Aktuelle Webseiten, zufriedene Redakteure, gut informierte Leser

Feature | 15. Mai 2006 von admin 0

Nichts ist langweiliger als die Zeitung von gestern. Das gilt auch für Webinhalte. Nachrichten, Angebote, Daten und Hinweise, die offensichtlich seit Wochen oder gar Monaten nicht aktualisiert wurden, wirken meist peinlich und werfen ein schlechtes Licht auf die Flexibilität eines Unternehmens. Doch die ständige Aktualisierung erfordert gerade bei umfangreichen Webangeboten einen hohen Aufwand. Ist dann noch das Redaktionssystem, mit dem die Seiten aktualisiert werden, umständlich zu bedienen, leidet die Akzeptanz bei den Online-Redakteuren. Das kann zu Engpässen in der Redaktion sowie zu fehlerhaften und widersprüchlichen Informationen für die Besucher der Website führen.

Unhandliche Bedienung

Volkswagen Financial Services AG

Volkswagen Financial Services AG

Die mehr als 50 Redakteure der Volkswagen Financial Services AG, einer 100-prozentigen Tochter der Volkswagen AG, sind für die Inhalte einer ganzen Reihe von Websites rund um die Themen Finanzierung, Leasing, Versicherung und Direct Banking verantwortlich. Das vorhandene Content-Management-System (CMS) war nicht sehr anwenderfreundlich. Insbesondere die visuelle Gestaltung der Seiten erwies sich als kompliziert, beispielsweise war eine Seitenvorschau nicht möglich. Die Folge: Das CMS wurde nicht akzeptiert und daher nicht optimal genutzt. Es kam zu Fehlern, veröffentlichte Seiten sahen anders aus als beabsichtigt. Qualität und Effizienz der Arbeit ließen zu wünschen übrig, die Zufriedenheit der Anwender sank.
“Zunächst überlegten wir, das vorhandene CMS anwenderfreundlicher zu gestalten”, erinnert sich Holger Weidemann, zuständiger Projektleiter bei der Volkswagen Financial Services AG. “Doch die Umsetzung wäre zu kompliziert und teuer geworden. Wir suchten deshalb einen anderen Weg, um den Redakteuren die Arbeit zu erleichtern.” In einer Studie wurden die Schwachpunkte des alten CMS zusammengestellt, die es bei der Neuentwicklung zu vermeiden galt. Anschließend entwickelten die IT-Verantwortlichen der Volkswagen Financial Services AG gemeinsam mit den Redakteuren ein Feinkonzept in Form eines Pflichtenheftes, das im Detail die Funktionalität und das Erscheinungsbild der Oberflächen festlegt.

Web-Dynpro-Experten gesucht

Schnell war klar, dass die neue Lösung in die SAP-NetWeaver-Technologie integriert sein sollte, da die IT-Landschaft des Unternehmens bereits auf dieser Plattform basiert. “Als wesentlicher Vorteil bei der Entwicklung unseres neuen CMS hat sich das SAP NetWeaver Developer Studio erwiesen. Dank der guten Benutzerführung ermöglicht die graphische Entwicklungsumgebung der Technologieplattform SAP NetWeaver ein effizientes Arbeiten”, erläutert Weidemann. “Außerdem ließen sich die Rollenkonzepte aus SAP NetWeaver Enterprise Portal, das wir ebenfalls mit Erfolg verwenden, einfach in ein neues CMS übernehmen.”
Schließlich musste noch ein Partner für die Umsetzung gefunden werden. “Die vorgesehenen Lösungen und Technologien waren recht neu im Markt”, so Weidemann. “Deshalb suchten wir einen Dienstleister, der die Technologie und die abzuschätzenden Risiken gut kannte. Im Sommer 2005 entschied sich die VW Financial Services AG für die TietoEnator GmbH, die deutsche Tochter des TietoEnator-Konzerns. “Wir sind seit mehreren Jahren mit SAP NetWeaver vertraut”, erklärt Harald Freund, bei TietoEnator für dieses Projekt zuständig. Holger Weidemann von Volkswagen Financial Services ergänzt: “Zudem überzeugte das Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.”
Zu Beginn des Projektes war bei der Volkswagen Financial Services AG noch keine Anwendung in der Web-Dynpro-Technologie produktiv. “Ziel war es deshalb auch, als einer der Vorreiter dieses Programmiermodell zu erproben”, erläutert Freund. “Die Leistungsfähigkeit der geplanten Anwendung war nicht klar einzuschätzen”, berichtet er. Eine weitere Herausforderung: Die für das neue CMS zwingend erforderliche Seitenvorschau lässt sich in reiner Web-Dynpro-Technik nicht umsetzen. “Da mussten wir uns ebenfalls etwas einfallen lassen”, bekennt Freund. “Doch zunächst gaben wir der neuen Lösung einen Namen: FS.Edit, wobei FS für Financial Services steht.”

Bewährtes bleibt

Systemdiagramm

Systemdiagramm

Die IT-Profis von TietoEnator teilten das Projekt zur besseren Übersicht in zwei Teilbereiche: Die Entwicklung der Oberfläche und die Anbindung der Datenbank. “Wird mit Web Dynpro entwickelt, so bietet das den Vorteil, dass das MVC-Design-Pattern unterstützt wird. Dieses Konzept erlaubt, die Oberfläche und den Controller unabhängig voneinander auszuarbeiten”, erläutert Freund. “Außerdem muss man nicht immer alle Komponenten einer Anwendung neu entwickeln. Die vorhandene Datenbankschicht beispielsweise hatte sich bewährt und ließ sich mit wenigen Ergänzungen weiterverwenden.”
Damit war es möglich, dass die beiden Teilprojekte die Datenbankanbindung gemeinsam nutzen können. Die redundante Pflege der Schnittstellen zur Datenbank entfällt damit. Für die Anbindung der Datenbank über vordefinierte Funktionen, so genannte Stored Procedures, wurde eine spezielle Schnittstelle entwickelt, die auch verteilte Transaktionen ermöglicht. So lassen sich Daten auch über mehrere Dialoge hinweg konsistent ändern. Dabei kommt der bewährte Data Access Object Pattern (DAO) zum Einsatz. Durch ihre klare Strukturierung und den hohen Abstraktionsgrad erleichtert die DAO-Schicht die Programmierung enorm.

Dialog-Elemente angepasst

Oberfläche von FS.Edit

Oberfläche von FS.Edit

Die Oberflächen gestaltete TietoEnator in enger Zusammenarbeit mit den Redakteuren. Zunächst wurden die Dialoge und Funktionalitäten der Lösung interaktiv visualisiert und den Redakteuren präsentiert. Auf diese Weise flossen Änderungswünsche und Verbesserungen frühzeitig ein. Die über 60 Dialoge, beispielsweise für Seitenverwaltung, Artikelbearbeitung oder Inline-Editing, lassen sich bequem über Reiter anklicken. Die Redakteure bearbeiten die Inhalte über spezielle Editoren, die ihnen übersichtliche Auswahlhilfen bieten. Für jedes Element einer Webseite können Eigenschaften, Berechtigungen und Sichtbarkeiten festgelegt werden. Auch ein HTML-Editor für das einfache Erstellen von HTML-Seiten steht zur Verfügung, der nahtlos in die Anwendung eingepasst ist.
Für jeden Internetauftritt gibt es vier mögliche Rollen: globaler Administrator, lokaler Administrator, Berufsredakteur, Gelegenheitsredakteur. Je nach Rolle werden die Oberflächen unterschiedlich dargestellt – Reiter werden ein- und ausgeblendet, Buttons werden sichtbar oder unsichtbar. So sieht der Anwender nur diejenigen Funktionen, die er auch braucht. “Besonders praktisch ist, dass die Rollen wie bisher in SAP NetWeaver Enterprise Portal vergeben und über eine Schnittstelle in FS.Edit übernommen werden”, so Freund.

Neuland betreten, Rollout verkürzt

Um eine korrekte Vorschau der erstellten oder geänderten Seiten zu erhalten und um Grafiken direkt und dynamisch aus der Datenbank zu lesen und anzuzeigen, musste die Funktionalität von Web Dynpro erweitert werden. Dazu wurde unterstützend eine zusätzliche J2EE-Komponente entwickelt. Mit dieser können binäre Daten aus der Datenbank automatisch für Anzeigen im Browser aufbereitet werden. Die Seiten können damit auch direkt aus der Vorschau online und offline gestellt werden.
In nur zwei Monaten wurde FS.Edit realisiert. Schon das erste Feedback der Redakteure war durchweg positiv. “Die Akzeptanz war von Anfang an sehr hoch”, bestätigt Holger Weidemann. Nach wenigen Korrekturen ging die Lösung schließlich innerhalb von drei Tagen in Betrieb. “Eigentlich war eine längere Testphase geplant”, so Weidemann. “Doch die Vorteile gegenüber dem alten System waren so deutlich, dass wir den Rollout vorgezogen haben.”

Bessere Akzeptanz, bessere Arbeit

Weidemann freut sich besonders darüber, dass schon zur Internationalen Automobilausstellung im September 2005 die ersten Webseiten des Volkswagen-Konzerns mit FS.Edit gepflegt wurden. “Die letzten Zweifel waren schnell verflogen. Unsere Redakteure haben das System gut angenommen.” Als wichtigste Vorteile nennt Weidemann die deutlich geringere Fehleranzahl, eine schnellere, übersichtlichere und effizientere Arbeitsweise sowie die Zufriedenheit der Redakteure. Zu deren Akzeptanz trägt auch das einheitliche Design von FS.Edit im SAP NetWeaver Enterprise Portal bei. So ist es kein Wunder, dass in Kürze der Benutzerkreis von FS.Edit bei der Volkswagen Financial Services AG erweitert werden soll. Holger Weidemann bilanziert: “Web Dynpro hat sich in dem Projekt bewährt und einen Schritt hin zu einer neuen Systemlandschaft in der Volkswagen Financial Services AG ermöglicht. Wir planen bereits weitere Projekte, für die uns die positiven Erfahrungen mit SAP NetWeaver ein sehr gutes Gefühl geben.”

Dirk Carstensen

Dirk Carstensen

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