Adaptive Computing – starre Architekturen aufbrechen

Feature | 28. November 2005 von admin 0

In den Unternehmen wird verstärkt darauf hin gearbeitet, die Wartung und Administration von IT-Landschaften und -Systemen zu optimieren. Dabei prägen Schlagworte wie Return of Investment (ROI) und Total Cost of Ownership (TCO) die aktuelle Diskussion. Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählt die Fähigkeit, sich in kürzester Zeit an veränderte Anforderungen von Seiten der Kunden, Lieferanten und Partner anzupassen. Dies gilt nicht nur für die Mitarbeiter eines Unternehmens, sondern auch für die im Tagesgeschäft notwendigen Softwareanwendungen und die darunter liegende IT-Infrastruktur.

Anpassungen werden die Regel

Die Hard- und Softwaretechnologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend weiterentwickelt. Bei Computersystemen beispielsweise vollzog sich ein Wechsel vom monolithisch aufgebauten Mainframe zur modernen Client/Server-Architektur. Auf der Software-Seite setzten sich mehr und mehr objektorientierte Programmiersprachen durch.
Diese Veränderungen hatten einen direkten Einfluss auf die in den Rechenzentren verwendeten Technologien. War zum Beispiel vor einigen Jahren noch die direkte Kopplung von Servern und Speichersystem ein vielfach genutzter Standard (Direct Attached Storage, DAS), so gibt es heute die verschiedensten Möglichkeiten einer Anbindung – sei es über Storage Area Networks (SAN) oder via Network Attached Storage (NAS).
Doch auch solche Entwürfe einer System- und Landschaftsarchitektur sind noch sehr statisch ausgeprägt. Nach der Einführung einer Lösung bei einem Kunden und dem anschließenden Produktivstart wird die IT-Landschaft in der Regel nur zu außergewöhnlichen Anlässen, bei strukturellen Änderungen wie Upgrades, Erweiterungen oder Migrationen in größerem Maße modifiziert. Eine konstante Anpassung an die stetig wechselnden Anforderungen – zum Beispiel hinsichtlich der Performance – lässt sich mit diesen Mitteln nur beschränkt verwirklichen.

Virtualisierung durch SAP NetWeaver

Um dieses Hardware-Problem zu lösen und dem Kunden die Möglichkeit zu geben, etwa auf Engpässe bei der Performance rasch zu reagieren, bietet SAP NetWeaver mit Adaptive Computing eine Technologie, die es erlaubt, einzelne Teile einer Lösung flexibel innerhalb einer IT-Landschaft zu verschieben. Adaptive Computing beinhaltet vier Blöcke: Computing (Rechner/Server), Network (Netzwerk), Storage (Speichersysteme) und Control (Steuerung).
Der Adaptive Computing Controller versetzt SAP-Kunden in die Lage, die verfügbaren Hardware-Ressourcen dynamisch zu verwalten und sie jederzeit den verschiedenen Lösungen beziehungsweise Applikationen zuzuweisen. Ein Beispiel: Jeweils am Monatsende laufen in einem produktiven System bei einem SAP-Kunden verschiedene Batchjobs oder ein Berichtswesen ab, die erhöhte Anforderungen an die Performance und damit an die Leistung der verwendeten Server stellen. Auf Knopfdruck lässt sich ein Applikationsserver innerhalb weniger Minuten von einem 2-Wege- auf einen 4- oder 8-Wege-Server “umziehen”. Dabei entfallen komplizierte und langwierige Konfigurationsarbeiten des Administrators.
Um eine solche dynamische Zuweisung technisch zu realisieren, müssen auch Softwareelemente wie Betriebssystem, Datenbank und Applikation, die auf die Ressourcen zugreifen wollen, entsprechend konfiguriert beziehungsweise programmiert sein. Um auch die Software fit für Adaptive Computing zu machen, wird eine neue Abstraktionsschicht implementiert, die die feste Kopplung zwischen Applikation und physikalischem Server aufhebt. Virtuelle IP-Adressen und logische Hostnamen gewährleisten, dass die Sicht für den Anwender unabhängig von der tatsächlich verwendeten Hardware und immer gleich ist.

Partnerloesungen zum Adaptive Computing

Partnerloesungen zum Adaptive Computing

SAP arbeitet eng mit Plattformpartnern zusammen, damit die im SAP-Umfeld üblichen Betriebssysteme und Datenbanken die Anforderungen des Adaptive Computing künftig erfüllen. Hierzu wurde im Oktober 2003 das SAP Adaptive Computing Council gegründet, ein Forum für den laufenden Informationsaustausch. Ein Ergebnis des Forums ist der Adaptive Computing Compliance Test, mit dessen Hilfe Kunden erfahren, welche Partner eine Lösung anbieten, die die Anforderungen des Adaptive Computing erfüllen. Ein solcher Test besteht aus mehreren Schritten, unter anderem müssen die drei Funktionen Start, Stopp und Relocate erfolgreich demonstriert werden. Seit dem ersten Compliance-Test im Mai 2004 sind inzwischen viele weitere hinzugekommen. Registrierten Anwendern steht der aktuelle Stand auf dem SAP-Service-Marktplatz zum Abruf zur Verfügung.
Im April 2005 hat SAP den Adaptive Computing Controller an die Kunden ausgeliefert, seit November 2005 ist der Controller in der Version ACC 1.0 SP8 um weitere Funktionalitäten ergänzt worden:

Konfiguration logischer und physikalischer Systemlandschaften

Die einzelnen Komponenten einer Landschaft lassen sich sowohl auf der logischen – die Anwendungen betreffenden – als auch auf der physikalischen Ebene in so genannten Pools gruppieren. Dies macht es möglich, die Landschaft hierarchisch zu unterteilen, was insbesondere bei großen Landschaften zu einer erheblich verbesserten Darstellung führt.
Auf der physikalischen Ebene lassen sich sowohl einzelne Server als auch virtuelle Einheiten verwalten, was zu einer großen Flexibilität führt. Es lassen sich gemischte Landschaften mit verschiedenen Hardware-Varianten und Betriebssystemen betreiben.

Starten, Stoppen und Umziehen von Komponenten

Der Adaptive Computing Controller bietet dem Administrator die Möglichkeit, auf einfache Weise Teile einer SAP-Landschaft, etwa Datenbanken oder Applikationsserver, flexibel den zur Verfügung stehenden Servern zuzuordnen und in kürzester Zeit Software zwischen verschiedenen Servern zu verschieben.

Erfassung in einer Adaptive-Computing-Landschaft

Mit Hilfe des Controller-Log lässt sich nachverfolgen, welcher Teil der Applikation (‚Application Service’) zu welcher Zeit welchem Server zugeordnet war. Diese Information ist dann beispielsweise für internes Reporting und die Kostenverrechnung weiter zu verwenden.

Zeitgesteuerte Aktionen

Der Task-Planer im Adaptive Computing Controller bietet die Möglichkeit, das Starten, Stoppen und Umziehen von Komponenten einer SAP-Landschaft sekundengenau einzuplanen. So lässt sich der Einsatz der verfügbaren Ressourcen optimal planen.

Massenoperationen

Adaptive Computing Controller

Adaptive Computing Controller

Die Funktion für Massenoperationen ermöglicht dem Administrator, mehrere Aktionen parallel zu starten, um beispielsweise eine komplette SAP-Lösung auf einer IT-Landschaft herunterzufahren und auf einer anderen wieder zu starten. So lassen sich Hardware-Updates oder –Wechsel beispielsweise bei auslaufenden Leasingverträgen schnell und einfach vornehmen.

User Exits

Hier können über ein externes Skript sowohl beim Starten als auch beim Stoppen eines Applikationsservices in einer Pre- und in einer Postphase vom Kunden definierbare Aktionen angestoßen werden – zum Beispiel um eine Eigenentwicklung einzuspielen.

Adaptive Computing Controller Command Interface

Mit Hilfe des Adaptive Computing Controller Command Interface (AC-CCI) lässt sich der Adaptive Computing Controller auch von externen Tools ansteuern. Weitere Informationen hierzu sind über SAP Developer Network zu beziehen. (sdn.sap.com – SAP Integration and Certification Center – Adaptive Computing)
Der Adaptive Computing Controller ist für alle Kunden, die über eine mySAP-Business- und mySAP-Solution-Lizenz verfügen, frei zugänglich. Die Software kann entweder über die lokalen Vertriebskanäle bezogen oder vom SAP Service-Marktplatz heruntergeladen werden.

Roland Wartenberg

Roland Wartenberg

Georg Dittmar

Georg Dittmar

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