Seitenwechsel: Aus User wird Chef

Feature | 11. Januar 2010 von Perry Manross 0

Japan: Geschäftsführer von Adobe wechselt zu SAP

Japan: Geschäftsführer von Adobe wechselt zu SAP

Auf dem Chefsessel bei SAP Japan nahm Garrett Ilg im September 2008 genau einen Tag nach der Pleite der US-Investmentbank Lehmann Brothers Platz. In der Folgezeit kam das Neugeschäft fast zum Erliegen. So deprimierend es sein mochte, den Auftragsbestand dahinschmelzen zu sehen – Ilg zeigte sich unerschütterlich optimistisch. „Man muss positiv denken und darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren“, argumentiert er.

An jenen ersten Tag bei der SAP wird er sich sicher noch lange erinnern. Doch Ilg relativiert: „Ich habe schon andere Krisen erlebt, die den japanischen Markt ähnlich stark erschütterten.“ Mehr als ein IT-Unternehmen hat der Manager in den letzten 25 Jahren sicher durch raue See gesteuert.

Krisen sieht Ilg als Gelegenheit, Geschäftsmodelle nachzujustieren. „Dabei geht es um die Frage, wie man sein Unternehmen durch die Höhen und Tiefen einer immer labileren Weltwirtschaft führt.“ Um ihren Kunden dabei zu helfen, müsse die SAP Lösungen anbieten, mit denen Firmen schnell auf Flauten reagieren und bei anziehender Nachfrage ebenso rasch wieder auf Wachstumskurs einschwenken könnten.

Vom Anwender zum Entscheider

Als ehemaliger Chef von Adobe Japan ist Ilg in besonderer Weise für die Leitung der japanischen SAP-Landesgesellschaft qualifiziert. Adobe arbeitete selbst auf einer SAP-Plattform. Ilg bescheinigt, dass das Softwarehaus damit höhere Margen erwirtschaftet habe als die Konkurrenz: „Dadurch wiederum verfügten wir über die Mittel zur Entwicklung innovativer Produkte, mit denen wir im Wettbewerb die Nase vorn behielten.“

In seinen früheren Positionen hatte der Manager bereits das ganze Spektrum angewandter Informationstechnik kennengelernt. So entwickelte er einen Blick dafür, wie sich die einzelnen Produktkategorien zu einer Gesamtlösung zusammenfügen. Nach gut einem Jahr in seiner neuen Funktion zeigt er sich zuversichtlich: „Die Chancen der SAP, weiteren japanischen Unternehmen in ähnlicher Weise zu helfen wie Adobe, stehen besser als ich dachte.“

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Qualität als Schlüssel zum Erfolg

Mit seinem erklärten Ziel, die Zufriedenheit der SAP-Kunden zu steigern, hat Ilg gleich zu Beginn seiner Amtszeit Akzente gesetzt. „Was ich aus Umfragen und Bewertungen herauslas, widersprach meiner persönlichen Erfahrung als SAP-Nutzer“, erzählt er. „Mir war klar, dass wir bessere Ergebnisse erzielen konnten.“ Um dies zu beweisen, bildete er aus Mitarbeitern mehrerer Ressorts ein „Customer Satisfaction Task Team“. Schon nach einem Jahr konnte dieses Team die Kundenzufriedenheit maßgeblich steigern.

Mehr als anderswo gelte in Japan die Zufriedenheit der Kundschaft als Maß der Produktqualität, glaubt Ilg. Zudem treibe der gnadenlose Wettbewerb die Ansprüche der Kunden in die Höhe. Die Zahl der Anbieter ähnlicher, oft austauschbarer Waren oder Dienstleistungen sei ebenfalls höher als auf anderen Märkten.

Die Anstrengungen der SAP, die Erwartungen ihrer japanischen Klientel zu erfüllen, erkennt Ilg ausdrücklich an. Er weist aber auch darauf hin, dass diese Erwartungshaltung eine Konstante sei: „In Japan kann sich kein Anbieter auf seinen Lorbeeren ausruhen. Man muss sich stetig verbessern, um den Ansprüchen der Kunden zu genügen.“

Partnerschaften sind das A und O

Auch im Land der aufgehenden Sonne arbeitet die SAP bei Schulung, Hosting, Support und Entwicklung mit spezialisierten Partnern zusammen. Ilg zufolge ist an fast allen lokalen Geschäftsbeziehungen der SAP in irgendeiner Form ein Partner beteiligt. Dies habe damit zu tun, dass viele japanische Unternehmen keinen CIO einstellten, sondern dessen Aufgaben von der Verwaltung des IT Budgets und der Infrastruktur bis zum Entwurf und zur Umsetzung der IT-Strategie einem IT-Partner übertrügen. In der Produktentwicklung sind Kooperationen ebenso üblich. „Gemeinsam mit Kunden, Partnern und unserem Vertrieb haben wir neue Ideen formuliert und dafür gesorgt, dass unsere Lösungen den Anforderungen des japanischen Marktes gerecht werden“, unterstreicht Ilg. Zudem dürfte das SAP-BusinessObjects-Portfolio dort großen Anklang finden.

Lösungen nach Maß

Partnerschaften haben auf dem japanischen IT-Markt nicht zuletzt deswegen Tradition, weil die dortigen Unternehmen ihre Software noch bis in jüngste Zeit individuell programmieren oder nachrüsten lassen mussten – etwa mit Double-Byte-Zeichensätzen zur Darstellung der japanischen Schrift. Als die mehrschichtige Systemarchitektur aufkam, schrieben lokale IT-Lieferanten ihre Programme größtenteils von Hand und gaben sie beim jeweiligen Kunden in den Rechner ein.

Je schneller die Technik fortschritt, desto häufiger mussten die Anwender ihre Systeme aktualisieren. Bald erwies sich die individuelle Weiterentwicklung als zu langsam und kostspielig. Darum setzten Anbieter wie Kunden zunehmend auf Standardsoftware. In den neunziger Jahren erkannte die SAP darin den Trend, auf den sie ihren Erfolg gründete.

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