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Was agile Methoden zum Erfolgsfaktor macht

Feature | 3. November 2014 von Friederike Orths 0

Der Trend könnte nicht deutlicher sein: Immer mehr Unternehmen setzen auf agile Methoden. Mit 612 Teilnehmern aus 20 verschiedenen Branchen und 37 Ländern offenbart die Neuauflage der „Status Quo Agile“-Studie des BPM-Labors der Hochschule Koblenz, woran das liegt.

Obwohl fast zwei Drittel der Befragten sie erst seit vier Jahren nutzen, werden agile Methoden positiv bewertet – vor allem im Vergleich zum rein klassischen Projektmanagement. Die Befragten bewerten die Erfolgsquote ihrer Projekte bzw. Entwicklungsprozesse, die mithilfe agiler Methoden durchgeführt wurden, als sehr hoch (mehrheitlich über 79 Prozent).

Quelle: Studie Status Quo Agile 2014, BPM-Labor HS Koblenz, Prof. Dr. Komus

Quelle: Studie Status Quo Agile 2014, BPM-Labor HS Koblenz, Prof. Dr. Komus

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei Kriterien wie der Mitarbeitermotivation und Termintreue schneiden agile Methoden durchgehend besser ab als klassische Projektmanagementmethoden.

Mischformen eher die Regel als Ausnahme

Trotzdem setzen die meisten Anwender auf Mischformen; nur ein Viertel wendet ausschließlich agile Methoden an. Interessanterweise werden agile Methoden nicht nur in der Softwareentwicklung genutzt, auch IT-nahe bzw. Nicht-IT-Aktivitäten machen bereits 41 bzw. 27 Prozent aus.

Immerhin fünfzehn Prozent der Befragten benutzen aber nach wie vor ausschließlich klassische Projektmanagementmethoden. Immerhin zwei Fünftel wenden agile Methoden selektiv an – je nach Projekt entscheiden sie sich für agil oder klassisch. Insgesamt sind Mischformen eher die Regel als die Ausnahme.

Quelle: Studie Status Quo Agile 2014, BPM-Labor HS Koblenz, Prof. Dr. Komus“

Quelle: Studie Status Quo Agile 2014, BPM-Labor HS Koblenz, Prof. Dr. Komus“

Prof. Dr. Ayelt Komus, Initiator der Studie und Leiter des BPM-LABORs an der Hochschule Koblenz, meint dazu: „Es ist anzunehmen, dass die Wahl der geeigneten Sichtweise einen wesentlich entscheidenderen Erfolgsbeitrag leistet als die optimale Ausgestaltung der jeweiligen Methodik. Unternehmen sollten genau überlegen, ob sie eine Aufgabenstellung als einmaliges Projekt oder als kontinuierliches Vorhaben zur Entwicklung, Wartung und Verbesserung eines Produktes verstehen und managen.“

Scrum, Design Thinking und Kanban besonders effektiv

Mit 86% ist Scrum die am meisten genutzte agile Methode, gefolgt von Kanban, XP und Feature Driven Development. Kanban und Design Thinking konnten in den letzten zweieinhalb Jahren einen deutlich größeren Nutzerzuwachs verzeichnen als agile Methoden insgesamt. Scrum wird in allen Teilkriterien am besten bewertet – besonders bei Teamwork und Transparenz. Zusammen mit Kanban, Lean und Design Thinking gehört es zu den Praktiken, die im Vergleich zu klassischem Projektmanagement am positivsten bewertet werden.

Wandel als Bestandteil der Unternehmenskultur

Was die Disziplin der unterschiedlichen Teams angeht, scheint es gegen agile Methoden kaum Bedenken zu geben: Lediglich sechs Prozent der Anwender agiler Methoden und zehn Prozent der der Anwender klassischen Projektmanagements glauben, dass agile Projektteams undiszipliniert sind.

Die Frage, ob ein Unternehmen oder eine Fachabteilung Wandel als Teil der eigenen Kultur begreift, scheint auch für agile Methoden eine Rolle zu spielen: 74 Prozent der agilen Anwender geben an, dass dies bei ihnen der Fall ist. Wer hingegen auf klassisches Projektmanagement setzt, begreift Wandel seltener (55 Prozent) als integralen Bestandteil der eigenen Unternehmenskultur.

Und was glauben die agilen Anwender selbst? Mehr als die Hälfte hält sich für erfolgreicher als die Konkurrenz. Nur 45 Prozent der Nutzer klassischen Projektmanagements behaupten dasselbe von sich.

„Bessere Softwarequalität ohne zusätzlichen Aufwand“

Das bestätigen auch interne Studien der SAP, bei der seit 2010 etwa 5000 Entwickler mit dem Konzept vertraut gemacht wurden: „Bei agilen Methoden geht es darum, eine neue Denk- und Arbeitsweise  aufzugreifen“, so Christoph Schmidt, Research Associate und Experte zum Thema agile Methoden bei SAP. „Sogenannte High Adopters haben festgestellt, dass individuelle Beiträge besser wertgeschätzt werden und loben den Lernzuwachs sowie die größere Motivation der Teammitglieder. Man kann ohne zusätzlichen Aufwand eine bessere Softwarequalität erreichen.“

Dabei ist aber auch klar: Einwöchige Trainings reichen nicht aus, um einen nachhaltigen Wandel in der Entwicklungskultur zu verankern. So oder so ist eines sicher: Wegzudenken sind agile Methoden aus dem Projektmanagement-Bereich nicht mehr. Die Frage ist nur, wie gut Anwender sie sich zunutze machen.

Nützliche Links:

Unter http://www.status-quo-agile.de/ können Sie den kompletten Abschlussbericht der zweiten „Status Quo Agile“-Studie anfordern.

Hier geht es zur vollständigen Fallstudie „Empirical Insights into the Perceived Benefits of Agile Software Engineering Practices: A Case Study from SAP” von SAP (auf Englisch).

 

 

Bildquelle: Shutterstock

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