Flottenmanagement mit ActiveSuite

Feature | 25. Juli 2007 von admin 0

Lassen sich mit Software Schäden an der Ladung verhindern? Wohl kaum, möchte man meinen. Der SAP-Partner Neoris allerdings hat aus dem Zusammenspiel seiner Composite Application ActiveSuite powered by SAP NetWeaver und SAP Event Manager andere Erfahrungen gesammelt. „Als ein großes US-Telekommunikationsunternehmen seinen Gütertransport mit unserer ActiveSuite nach verfolgte, verzeichnete er einen Schadensrückgang von satten 20 Prozent“, erzählt Lionel Carrasco, CTO bei Neoirs. Die Erklärung dafür ist einfach: Jeder, der die Ware bei ihrer Auslieferung in die Hand nimmt, muss sie scannen. So lässt sich nicht nur ihr Weg verfolgen, sondern auch feststellen, wer die jeweilige Aktion durchgeführt hat. „Die Leute gehen viel pfleglicher mit Gegenständen um, wenn sich ihnen persönlich eventuelle Beschädigungen zuordnen lassen“, so Carrasco.

So erfreulich – und Kosten sparend – dies auch sein mag, handelt es sich hierbei trotzdem nur um einen Nebeneffekt. Hauptaufgabe von ActiveSuite ist es, im Zusammenspiel mit SAP Event Manager (SAP SCEM), einer Anwendung innerhalb SAP Supply Chain Management, mit Echtzeit-Daten für die Nachverfolgbarkeit und Steuerung von Fahrzeugen und Fracht zu sorgen. „Als reine Middleware sitzt ActiveSuite gewissermaßen zwischen der realen Welt und SAP Event Manager“, so Carrasco. In dieser Funktion meldet die Composite Application beispielsweise, ob sich ein Lkw verspäten wird oder rechtzeitig beim Kunden angekommen ist, ob die Stopps planmäßig und in der korrekten Reihenfolge eingehalten werden, ob die Temperatur im Laderaum zu hoch ist oder die Hecktüre offen steht.

Positionsdaten in betriebswirtschaftlichen Kontext setzen

ActiveSuite sammelt und verarbeitet Tracking- und Telemetriedaten aus verschiedenen Quellen – die ohne den entsprechenden prozess- und geschäftsbezogenen Kontext völlig nutzlos wären. Im Zusammenspiel mit SAP Event Manager lösen sie aber durch dort vorgegebene Business Rules Aktionen aus, die den entsprechenden Geschäftsprozess steuern.
„SAP Event Manager stellt via RFID oder GPS gesammelten Datensätze in einen Geschäftskontext. Legt beispielsweise jemand einen Versandauftrag an, erhält ActiveSuite eine Benachrichtigung sowie die entsprechenden Lieferdaten und überwacht dann den Auftrag im Auge. Unsere Composite Application weiß dann, wohin die Lieferung mit welchem Lkw wann geliefert werden soll, und kontrolliert die hierfür notwendigen Schritte. Zeichnen sich anhand der Standortdaten Abweichungen ab, löst SAP Event Manager Dank seiner Event-Handling-Funktionalität proaktiv entsprechende Aktionen aus“, erklärt Carrasco.
„Da Spediteure in Echtzeit über den Ladestatus und den Standort ihrer Flotte informiert sind, können sie beispielsweise die Route eines leeren Lkws ändern, um einen Kommissionierauftrag zu bedienen, anstatt einen weiteren Laster loszuschicken“, so Carrasco. Ohne den entsprechenden Informationsfluss in Echtzeit stehen solche Informationen erst nach Ende der Fahrt zur Verfügung, wenn der Fahrer das Tagesprotokoll abliefert – dann ist es aber zu spät, um einzugreifen.

Schwerpunkt Logistik

„Unser Schwerpunkt liegt auf der Logistik von Landtransporten, die in einem Lager beginnen und an einem Lieferstandort enden. Unsere mit den Szenarien von SAP Event Manager integrierte Lösung soll die Transporteinheiten und Güter während der Lieferung und insbesondere Umladevorgänge sichtbar machen“, hebt Carrasco hervor. Szenarien also, die vor allem auf Handelsunternehmen zugeschnitten sind, die sich naturgemäß enormen logistischen Aufgaben gegenüber sehen.
„Nehmen wir beispielsweise einen großen Tabakhersteller, der gerade seine gesamte Lieferkette umgebaut hat. Früher ließ er an spezielle Verteilerstandorte liefern, wo sich die Ladenbesitzer mit der Ware eindeckten. Heute werden die Läden von strategisch platzierten Großlagern aus direkt beliefert. Dabei plant das Routing-Tool eines Drittanbieters die Distributionswege, ActiveSuite überwacht per Barcode-Scanning die Ausführung mit durchschnittlich 15 bis 20 Stopps. Hinter all dem steht die Auftragsabwicklung von SAP ERP. Wird bei Lieferung via ActiveSuite die Unterschrift erfasst, stößt SAP ERP sofort die Fakturierung an“, schildert Carrasco eines der möglichen Szenarien.
„In aller Regel beginnen die Schwierigkeiten in der Transportbranche, wenn der Lkw die Laderampe verlassen hat. Dann ist es normalerweise zu spät, um Fehler zu korrigieren“, so Carrasco weiter. „Hat das Lager etwa die falsche Ware auf die Rampe gestellt, sind unzufriedene Kunden, Verzögerungen und teure Rückholaktionen vorprogrammiert. Wird die Ware jedoch während des Ladevorgangs gescannt, und unsere Middleware stellt fest, dass sie gar nicht zu der Bestellung gehört, lässt sich das alles vermeiden.“

Die Ladung bestimmt das Szenario

Carrasco hebt zwei Merkmale der ActiveSuite hervor. Zum einen nennt er die „Nestling-Capability“: „Wenn jemand seine Waren eintütet, jeweils zehn Tüten in eine Kiste packt, diese wiederum im Dutzend in einen Container steckt und mit vielen anderen Containern auf die Schiene bringt, lässt sich der Weg des einzelnen Produkts genau nach verfolgen“, so Carrasco. Das erleichtert beispielsweise Rückrufaktionen enorm.
Die so genannte Inference-Engine der ActiveSuite wiederum verknüpft reine Zeit- und Standortangaben mit Telemetriedaten. So lässt sich beispielsweise vermeiden, dass reaktive Chemikalien unsachgemäß nebeneinander gelagert werden. Oder: „Was, wenn der LKW eine Panne hat?“, fragt Carrasco. „Der Fahrer ruft in der Firma an, gibt seinen Standort durch, irgendwer schickt ein Ersatzauto. So weit so gut.“ Hat ein LKW mit Büromaterialien eine Panne, so ist das zweifellos ärgerlich. Fällt eine Kühleinheit im Lebensmitteltransporter aus, so wird das unter Umständen deutlich teurer. Der Schaden bei empfindlichen Impfstoffen hingegen kann in die Millionen gehen. „Die Ladung bestimmt also das Überwachungsszenario und die zugehörigen Sensoren.“ Ein Temperaturfühler gekoppelt mit der Inference-Engine der ActiveSuite merkt sofort, wenn etwas schief geht, die im SAP Event Manager vereinbarten Business Rules geben Warnsignale oder setzen die entsprechende Reaktion in Gang – lange bevor die Situation eskaliert. „Ich rate meinen Kunden daher immer: Sagt mir was ihr geladen habt, und ich sage euch, welche Tracking-Daten sinnvoll sind“, schließt Carrasco.

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