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Coaching für sozial benachteiligte Menschen

24. März 2017 von Andrea Schmieden 1

Früher SAP-Manager, jetzt Sozialunternehmer. Gerhard Lechner organisiert Coaching für Menschen in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Was macht man, wenn man beruflich alles erreicht hat, was man sich vorgenommen hat? Für Gerhard Lechner, bis 2007 SAP-Mitarbeiter, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung von SAP Österreich, war die Grundidee schnell klar: Er wollte etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Das konkrete Konzept für sein soziales Unternehmen „socialmentoring“ reifte heran, als ihm das Ausmaß der Armut bewusst wurde. Selbst in einem hochentwickelten Land wie Österreich leben 15 Prozent der Menschen an der Armutsgrenze, ein Großteil davon alleinerziehende Mütter.

Führungskräfte als Coaches

„Vielen kann mit Coaching gut geholfen werden. Aber wenn ich selbst Coaching mache, erreiche ich nur wenige. Mir war klar, ich muss besser skalieren“, sagt Lechner, und man erkennt sofort seinen SAP-Hintergrund. In seinem Unternehmenskonzept setzt er daher auf Führungskräfte als Multiplikatoren. Diese absolvieren bei socialmentoring Leadership-Training, das auf gesellschaftliche Verantwortung ausgerichtet ist, und agieren als Coaches für Menschen in finanziell schwierigen Situationen. Die Führungskräfte erhalten ein Einstiegstraining und fortlaufende Supervision während der gesamten Zeit, in der sie ihre Mentees betreuen. Ziel des Coachings ist es, den Menschen zu helfen ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu führen. Für manche Mentees bedeutet das, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihren Stärken und ihrer Lebenssituation besser entspricht. Für andere geht es eher um die Klärung ihrer Situation oder um die Stärkung des Selbstbewusstseins und der eigenen Ressourcen. Hilfe zur Selbsthilfe ist der gemeinsame Nenner.

Alle profitieren vom Mentoring

Das Geniale an dem Konzept: Alle profitieren. Führungskräfte können ihre Sozial- und Führungskompetenz erweitern und ihre Fähigkeiten in realen Situationen einbringen. Außerhalb des eigenen Unternehmens und mit der Unterstützung durch socialmentoring gibt es Raum zum Erproben von relevanten Fähigkeiten. „socialmentoring bietet die Möglichkeit, das in der Theorie Gelernte unmittelbar umzusetzen – einschließlich Auffangnetz, Supervision, Coaching“, erklärt Renate Weichselbraun von ANECON, die in der Pilotphase als Führungskraft teilgenommen hat.

Sabine Bertassi, alleinerziehende zweifache Mutter, hat durch die Teilnahme am Programm einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Ihre Mentorin, Susanne Lontzen, Kommunikationschefin bei Coca Cola Hellenic, ermutigte sie, ihr Studium fortzusetzen, verhalf ihr zu einem Testbewerbungsgespräch im eigenen Unternehmen und unterstützte sie mit wertschätzendem Feedback und maßgeschneidertem Coaching. Heute ist Sabine Bertassi Trainingsmanagerin bei Vienna International Hotelmanagement AG und sehr glücklich an ihrem neuen Arbeitsplatz.

Nicht zuletzt profitieren auch die Unternehmen, die ihre Führungskräfte entsenden und die Kosten des Programms tragen. Neben einer praxisnahen und nachhaltigen Ausbildung ihrer Führungskräfte können sie ihr Engagement im Bereich der sozialen Verantwortung unter Beweis stellen.

Und wie fühlt es sich für Gerhard an? „Absolut richtig“, sagt er. „Ich finde für mich sehr viel Sinn in meiner Arbeit.“ Er ist dankbar für die Chancen, die er in seinem Leben hatte, und kann nun Menschen helfen, denen es weniger gut ging. socialmentoring startete 2014 die erfolgreiche Pilotphase; zurzeit läuft ein Durchgang mit acht Tandems aus je einer Führungskraft und einem Mentee. Momentan konzentriert Gerhard seine Tätigkeit auf Wien: „Hier habe ich mein Netzwerk in die Wirtschaft und die Verbindungen zu entsprechenden Hilfsorganisationen.“ Rückblickend auf seine Zeit bei SAP sagt er: „Bei SAP konnte ich ganz viele Erfahrungen sammeln, die mir jetzt helfen. Ohne diese Erfahrungen hätte ich das Rüstzeug nicht gehabt. Beratung, Projektmanagement, Personalführung – all das hilft mir jetzt.“


Das Alumni-Netzwerk der SAP

Was machen ehemalige SAP-Mitarbeiter heute? Man muss nur ihre LinkedIn-Profile anschauen und sieht: eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Dinge. Sie gründen ihr eigenes Technologie-Startup, engagieren sich als soziale Unternehmer, arbeiten als Berater oder machen etwas völliges anderes, zum Beispiel bequeme High Heels entwickeln.

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