SAP-Berater: Technik ist nicht alles

Feature | 1. November 2010 von Sophie Kirsten 0

Han-Hennig Krumme leitet das SAP-Geschäft bei Accenture für die DACH-Region (Foto: Accenture)

Jan-Henning Krumme, Accenture, Leiter des SAP-Geschäfts für die DACH-Region (Foto: Accenture)

Herr Krumme, haben Sie selbst schon einmal beim Kunden direkt am Code gearbeitet?

Krumme: „In der Tat. Ich habe selbst schon Code geschrieben und Schnittstellen gebaut. Ich bin ein Mann aus der Praxis und weiß, was da draußen los ist. Ich habe sehr viele SAP-Einführungen begleitet, einige davon waren echte Herausforderungen. Aber hauptsächlich blicke ich auf sehr viele positive Erfahrungen zurück.“

Wie sind Sie zu Ihrer neuen Position als Leiter des SAP-Geschäfts der Region DACH gekommen?

Krumme: „Ich habe vor 18 Jahren bei Accenture angefangen und vom ersten Tag an SAP-Projekte betreut. Mein Schwerpunkt lag hauptsächlich auf großen Unternehmen aus der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Seit sechs Jahren bin ich Senior Executive bei Accenture. In dieser Position habe ich den SAP-Bereich für Supply-Chain- und Logistik-Prozesse geleitet. Seit Juni verantworte ich nun das gesamte SAP-Geschäft der Region DACH. Insgesamt war ich immer viel unterwegs und habe auch heute noch Kunden, die ich selbst betreue.“

In Ihrer jetzigen Position braucht man nicht nur technische Praxiserfahrung, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Wie haben Sie sich diese angeeignet?

Krumme: „Ich bin von Haus aus Maschinenbauingenieur – daher auch meine Nähe zur Industrie. In einem Aufbaustudium machte ich zusätzlich einen Abschluss in Informatik. Bei Accenture habe ich schließlich noch ein Executive-MBA-Programm absolviert, parallel zu meinem Job. Diese Karrierelaufbahn ist nicht untypisch bei Accenture. Insgesamt haben wir ein sehr diverses und damit auch spannendes Kollegenumfeld. Man braucht das Prozessverständnis, das Branchenverständnis und natürlich auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Software-Wissen rückt meiner Meinung nach sogar immer mehr in den Hintergrund – es ist schon lange kein rein technisches Thema mehr, wenn man bei Accenture als SAP-Berater arbeitet.“

Eine SAP-Implementierung ist also keine technische Herausforderung mehr?

Krumme: „Sagen wir es so: Eine klassische SAP-Implementierung würde heutzutage sicherlich nicht mehr an der Technik scheitern – das war vielleicht vor 15 Jahren der Fall. Es kommt heute vor allem darauf an, Organisationen umzustrukturieren und sie auf die Veränderungen durch die Implementierung vorzubereiten.“

Welche Technik-Trends sehen Sie denn in der Branche, was bewegt Ihre Kunden?

Krumme:Business ByDesign ist bei uns gerade ein großes Thema, genauso wie die In-Memory-Technik. Wir arbeiten hier bereits eng mit SAP zusammen. Desweiteren sprechen wir mit Kunden zurzeit viel über Analytics und auch Mobile Computing. Wir waren übrigens schon lange vor der Übernahme durch SAP ein Partner von Sybase. Insgesamt sind wir bei all diesen Trends sehr an einer engen Zusammenarbeit mit SAP interessiert – ich denke davon profitieren alle, vor allem unsere Kunden.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wünsche an die SAP

Wie sieht denn diese Zusammenarbeit mit SAP zurzeit aus? Gerade im DACH-Bereich gab es in den letzten Monaten ja einige organisatorische Veränderungen bei SAP.

Krumme: „Die letzten Veränderungen bei SAP in der Region DACH sehen wir sehr positiv. Michael Kleinemeier war vor kurzem zusammen mit Stephan Sieber auf einem unserer Leadership-Meetings und präsentierte uns bis ins Detail die Strategie der SAP. Das hilft uns natürlich enorm bei unserer Arbeit und es ist auch ein Vertrauensbeweis. Bei Top-to-Top-Meetings mit SAP reden wir regelmäßig über konkrete Kunden und Chancen, die wir zusammen nutzen können. Die Zusammenarbeit funktioniert also schon sehr gut, und wir wollen sie gerade im deutschsprachigen Raum noch ausbauen. In anderen Regionen gibt es da schon wesentlich mehr gemeinsame Projekte. Wir können die Stärken des anderen ergänzend beim Kunden nutzen und einbringen.“

Wie sind Sie durch die Krise gekommen?

Krumme: „Sicherlich hat die Rezession auch Accenture getroffen. Aber im Verhältnis zur übrigen Industrie haben wir deutlich besser abgeschnitten. Nach zwei, drei Quartalen ging es wieder bergauf – seit dem Frühjahr zieht der Markt extrem an. Das sieht man auch an unseren Mitarbeiterzahlen. Bei den SAP-Beratern hat Accenture innerhalb der letzten Monate rund 5.000 neue Stellen geschaffen und haben jetzt 31.000 Spezialisten an Bord. Das spiegelt natürlich wider, dass wir auch im SAP-Geschäft gewachsen sind und Marktanteile gewonnen haben.“

Der Investitionsstau löst sich auf – die Kunden geben wieder Geld für IT aus. Liegt der Schwerpunkt der Investitionen hauptsächlich auf neuer Technik?

Krumme: „Nicht unbedingt. Wir haben in den letzten Jahren viele Fusionen und Übernahmen beobachtet. Bei diesen Unternehmen ist es jetzt an der Zeit, ihre IT-Landschaften zu konsolidieren. Wir haben beispielsweise Kunden, die bis zu 20 verschiedene SAP-Systeme im Einsatz haben. Das geht so natürlich nicht lange gut. Die Unternehmen sind zu unflexibel und betreiben viel zu viel Aufwand, um diese Systeme aktuell und leistungsfähig zu halten. Der größte Vorteil einer Konsolidierung ist zudem, dass man Prozesse harmonisieren kann. Konsolidierung der Systemlandschaft ist also ein großes Thema bei Investitionen. Viele sagen ja, dass der SAP-Markt irgendwann erschöpft ist, weil dann alle Unternehmen SAP im Einsatz haben. Von Erschöpfung kann aber keine Rede sein, gerade wenn es darum geht, die SAP-Landschaften unserer Kunden beweglicher zum machen, um sie bei Expansionen in neue Geschäftsfelder und Märkte zu unterstützen. Hier gibt es noch richtig viel Arbeit und Potenzial für uns – eben nicht nur mit neuer Technik.“

Haben Sie den Eindruck, dass Kunden mit neuer Technik bisweilen auch überfordert sind – und deshalb Investitionen scheuen?

Krumme: „Viele Unternehmen haben gerade noch andere Probleme, als sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. Aber jeder CIO muss heute schon für die nächsten drei bis fünf Jahre planen. Dazu muss er natürlich auch die Pläne der SAP kennen und Informationen zu neuer Technik oder geplanten Produkten haben. Wir dienen hier als Vermittler und sagen den Kunden explizit, dass sie vorausdenken müssen.“

Strategische Diskussionen sind sicherlich nur eine Ihrer Aufgaben als Leiter des SAP-Geschäfts. Worin liegen weitere Herausforderungen, was sind Ihre Ziele?

Krumme: „Meine wichtigste Aufgabe ist es, unser jetziges Wachstum so fortzuführen und auszubauen. Wir müssen in verschiedenen Regionen noch zulegen und wollen auch das Potenzial weiterer Branchen nutzen, in denen wir im SAP-Umfeld noch nicht so breit unterwegs sind. Beispielsweise Handel, Telekommunikation, Energie-, Metall- und Stahlindustrie. Und auch personell wollen wir uns weiterentwickeln – beispielsweise im Bereich Analytics. Damit wir alle weiteren anstehenden Herausforderungen bewältigen können, ist ein sehr wichtiges Ziel von mir, die Partnerschaft mit SAP weiter auszubauen.“

Haben Sie diesbezüglich auch einen Wunsch an SAP?

Krumme: „Ich wünsche mir von SAP, dass wir frühzeitig zusammen über Chancen im Markt sprechen. Wenn wir uns rechtzeitig zusammensetzen und miteinander planen, können wir Projekte sinnvoll aufteilen. Davon proftieren alle Seiten – vor allem die Kunden. Auf der Produktseite ist die Partnerschaft mit SAP meiner Meinung nach kaum mehr zu verbessern.

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2 comments

  1. Kai Bräutigam

    Was ist denn ein “sehr diverses und damit auch spannendes Kollegenumfeld”? Schlägt man im Duden nach, was “divere” bedeutet, dann erfährt man: di|vers… [lat. diversus = abweichend, verschieden] (bildungsspr.): einige, mehrere [verschiedene]: diverse Konzepte, Probleme; diverse …
    divers… allerlei, eine Menge, einig…, ein paar, manch, mancherlei, mehrer…, reichlich, verschieden, verschiedenerlei, viel, vielerlei; …

    Was davon ist gemeint?

    Was ist mit spannend gemeint?

  2. Anonymous

    Typisches Berater-Blablabal. Darauf sollte man nichts geben. Gute Berater sprechen klar und verständlich.

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