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AG 6 auf dem IT-Gipfel: Nun auch Industrie 4.0 im Fokus

22. Oktober 2014 von Andreas Schmitz 0

Software Campus mit ersten Absolventen, Smart Data Innovation Lab mit vier Pilotprojekten und Kompetenzentwicklung Industrie 4.0 auf dem Weg: Die Arbeitsgruppe 6 über aktuelle Projekte und neue Vorhaben auf dem IT-Gipfel in Hamburg.

Der Präses der Hamburger Handelskammer macht deutlich, welche Entwicklungen die Wirtschaft in der Hansestadt im hohen Norden künftig bestimmen werden: „Nicht nur eine Kaufmannsstadt“ sei Hamburg, sondern mit 50.000 Mitarbeitern in IT-Unternehmen, 1.000 IT-Neugründungen pro Jahr und einer Bruttowertschöpfung von 4,3 Milliarden Euro pro Jahr längst in der digitalen Zukunft angekommen, macht der Gastgeber des Nationalen IT-Gipfels in Hamburg, Fritz Horst Meisheimer, deutlich. Lufthansa Technik, Airbus als große technologiegetriebene Konzerne, der Hamburger Hafen mit seiner IT-getriebenen Logistik, Versandhändler Otto als zweitgrößter Onlinehändler der Welt: Hamburg ist eine Stadt im digitalen Wandel. Und diese Konzerne wie junge IT-Unternehmen haben das Potenzial für ein Thema, das jeder an diesem Tag in Hamburg in den Mund nahm: Industrie 4.0. „Unser Land hat alles, was es braucht, um eine Führungsrolle einzunehmen“, sagt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Bezug auf die landesweite Bedeutung des Themas. „Europäer sollen die Standards für Industrie 4.0 setzen“, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied Produkte und Innovation, erläutert, wie SAP zahlreichen Startups Zugang zu Knowhow und Echtzeitplattformen verschafft: „Echtzeitveredelung“ nennt der SAP- Technologievorstand das, wenn Big Data letztlich nicht als Bibliotheken enden, sondern für neues Wissen genutzt werden – eine Voraussetzung für Industrie 4.0.

Kompetenzentwicklung Industrie 4.0: Henning Kagermann: „Eine Qualifizierungsoffensive ist nötig“

Die „Kompetenzentwicklung für Industrie 4.0“ ist denn auch eines der neuen Themen, die die sechste Arbeitsgruppe „Bildung und Forschung für die digitale Wirtschaft“ (AG 6) umtreibt, die Bernd Leukert als Vorsitzender mit leitet. „Eine Qualifizierungsoffensive ist nötig“, sagt der Präsident der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, Ex-SAP-Chef und einer der Initiatoren von Industrie 4.0, Henning Kagermann, am Rande des IT-Gipfels: „Wir müssen ein Fundament für die Arbeit der Zukunft schaffen, die durch Industrie 4.0 geprägt wird.“ Facharbeiter, Hilfsarbeiter, Ingenieure: Alle werden voraussichtlich neue Aufgaben übernehmen müssen. Weiterbildungen werden nötig sein, um spezifisch für den jeweiligen Bildungshintergrund der Mitarbeiter die bisherige Tätigkeit angemessen aufwerten zu können. Angestrebt wird, dass die Kompetenzinitiative zur Hannover Messe im kommenden Jahr eine Vorstudie erstellt, aus der klar wird, welche Fähigkeiten in den Unternehmen besonders gefördert werden sollten. Erste Pilotprojekte erwartet Kagermann ebenfalls im kommenden Jahr.

Bereits in der Pilotphase befindet sich das zweitjüngste Projekt der AG 6, das Smart Data Innovation Lab. Der CIO und Bereichsleiter für Informatik, Wirtschaft und Gesellschaft am Karlsruhe Institute of Technology (KIT), Professor Wilfried Juling, kann bereits von vier Projekten berichten, die sich damit beschäftigen, „aus Daten Wissen zu generieren“. Das Besondere: Daten aus der Wissenschaft, dem öffentlichen Sektor und der Industrie werden zu Erprobung von Algorithmen eingesetzt. Die nötige Technik (Software und Plattformen) liefert die Industrie – neben SAP auch IBM und die Software AG. Eine Treiberrolle nahm hier laut Juling die SAP ein, die Be-Treiberrolle das KIT.

Die Pilotprojekte aus dem Smart Data Innovation Lab

Der Mitinitiator der Initiative und Treiber auf SAP-Seite Stephan Fischer ist inzwischen für ein Pilotprojekt unterwegs und hat zudem von Anbieter- auf Industrieseite gewechselt, als Leiter der Softwareentwicklung bei der Trumpf GmbH. Hier setzt er in einer Kooperation mit dem KIT und SAP in einem Industrie-4.0-Projekt Werkzeugdaten ein, um eine vorausschauende Wartung der Maschinen zu ermöglichen. „Das Ziel ist, Anomalien in den Produktionsprozessen ausfindig zu machen und frühzeitig Mängel zu erkennen“, erläutert Juling, der darauf hinweist, dass gerade hier Sicherheitsaspekten eine besondere Bedeutung zukommt. „Diese Daten dürfen nicht in falsche Hände geraten, denn sie sind sehr sensibel“, so der Experte vom KIT. Weitere Pilotprojekte beschäftigen sich etwa damit, Stromnetz- und Strommarktdaten über einen zu entwickelnden Algorithmus besser vorhersagen zu können, Städte am Rhein über Hochwasserprognosen besser schützen zu können und im Medizinbereich riesige Mengen an Hirnscandaten so zu verarbeiten, dass sich Anomalien im Gewebe besser und zuverlässiger finden lassen als bisher.

Schon etwas länger im „Programm“ der AG 6 ist der Software Campus. Vor drei Jahren gestartet sind nun die ersten drei Absolventen „reif“ für eine Laufbahn als Führungskraft in der IT. Sie haben das Zertifikat aus den Händen von Bernd Leukert und dem Chef des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster, in Hamburg erhalten. Insgesamt 50 Studenten werden bis Ende des Jahres fertig werden, über hundert weitere Studenten stecken mitten im Studium, das von diversen Industriepartnern, Forschungseinrichtungen und Behörden unterstützt wird, darunter SAP, Bosch und Siemens auf Industrie-, das KIT, die TU München und TU Darmstadt auf Forschungs- und das BMBF und die EIT ICT Labs auf behördlicher Seite.

Nicht alle dieser Qualifizierungsinitiativen dienen dem Hype-Thema Industrie 4.0. Doch es besteht Bedarf, potenziell neue Mehrwerte für das Thema zu schaffen. „Die erste Halbzeit haben wir gegen die USA und Asien bereits verloren“, bemerkt Telekom-Chef Timotheus Höttges, „dabei haben wir in Deutschland etwa in Hinsicht auf Produktivität entscheidende Vorteile gegenüber den US-Internetfirmen“.

 

Weitere Informationen: IT-Gipfel in Hamburg

Mehr zur Arbeitsgruppe 6: “Bildung und Forschung für die digitale Zukunft”

Lesen Sie auch den Blog von Bernd Leukert: Die neue Rolle der IT-Spezialisten in der Industrie 4.0

Lesen Sie auch: Industrie 4.0: Logistik-Plattformen werden kommen

Alle Bilder: EIT ICT Labs Germany GmbH / Eventbildservice / Daniel Reinhardt

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