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Mission: Digitales Krankenhaus

1. März 2017 von Uta Spinger 4

Im konstruktiven Dialog mit Kunden und Partnern die Arbeit für Krankenhäuser und Ärzte zu vereinfachen und neue Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen zu entwickeln, das ist das Ziel von B. Braun. Möglich wird dies durch iOS-Apps, die der Medizinproduktehersteller auf Basis der SAP Cloud Platform entwickelt.

Kostendruck, überlastetes Personal, veraltete Systeme – das Gesundheitswesen hat mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Gerade Krankenhäuser könnten enorm von einer Digitalisierung der Abläufe und Vernetzung ihrer Mitarbeiter profitieren. „Doch Krankenhäuser hinken in Sachen Digitalisierung hinterher“, meint Christian Frank, Head of Service Innovation bei Aesculap, einem Tochterunternehmen des weltweiten Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen AG. „Uns geht es darum, die Medienbrüche zu überwinden und eine digitale Begegnungsstätte zu schaffen, wo sich Anwender und Hersteller treffen und austauschen können.“

Digitaler Marktplatz für Kunden und Hersteller

Was Frank damit meint: Gemeinsam mit der B. Braun IT Service GmbH soll auf Basis der SAP Cloud Platform ein digitaler Marktplatz aufgebaut und dort zusätzliche Services angeboten werden. Um die Prozesse in den Kliniken zu vereinfachen, will B. Braun künftig ebenfalls noch stärker mobile Apps zur Steigerung der Produktivität und Effizienz anbieten. Über diese können Anwender wie Ärzte, Kliniken oder der Medizinfachhandel, aber auch die eigenen Mitarbeiter im Außendienst beispielsweise via Barcode Artikel einscannen, Produktinformationen abrufen sowie Nachbestellungen und Reparaturaufträge anstoßen.

Maßgeschneiderte native Apps mit SAP Cloud Platform und SDK for iOS entwickeln

„Für den Aufbau der Plattform haben wir uns bewusst für die SAP Cloud Platform entschieden“, so Martin Runkel, Geschäftsführer der B. Braun IT Service GmbH (BIS). Bei der Entwicklung der maßgeschneiderten Apps könne das innovative IT-Team von BIS dabei die Stärken sowohl des nativen Apple-Betriebssystems iOS als auch der SAP Cloud Platform und der Benutzeroberfläche von SAP Fiori for iOS nutzen. „Die SAP Cloud Platform und das Software Development Kit for iOS bieten uns eine Infrastruktur und Basisfunktionalitäten, die wir nicht von Grund auf neu programmieren müssen“, erläutert Daniel Kersten, Projektmanager bei der B. Braun IT Service GmbH. „Vordefinierte Komponenten, etwa für die Datenbankanbindung, Authentifizierung oder Offline-Funktionalität, beschleunigen die Entwicklung der Apps und gewährleisten uns Sicherheit und Transparenz.“ Das resultiere laut Kersten in einer kürzeren Entwicklungsdauer und somit geringeren Projektkosten. Auch eventuelle Fehler bei der Programmierung könnten so vermieden werden.

Erste Barcode App für Asset Management im Piloteinsatz

Ein Beispiel für eine bereits realisierte App ist die sogenannte Asset Management App, die bald im Pilotbetrieb in einem französischen Krankenhaus eingesetzt wird. Ziel ist es hier, nach erfolgter Implantation einer Prothese durch Scannen des Barcodes das jeweilige Implantat der perioperativen Patientenmanagement-Plattform hinzuzufügen. Darüber hinaus soll der Nachbestellungsprozess elektronisch ausgelöst werden.

Die Möglichkeit zum Einscannen der Produkte erleichtert den Kliniken die Arbeit enorm, denn bislang war es umständlich, auf aktuelle Unterlagen, wie Artikeltexte, Bilder, Zerlegungsposter oder Gebrauchsanweisungen zuzugreifen.

Über den App Store Kunden in neuen Märkten ansprechen

Um neue Kundengruppen für ihre Dienstleistungen zu gewinnen, möchte der Medizintechnikhersteller die Apps auch im Apple App Store anbieten. Frank erklärt: „Durch die Digitalisierung erhoffen wir uns, neue Geschäftsmodelle zu realisieren. Krankenhäuser gibt es überall auf der Welt, aber nicht überall kann auf bestehende Vertriebsstrukturen von B. Braun zurückgegriffen werden. So könnten wir auch in weit entfernten Märkten neue Kunden gewinnen, die über derartige Apps im Store auf uns aufmerksam werden.“

Über den App Store könnten Kunden künftig eine kostenlose Basisfunktion der App herunterladen und beispielsweise nach Artikeln suchen oder Produktinformationen erhalten. Wer weitere Services wie das Anlegen von Reparaturaufträgen oder das Nachbestellen von Produkten nutzen will, muss sich als Nutzer einer Klinik für die Premium-Version freischalten lassen.

Digitaler Zwilling: Services wie Reparaturen ins E-Business übertragen

„Wir möchten von der physischen Offline-Welt des Sterilguts eine Brücke in die digitale Welt schlagen und den Medienbruch zur Vertriebsplattform überwinden“, beschreibt Frank die Zielsetzung. „Heute taucht nicht serialnummerpflichtiges Sterilgut ab. Sobald es das Werk verlässt, ist es praktisch „incognito“ unterwegs“, so Frank weiter. „Deswegen wollen wir digitale Touchpoints schaffen, so dass wir wissen, wann ein Instrument reparaturbedürftig ist oder nachbestellt werden muss. Das Konzept des digitalen Zwillings ist ein zukunftsorientierendes Thema für uns: Sämtliche Services sollen künftig auch in der digitalen Welt in Anspruch genommen werden können und das Tagesgeschäft soll schrittweise ins E-Business übertragen werden.“

Neues Geschäftsmodell: Die Digitalisierung der chirurgischen Schere

Als Beispiel für ein neues Geschäftsmodell nennt Matthias Warken, Business Manager Sales & Service Innovation bei der Aesculap AG, den gemeinsam mit BIS und SAP entwickelten Tray Organization Manager (TOM) in Verbindung mit der Asset Management App: „Als Hersteller können wir heute nicht verfolgen, wo sich unser Sterilgut für Operationen wie Scheren oder Siebe befindet, wenn es  beim Kunden im Umlauf ist. Über eine App könnte eine Klinik ihre Abläufe im Sterilgutkreislauf digitalisieren, die bislang auf Papier dokumentiert sind, und so ihre Prozesse verschlanken und für mehr Transparenz sorgen.“ Auch Benchmark-Analysen zu chirurgischen Produkten – aufgeschlüsselt nach Instrument, Operation, Patient – und deren Wartungskosten wären dann möglich.

digitales Krankenhaus

Screenshot des gemeinsam mit SAP entwickelten Tray Organization Manager (TOM), mit dem sich der Sterilgutkreislauf digitalisieren lässt. (Zum Vergrößern anklicken.)

Weiterhin könnten Handlungsanweisungen für die Reinigung sowie sogenannte Zerlegungsposter über die App abgerufen werden. Sie erläutern in Text und Bild, wie medizinische Geräte wie ein Endoskop gereinigt und wieder zusammengebaut werden müssen. „Eine besondere Stärke der TOM-Anwendung liegt dabei in der Kombination einer mobilen iOS App und dem Backend der SAP Cloud Platform“, so Martin Runkel. „Aus dieser Kombination werden sich weitere interessante Szenarien ergeben, beispielsweise im Kontext Big Data, die auch das Gesundheitswesen modernisieren könnten.“

Fotos: B.Braun Aesculap

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