT, Kommunikation und Entertainment verstärkt diesen Trend. Andererseits warten einige technologische Entwicklungen noch auf ihren flächendeckenden Einsatz, so etwa IP Networks, Voice over IP, Grid Computing oder UMTS.

IT ist Katalysator für Produktivität und Innovation. Informationstechnologie automatisiert, beschleunigt und integriert Unternehmensprozesse. Der weltweite Fluss von Waren, Kapital und Informationen ist von IT ebenso abhängig wie ein funktionierender globaler Wettbewerb. Informationstechnologie begann als reines Automatisierungstool und ist heute Katalysator, der so genannte „Enabler“ für eine globale Wirtschaft. Viele Fertigungsunternehmen führen heute bereits über 50 Prozent ihrer Wettbewerbsvorteile auf integrierte Softwarelösungen zurück.

Prozessinnovation wichtiger als Produktinnovation. Der globale Wettbewerb und niedrigere Markteintrittsbarrieren zwingen Unternehmen, sich mehr und mehr zu differenzieren. Aus ihrer Sicht wird der Weg zu nachhaltigem Wachstum dabei zunehmend bestimmt durch die Art, wie sie Geschäfte machen und ihre Geschäftsmodelle anpassen können, und weniger mit welchen Produkten und Dienstleistungen. Prozessinnovation verdrängt somit Produktinnovation als zentrales Wettbewerbskriterium. Führungskräfte in der ganzen Welt sehen die Informationstechnologie als die zentrale Instanz, um diese Geschäftsmodell-Innovationen realisieren zu können. Sie erkennen die strategische Bedeutung von IT für Geschäfts-Transformation. Die Industrie muss sich auf diesen Rollenwandel einstellen.

Weckruf für die IT-Industrie. Die IT-Industrie hat die Chance, Innovationen in allen Branchen voran zu treiben, aber daraus erwächst auch eine besondere Verantwortung: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte kann und muss die IT-Industrie einen zentralen Beitrag leisten, um Unternehmen die Flexibilität zu bieten, die sie für neue Geschäftsmodelle benötigt. Diesem Anspruch muss die Industrie gerecht werden, da es keine andere Industrie gibt, die so großes Innovationspotenzial birgt, so hohe Wertschöpfung erzeugt und so viele andere Branchen beeinflusst.

Wandel zu einer reifen Industrie. Die IT- Branche ist „erwachsen“ geworden – mit allen Begleiterscheinungen: Konsolidierung, Preisdruck sowie einer Abkehr von Technologie als Selbstzweck. Kunden kaufen nicht mehr sofort jede neue Technologie, sondern warten, bis sich ein gewisser Reifegrad eingestellt hat und die Preise fallen. Um ihr großes Potenzial wirklich auszuschöpfen, muss die IT-Industrie ihren Kunden offene, standard-basierte Lösungen bieten, die einfach zu bedienen, einfach zu integrieren und wirklich sicher sind. Diese Charakteristika sind unverzichtbar, will IT zukünftig ihrer Rolle als Fundament für Flexibilität und Innovation gerecht werden.

Technologie und Wirtschaft sind untrennbar. Nach der Phase der Mainframe-Computer, der Client/Server-Architektur und der Internet-Ära steht die Industrie an der Schwelle zur vierten Welle der Informationstechnologie, in der IT und Wirtschaft untrennbar verbunden sind. Allerdings besteht im Bereich Softwareentwicklung noch gewaltiger Nachholbedarf: Während viele IT-Bereiche rasante Produktivitätsgewinne zeigen – sie verdoppeln sich im Schnitt alle zwei Jahre – benötigt die Softwareindustrie dafür sechs Jahre. Die Einführung von serviceorientierten Architekturen und Web Services bedeuten hier jedoch einen gewaltigen Schritt vorwärts. Diese Technologien und Infrastrukturen entsprechen den Anforderungen der Wirtschaft, flexible Geschäftsmodelle zu entwickeln, die sie vom Wettbewerb unterscheiden.

Wachstumsmarkt “embedded“ Software. In andere Produkte eingebettete Softwarelösungen spielen nicht nur in klassischen Industrieanwendungen eine immer größere Rolle, sondern besonders auch in innovativen Konsumgütern. Automobilhersteller schreiben bereits heute 80 Prozent ihrer Innovationen der Informations- und Kommunikationstechnologie zu, ein Großteil davon ist auf Software zurückzuführen. Diese „embedded systems“ werden zunehmend intelligenter und attraktiver. Sie arbeiten im Verborgenen und zwingen dem Anwender keine unnötige Auseinandersetzung mit Technologie auf. Solche eingebetteten Systeme erfordern interdisziplinäre Denkansätze und Entwicklungen – es handelt sich oft um komplexe Projekte, bei denen insbesondere Europa punkten kann. Vergleichbar mit den Fortschritten bei mobilen Kommunikationsnetzen, die für Europa neue Geschäftspotenziale erschlossen haben, birgt “in-product”-Software große Chancen für die europäischen Länder, um Binnennachfrage und Export zu stimulieren.

Globalisierung ist Realität. Die Globalisierung ist unabänderlich und Menschen sollten sie zu ihrem Vorteil nutzen. IT bietet hervorragende Möglichkeiten, um neue Märkte zu erschließen, mit Menschen zusammen zu arbeiten sowie grenzenlosen Zugang zu Wissen und Produkten zu eröffnen. So eröffnen beispielsweise die Entwicklungszentren in Bulgarien, Indien oder China der SAP Zugang zu lokalen Talenten und diesen Talenten Zugang zu globalem Wissen. Damit hilft IT, in Ländern rund um den Globus Arbeitsplätze, Produkte und Dienstleistungen zu schaffen und die Kluft des “Digital Divide” zu verringern.

IT muss sichtbarer werden. Die weltweite IT-Industrie hat sich im Jahr 2004 wieder erholt und auch für 2005 stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Industrie muss jedoch aus ihrem „Technologie-Kokon“ schlüpfen und ihrer gestiegenen Verantwortung gerecht werden. IT wird immer unsichtbarer, aber auch immer unverzichtbarer für Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Bedeutung muss für die Gesellschaft transparenter werden. Dazu benötigt die Industrie auch in Zukunft eine Gesamtschau der Branche wie die CeBIT. Gleichzeitig muss aber auch auf Industriefachmessen jeder Art, von der IAA über die Buchmesse bis zur Grünen Woche und der National Manufacturer Week sichtbarer werden, was IT heute leistet.

Gewinne aus der Vergangenheit in Innovationen von morgen investieren. Deutschland scheint zu erkennen, dass der Versuch, mit einer 35-Stunden-Woche mit Volkswirtschaften zu konkurrieren, die 35 Stunden pro Woche schlafen, kaum funktioniert. Länder wie Deutschland haben nur eine Chance: Sie müssen die Gewinne aus den Errungenschaften der Vergangenheit in die Innovationen von morgen investieren, sonst kommen diese Volkswirtschaften und Gesellschaften ins Stocken. Eine wettbewerbsfähige IT-Industrie sowie gemeinsame Anstrengungen von Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft sind der Schlüssel zum Erfolg. Europa hat sich mit der Lissabon-Agenda 2010 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, das aber bislang noch nicht konsequent genug umgesetzt wurde. Um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Europas signifikant zu steigern, sollte eine konzertierte Aktion stattfinden mit dem Fokus auf einen Bereich, der die wirtschaftliche und soziale Entwicklung am meisten beeinflussen kann. Aus Sicht von Henning Kagermann bietet die IT-Industrie mit dem höchsten Innovations- und Wertschöpfungspotenzial, unbegrenzten Ressourcen und der größten Wirkung auf alle anderen Branchen, hierfür die besten Voraussetzungen.

Die vollständige Rede von Henning Kagermann finden Sie im Internet unter:
http://www.sap.com/germany/company/press/webcast/pdf/2005-03-09_hk.pdf

SAP auf der CeBIT 2005
Hauptstand: Halle 4, Stand D12, D28
SAP Business Partner und Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen: Halle 4, Stand D28
Lösungen für die öffentliche Verwaltung: Public Sector Parc, Halle 9, Stand E37
Lösungen für Finanzdienstleister: Banking & Finance, Halle 17, Stand A01.1

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