6 Dinge, die passen müssen

22. August 2013 von Andreas Schmitz 0

Foto: Andrea Wilhelm - Fotolia.com

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„Paradigmenwechsel“, „exzellente Idee“: Hinrich Mielke findet Superlative genug für die noch immer neue Datenbank von SAP. Lange habe SAP etwa mit dem SAP NetWeaver BW Accelerator versucht, die Auswertungen zu beschleunigen, damit aber weitestgehend Symptome behandelt. Nun ist das ERP von SAP NetWeaver BW getrennt und „das eine beeinträchtigt das andere“ nicht mehr. Selbst auf dem Tablet der Manager ständen die Unternehmenskennzahlen nun adhoc zur Verfügung. „Das ist so, als wenn Sie ewige Jahre mit der Kutsche unterwegs waren und sich jetzt ein Auto kaufen werden“, beschreibt Mielke die Entscheidung von Unternehmen, die nun auf In-Memory aus dem Hause SAP setzen wollen.

Und doch kennt der Bereichsleiter Consulting beim SAP-Partner Realtech auch die Hürden und Fallstricke, die dem Kunden das Leben unnötig schwer machen können. Oder um im Bild von Mielke zu bleiben: Es gibt viele Möglichkeiten, ein Auto zu konfigurieren und erst danach lässt sich auch sagen, welche Vorzüge es hat.

SAP HANA: Auto statt Kutsche

Anders als ein Auto muss SAP HANA an ein bestehendes System ankoppeln, was vor einer genauen Prüfung keine Aussage darüber zulässt, um wie viel sich Prozesse beschleunigen werden. Sechs kritische Faktoren hat Hinrich Mielke identifiziert:

1. Machbarkeitsnachweis bringen

2. Der Betrieb ändert sich

3. Infrastruktur anpassen

4. SUSE Linux-Expertise nötig

5. SAP NetWeaver BW auf den Stand bringen

6. Individuelle Anpassungen einplanen

1. Machbarkeitsnachweis bringen

Vor dem Start eines Projektes ist ein Proof of Concept nötig – ein Machbarkeitsnachweis. Darin ist zum einen die Idee skizziert, die mit SAP HANA umgesetzt werden soll. Zudem wird darin abgesteckt, mit welchem Aufwand das Projekt realisiert werden soll und last but not least überprüft, ob Technologie und Idee in Einklang zu bringen sind und die Erwartungen erfüllt werden können. Im produzierenden Gewerbe etwa ist es wichtig, exakt über die Lieferungen bescheid zu wissen und Vorhersagen über Liefertermine treffen zu können. Ob sich nun die Analyse der exakten Prognosen um ein Zehnfaches oder Tausendfaches erhöht, ist hier von strategischer Bedeutung.

2. Der Betrieb ändert sich

Unternehmen ist nicht immer klar, dass die neue Technologie den IT-Betrieb insgesamt entscheidend verändert. Wer beispielsweise sein Backup bisher auf Tape macht, kann das jetzt nur noch über eine spezielle Schnittstelle – oder er setzt künftig Speicherplatten dafür ein Da die Geschwindigkeit von Analysen und Berichten nun nicht mehr Stunden oder Tage dauert, reicht es nicht mehr aus, dass der Dienstleister die Systeme nach einem Ausfall in ein paar Stunden wieder in Gang bringt. Schon wenige Minuten sind durch die neuen Anforderungen für den Kunden zu viel. Die Service Level Agreements (SLA) müssen entsprechend angepasst werden. Geschieht dies nicht, ist Ärger beim Anwender programmiert.

3. Infrastruktur anpassen

Wer eine neue Dimension der Geschwindigkeit will, muss auch die Infrastruktur dafür haben. Mindestens 10 Gigabit-Leitungen sind nötig, will das Unternehmen die volle Leistungsfähigkeit der Technologie nutzen. Hier können Kosten anfallen, die außerhalb der reinen SAP-Investition liegen und auf die sich ein Unternehmen frühzeitig einstellen sollte.

4. SUSE Linux-Expertise nötig

SAP HANA läuft bislang und auf absehbare Zeit ausschließlich auf dem Betriebssystem SUSE Linux. Allerdings haben genug Unternehmen Experten für das Betriebssystem AIX von IBM oder Windows von Microsoft, aber eher geringes Knowhow in Sachen SUSE Linux. In den USA kommt hinzu, dass dort RedHat Linux oft gängiger ist als SUSE Linux. Hier sind Schulungen nötig oder neue Mitarbeiter, die entsprechende Erfahrung mitbringen. Hinzu kommt, dass sich die Administration einer SAP-HANA-basierten Datenbank stark unterscheidet.

5. SAP NetWeaver BW auf den Stand bringen

Am leistungsfähigsten ist SAP HANA im Zusammenspiel mit dem aktuellsten Release des SAP NetWeaver BW. Unternehmen sollten ihre Anwendungen auf den aktuellen Stand bringen. Zudem sollte SAP HANA im Zusammenspiel der Anwendungen als neuer Dienst gesehen werden, der entsprechend eingebunden werden muss. Was bedeutet das für die Organisation? Diese Frage muss beantwortet werden.

6. Individuelle Anpassungen einplanen

SAP HANA ist nicht gleich SAP HANA: Die In-Memory-Technologie an sich funktioniert zwar, jedoch hilft ein so genannter Code-Pushdown, eine individuelle Anpassung der Anwendung an die Datenbank. So lässt sich die Anwendungsmimik direkt auf die Datenbank bringen, wo die Daten bereits im Hauptspeicher vorliegen, die Mehrkerntechnologie voll genutzt werden kann, die Daten im komprimierten Zustand analysiert werden können und nur die erheblich geringeren Datenmengen der Ergebnisse über das Netzwerk transportiert werden muss. Somit ist die „Intelligenz“ auf der Datenbank und bei den Daten mit dem größten Mehrwert.

Für eine Reihe von Kunden hat Hinrich Mielke inzwischen ein Proof of Concept (POC) für den Einsatz von SAP NetWeaver BW powered by SAP HANA entwickelt. Seiner Erfahrung nach müssen Mittelständler in der Regel zumindest 50.000 Euro mitbringen, um SAP HANA erfolgreich einzuführen. Das POC, zu dem Mielke dringend rät, dauert ca. zwei bis drei Monate und ermöglicht dem Unternehmen eine Einschätzung, welchen Nutzen es aus dem Einsatz von SAP HANA ziehen wird. Einen SAP-HANA-Effizienz-Barometer wird es seiner Ansicht nach so schnell nicht geben. „Die Einsatzfelder in den Unternehmen sind zu individuell und dadurch wenig übertragbar auf andere“, so Mielkes Erfahrung. Ein Auto ist möglich, welches, liegt in der Entscheidung des Unternehmens.

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