Jahresrückblick: IT-Trends 2011

29. Dezember 2011 von Heather McIlvaine 0

Trend 1: Smartphones und Tablets verdrängen PCs

 

Diese erste Prognose ähnelt zugegebenermaßen einer Schneevorhersage in Sibirien. Denn die Frage ist nicht, ob Smartphones und Tablet-Computer den konventionellen PC-Markt erobern, sondern wann. Im Januar haben wir uns auf eine Studie von Goldman Sachs berufen, laut der ein Drittel aller 2011 neu erworbenen PCs Tablet-Computer sein würden. Es sieht so aus, als ob die ursprüngliche Prognose zu hoch gegriffen war. Doch der allgemeine Trend nimmt eindeutig zu.

Laut IDC wuchs der Tablet-Markt zwischen Q1 und Q2 2011 von 7,2 Millionen auf 13,6 Millionen. Als Reaktion auf diese Zahlen und den PC-Absatz in Q2, der geringer ausfiel als erwartet, hat IDC seine Einschätzung der Tablet- und PC-Absatzzahlen im September korrigiert. Jetzt sagt das Marktforschungsunternehmen für 2011 den Verkauf von 62,5 Millionen Tablet-Computer voraus, was 17 Prozent der in diesem Jahr geschätzten 357 Millionen verkauften PCs ausmacht. Das ist ein enormer Anstieg verglichen mit 2010, als Tablets nur 5 Prozent der PC-Verkäufe ausmachten.

 

Trend 2: Dreidimensionale Bilder und Videos

 

Im Januar meldeten wir, dass der Markt für 3D-Bilder noch unsicher ist. Ein Jahr später scheint sich daran nicht viel verändert zu haben. Der 3D-Trend hatte seinen Ursprung in der Filmindustrie mit Kinohits wie Avatar und Alice im Wunderland. Von dort eroberte die Technologie schnell den Smartphone- und Fernsehgerätemarkt.

2011 kamen einige neue 3D-Smartphones auf den Markt, darunter der LG Optimus 3D, HTC Evo 3D, Samsung W960 und Motorola MT810. Mit diesen Smartphones können Nutzer 3D-Inhalte ohne spezielle Brille konsumieren und weiterhin konventionelle Inhalte in 2D betrachten. Mit dem LG- und HTC-Gerät können die Anwender sogar Videos und Bilder in 3D aufnehmen. Bisher gibt es nur wenige gründliche Untersuchungen des 3D-Smartphone-Marktes, daher ist eine präzise Aussage über die Akzeptanz schwierig. Was sich allerdings sagen lässt ist, dass HTC den Preis seiner 3D-Smartphones innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Markteinführung zweimal gesenkt hat. Es scheint, dass viele Mitglieder von Online-Foren den 3D-Trend im Smartphone-Bereich als vergängliche Modeerscheinung und nicht als dauerhafte Entwicklung ansehen.

Im Gegensatz dazu hat der Fernsehgerätemarkt die prognostizierten Absatzzahlen für dieses Jahr übertroffen. Das Marktforschungsunternehmen DisplaySearch meldet, dass in Q3 6,6 Millionen LCD-Fernseher mit 3D-Technologie ausgeliefert wurden, ein Anstieg von 27 Prozent verglichen mit Q2. Das Unternehmen geht davon aus, dass 2011 21,5 Millionen 3D-Fernseher verkauft werden. Während die 3D-Technologie diese neuen Märkte mit unterschiedlichem Erfolg durchdringt, sind in diesem Jahr die Gewinne aus 3D-Filmen beträchtlich gesunken. Ist das möglicherweise ein Anzeichen für das, was am 3D-Smartphones-Markt passieren wird? Die Aussage Ende 2011 ist jedenfalls, dass die Zukunft für 3D-Bilder weiterhin unklar sein wird.

Trend 3: Soziale Medien werden mobil

 

Diese Voraussage für 2011 war ein Volltreffer. Facebook meldet, dass mehr als 350 Millionen aktive Nutzer über ein Mobilgerät auf das soziale Netzwerk zugreifen; und Twitter verzeichnete in diesem Jahr einen Anstieg der mobilen Nutzer um 182 Prozent. Als Google sein soziales Netzwerk (Google+) im Juni vorstellte, sorgte das Unternehmen dafür, dass alle Funktionen – vom Einstellen von Beiträgen bis hin zu Videokonferenzen – auf Mobilgeräten unterstützt werden.

Eine Studie, die 2011 von comScore MobiLens durchgeführt wurde, untersuchte die Aktivitäten der mobilen sozialen Medien in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Das Ergebnis: Seit 2010 hat die Aktivität über Mobilgeräte um 101 Prozent und die Aktivität über mobile Browser um 31 Prozent zugenommen. Laut Juniper Research wird die Anzahl der mobilen Social-Media-Nutzer 2011 650 Millionen erreichen und für 2016 prognostiziert das Unternehmen, dass 1,3 Milliarden Nutzer über ein Mobilgerät auf die sozialen Netzwerke zugreifen. Der Trend zur Einbindung lokaler, sozialer und mobiler Erfahrungen, auch geoziales Netzwerken genannt, wird zweifellos durch die steigende Akzeptanz von Smartphones vorangetrieben.

 

Trend 4: Apps statt Software

Zumindest in den letzten zwei Jahren hat die SAP das Thema der Mobilität in den Mittelpunkt ihrer Innovationsstrategie gestellt. Seit dem Kauf von Sybase 2010 hat die SAP einen greifbaren Fortschritt in ihrer Roadmap zur Unternehmensmobilität gemacht. Dieses Jahr wurde beispielsweise der SAP Store offiziell mit über 50 mobilen Anwendungen für den Download eröffnet.

Diese Apps unterstützen eine Reihe mobiler Funktionen. Diese reichen von kompletten mobilen Softwarelösungen wie SAP Business One und SAP Business ByDesign über spezielle Unternehmensaufgaben wie die Apps SAP HR Approvals und SAP Timesheet bis hin zu branchen- und geschäftsbereichsspezifischen Add-ons wie die App SIGGA SM2 für das mobile unternehmensweite Anlagenmanagement, die von Partnern entwickelt werden.

Trend 5: Cloud Computing und Virtualisierung

Die Akzeptanz von Cloud Computing und Virtualisierungstechnologie hat 2011 erheblich zugenommen. Im Juli berichtete Gartner, dass die Erlöse aus Software as a service (SaaS) bis zum Jahresende wohl die Marke von 12,1 Milliarden US-Dollar erreichen werden, was bezogen auf die Erlöse 2010 einem Anstieg von 20,7 Prozent entspricht. Im Januar meldetet Gartner, dass 90 Prozent der SaaS-Bereitstellungen bis 2014 als Cloud Services bereitgestellt werden könnten. Dieser Termin wurde jetzt jedoch auf 2015 nach hinten verschoben.

Trotz der gestiegenen Akzeptanz von Cloud Computing und Virtualisierungstechnologie in diesem Jahr glaubt Gartner immer noch, dass Cloud Computing eines der überbewertesten Themen der IT-Branche ist. Gartner stellt insbesondere fest, dass Platform as a Service (PaaS) in diesem Markt oft missverstanden wird. Im Gegensatz zum SaaS-Konzept, bei dem Anwendungen von Anbietern bereitgestellt und den Kunden über das Internet verfügbar gemacht werden, bezieht sich PaaS auf eine Reihe von Services, die von einem Anbieter bereitgestellt werden und den Kunden als Basis für die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen dienen. Dieses Konzept wird sich wahrscheinlich erst 2015 durchsetzen.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass Cloud Computing nur ein kleiner Bereich des gesamten IT-Marktes darstellt. Laut Gartner werden sich die gesamten IT-Ausgaben 2011 auf 3,6 Billionen US-Dollar belaufen. Damit wird Cloud Computing gerade mal 2,5 Prozent des globalen Marktes ausmachen. Diese Technologie hat zwar dieses Jahr eine breitere Akzeptanz erfahren, doch die Wachstumsmöglichkeiten sind noch gewaltig.

Trend 6: Erweiterte Realität

Augmented-Reality-Anwendungen haben seit 2010 zugenommen, wenn auch die meisten dieser Anwendungen, mit denen sich die Realität um zusätzliche Informationen erweitern lässt, für den Verbrauchermarkt bestimmt sind. Allein für das iPhone gibt es im iTunes App Store über 1000 Apps, die Augmented-Reality-Funktionen einbinden. Und laut Hidden, einer Agentur für digitales Marketing, werden jeden Monat 35 neue Augmented-Reality-Anwendungen eingeführt. Die meisten dieser Anwendungen adressieren die Bereiche Lifestyle, Unterhaltung und Spiele, nur wenige Apps sind für die Geschäftswelt geeignet.

Der Einsatz erweiterter Realität in der Geschäftswelt macht vornehmlich im Marketingbereich Fortschritte, denn Toyota, Starbucks, Adidas, Volkswagen und viele andere Weltmarken führten 2011 Marketingkampagnen mit Einbindung von Augmented-Reality-Funktionen durch. SAP hat in einem anderen Bereich, und zwar dem der Analysen, die Realität erweitert. Dieses Jahr wurden in einer neuen Version der mobilen Anwendung SAP BusinessObjects Explorer Augmented-Reality-Funktionen als Standard eingebunden.

Trend 7: Datenanalyse in Echtzeit

In diesem Jahr hat der Trend zur Echtzeitanalyse stärker zugenommen als erwartet. Das Jahr 2011 war im SAP-Umfeld durch SAP HANA, der In-Memory-Technologie für Echtzeitanalysen, bestimmt.

Im Juni war die Software allgemein verfügbar und SAP hat sich sofort der Entwicklung neuer Anwendungen für SAP HANA sowie der Einbindung von Echtzeitfunktionen in viele der vorhandenen Anwendungen zugewendet. SAP Smart Meter Analytics, Powered by SAP HANA; SAP BusinessObjects BI OnDemand, Powered by SAP HANA; und SAP CO-PA Accelerator sind neue Lösungen, die speziell auf die SAP-HANA-Funktionen zugeschnitten sind. Ferner lassen sich die zwei bestehenden Lösungen SAP BusinessObjects BI Suite 4.0 und SAP Business Warehouse 7.3 auf SAP HANA ausführen.

Trend 8: Elektromobilität mit intelligenten Netzen

Anfang des Jahres behaupteten wir, dass die Akzeptanz von Elektromobilität in hohem Maße von den Forschungsergebnissen in den Bereichen Akkus und Speicherkapazität abhängig sein würden. In diesem Bereich war 2011, wie vorausgesagt, ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Zum Beispiel war die Zahl der Pilotprojekte zu Elektromobilität in Mittel- und Osteuropa in diesem Jahr mehr als doppelt so hoch wie noch 2010.

In der Vergangenheit hat das US-amerikanische Energieministerium zu wenig in dieses Forschungsfeld investiert und stattdessen den alternativen Kraftstoffen den Vorrang gegeben. Laut einer Meldung des Energieministeriums hat die Behörde im September den Anteil des 3 Milliarden Dollar ausmachenden Forschungsbudgets erhöht, der für die Weiterentwicklung des Elektroautos und der Lithiumbatterietechnologie vorgesehen ist.

Trend 9: Server und Energieeffizienz 

In diesem Jahr zeigte sich ein eindeutiger Trend in Richtung bessere Energieeffizienz im Hardwaresektor. Unternehmen und Regierungen haben zweifelsohne die Kosteneinsparungen durch bessere Serverleistung und Servereffizienz erkannt. Laut einer Studie der amerikanischen Initiative „Alliance to Save Energy“, führt einer von sechs Servern keine nützlichen Arbeiten aus, was unnötige Wartungskosten von mehreren Millionen Dollar verursacht. Das spielte sicherlich eine Rolle bei der Entscheidung der US-Regierung, 40 Prozent der eigenen Rechenzentren im Laufe der nächsten vier Jahre zu schließen.

Die Benchmarks zur Feststellung der Serverperformance werden jedoch der Schlüssel zur Verbesserung der Servereffizienz sein. In diesem Jahr hat die SPEC, eine Organisation zur Entwicklung von Benchmarks für die Leistungsbewertung, ein neues Tool zur genaueren Messung der Energieeffizienz von Servern vorgestellt.  Mit diesem sogenannten Server Efficiency Rating Tool können Serveranbieter die Effizienz ihrer Server messen und die Ergebnisse der US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency für die Zertifizierung senden. Das unterstützt Unternehmen beim Serverkauf, da sich die effizientesten Server besser ermitteln lassen.

In diesem Jahr hat auch die SAP eine neue Benchmark entwickelt. Diese Bezugsgröße vergleicht die Leistung eines Servers mit seinem Energieverbrauch.  Die SAP Server Power Standard Application Benchmark, die an einem Fujitsu PRIMERGY RX300 S6 Server getestet wurde, bewertet Leistung und Energieverbrauch auf neun verschiedenen Laststufen. Im Test wurde festgestellt, dass die optimale Laststufe bei 65 Prozent liegt.

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