Mit HANA zu mehr Tempo

26. Juli 2012 von Dr. Matthias Merz, Camelot IT Lab 0

Die In-Memory Technologie SAP HANA führt unserer Erfahrung nach zu einer erheblichen Performancesteigerung in unterschiedlichen Anwendungsszenarien. Derzeit stehen bei den Anwendern insbesondere der Einsatz von SAP HANA für den Bereich operational Analytics zur Unterstützung des operativen Reportings sowie zur Nutzung in Zusammenhang mit dem SAP Business Warehouse im Mittelpunkt.

1. Szenario: SAP als eigenständige Datenbank

Im ersten Szenario unterstützt SAP HANA das operative Reporting als eigenständige Datenbank und wird parallel zu bestehenden Anwendungssystemen aufgesetzt. Die operativen Unternehmensdaten können dann aus den SAP- und Fremdsystemen beispielsweise mit Hilfe des SAP LT Replication Servers (SLT) oder den Business Objects Data Services (BODS) in die SAP HANA Appliance repliziert werden. Während BODS den Aufbau komplexer ETL-Prozesse (Extract, Transform, Load) zum Extrahieren, Modifizieren und Laden der Daten ermöglicht, gestattet der SLT eine trigger-basierte Replikation aller relevanten Tabellen. Dazu werden etwa über ein spezielles SAP Add-On beim Ausführen von Insert- oder Update-Operationen auf Tabellen eines ERP-Systems die Datensätze zeitgleich in die HANA-Datenbank übertragen und stehen somit für das Reporting quasi in Echtzeit zur Verfügung.

Liegen die zu analysierenden Unternehmensdaten in der HANA Appliance vor, stellt sich die Frage, wie ein operatives Reporting aufzubauen ist. Generell ist in diesem Szenario der Einsatz der BusinessObjects Frontend-Tools vorgesehen, die über spezielle Schnittstellen auf SAP HANA zugreifen können. Der Zugriff auf die Daten der HANA-Appliance erfolgt über Informationsmodelle (Attribute-, Analytic- und Calculation-Views), die mit Hilfe des SAP HANA Studios angelegt werden können.

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2. Szenario: SAP HANA als primäre Datenbank eines BW-Systems

Das zweite Einsatzszenario betrifft die Verwendung der HANA Appliance als primäre Datenbank eines BW-Systems. Über den Weg einer heterogenen Systemkopie kann ab dem Release SAP NetWeaver 7.3, SP5 die bisher vorhandene Datenbank (wie z.B. Oracle, DB2, MS SQL etc.) gegen SAP HANA ausgetauscht werden. Der SAP NetWeaver Application Server und die SAP HANA Datenbank laufen in diesem Szenario auf unterschiedlichen Hardwaresystemen. Sämtliche Daten des BW-Systems befinden sich dann im Hauptspeicher der HANA Appliance. Um diese Daten vor einem potentiellen Verlust, beispielsweise aufgrund eines Stromausfalls oder eines Hardware-Defekts, zu schützen, wurden klassische Datenbanktechniken wie das Erstellen von Snapshots und das Schreiben von nativen Datenbank Logs in die HANA Appliance integriert. In der Praxis wird diese Vorgehensweise bereits seit Jahren erfolgreich in Zusammenhang mit der SAP liveCache-Technologie eingesetzt.

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Warum die SAP HANA als Datenbank eines BW-Systems das geeignetere Szenario ist

Zahlreiche Vorteile sprechen für die Nutzung von SAP HANA als Datenbank eines BW-Systems. Neben den Geschwindigkeitsvorteilen aufgrund der In-Memory-Technologie beim Zugriff auf die Daten entfällt die Notwendigkeit, Aggregate zu bilden oder Indizes auf InfoCubes aufzubauen. Die Ladevorgänge werden entsprechend vereinfacht und die Ausführungsdauer deutlich reduziert. Die spaltenbasierte Datenhaltung ermöglicht zudem den raschen Zugriff auf einzelne Kennzahlen und das Bilden von Aggregatfunktionen wie der Summe, dem Durchschnitt insbesondere über sehr viele Datensätze. Der Einsatz weiterer Hardwarelösungen zur Beschleunigung des Reportings ist somit obsolet. Wir gehen davon aus, dass SAP HANA den BWA vollständig ablösen wird.

Weitere Performance-Gewinne stellen sich dann ein, wenn komplexe Rechenoperationen auf die Datenbank-Schicht verlagert werden und die Anwendungslogik entsprechend angepasst wird. Mit der Einführung auf SAP HANA optimierter InfoProvider in BW 7.3 setzt die SAP diesen Ansatz hier um. Die Verwendung eines „in-memory optimized InfoCubes“  etwa führt zu enormen Geschwindigkeitsvorteilen beim Datenladen, weil das Datenmodell dieses InfoCube-Typs durch die SAP HANA Technologie deutlich vereinfacht werden konnte. Analog hierzu wurde bei den SAP HANA-optimierten DataStore-Objekten die Logik zur Deltasatz-Generierung verbessert, wodurch das Aktivieren von Daten deutlich beschleunigt wird.

Unter der Überschrift „SAP HANA: erstklassig und leistungsstark“ unterstreicht die SAP auch ihr Argument, mit dem Einsatz von SAP HANA die Betriebskosten zu senken.  Ob dies wirklich der Fall ist, wird die Zukunft zeigen. Schließlich fallen mit SAP HANA neben einmaligen Migrationskosten insbesondere neue Lizenz- und Hardwarekosten an. Zudem dürfte es in der Vielzahl der Fälle erforderlich sein, die für das BW-System zuständigen Mitarbeiter zu schulen.

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