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Warum mache ich den Job?

12. Januar 2017 von Andrea Diederichs 0

Alle wünschen sich Sinn in ihrer Arbeit, doch viele finden ihn nicht, wie die Forschung zeigt. Aber was stiftet Sinn, und warum ist das überhaupt wichtig?

Fast neun von zehn Arbeitnehmern weltweit erleben ihre tägliche Arbeit nicht als sinnvoll, wie eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt. Eine alarmierende Zahl, denn laut der Studie ist eine sinnstiftende Arbeit ein wesentlicher Faktor für „Innovation und unternehmerische Leistungsfähigkeit“. Doch wann erleben Menschen ihre Arbeit als sinnvoll, und wie können Unternehmen und Führungskräfte dazu beitragen?

Dies sind einige der Fragen, die renommierte Experten Ende November auf der Future of Leadership Conference 2016 diskutierten. Die Konferenz wurde von der Non-Profit-Initiative Future of Leadership Initiative (FLI) ausgerichtet, die sich mit moderner Führungskultur auseinandersetzt.

Luxusproblem oder Wirtschaftsfaktor?

Die FLI-Forscher befragten Menschen in 140 Ländern und kamen zu bemerkenswerten Ergebnissen:

Organisationen, deren Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll empfinden, sind um 21 Prozent profitabler. Diese Mitarbeiter engagieren sich mehr und investieren mehr Energie und Ausdauer in ihre Arbeit.

Stefan Ries, CHRO und Vorstandsmitglied der SAP

Für 58 Prozent der Mitarbeiter – insbesondere die jüngere Generation – ist eine sinnstiftende Arbeit sogar wichtiger als ein hohes Gehalt, so die Studie. Stefan Ries, Chief Human Resources Officer und Vorstandsmitglied der SAP, weiß das aus persönlicher Erfahrung: „Junge Leute, die in den Arbeitsmarkt eintreten, stellen uns die Sinnfrage klar und deutlich und machen auch die Wahl ihres Arbeitsgebers davon abhängig.“

Umso mehr gibt es Anlass zur Besorgnis, dass 87 Prozent der befragten Arbeitnehmer ihre Arbeit nicht als sinnvoll wahrnehmen.

Faktoren, die Sinn stiften                    

Wie die Forschung belegt, empfinden Menschen ihre Arbeit dann als sinnvoll, wenn sie das Gefühl haben, etwas zu bewirken.

Zweitens wollen Menschen selbstbestimmt arbeiten. Wie Dr. N. S. Rajan, ehemaliger Personalvorstand von Tata Sons und Autor des Buchs

Hier geht es zu den Forschungsergebnissen der FLI

„Happiness at Work“, erklärt: „Autonomie steht in einem engen Zusammenhang mit dem menschlichen Bedürfnis nach Freiheit. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Arbeit selbst gestalten können. Das gibt uns das Gefühl, einen echten Beitrag geleistet zu haben.“

Stefan Ries pflichtet bei: „Wir müssen uns von traditionellen hierarchischen Führungsmodellen verabschieden. Eine Führungskraft sollte eher ein Coach sein, der dich auch ab und zu dazu bringt, deine Komfortzone zu verlassen. Nur so schaffen wir Innovation.“

Ebenfalls entscheidend ist ein gemeinsames Verständnis der Werte und Ziele. Je mehr die eigenen Werte mit den Unternehmenswerten übereinstimmen, desto sinnvoller erscheint die Arbeit. Umso wichtiger ist es: „eine klare Vision zu formulieren und im Unternehmen zu leben, damit Mitarbeiter die Verbindung zu ihrer eigenen Aufgabe erkennen“, so Stefan Ries.

Dr. N. S. Rajan

Es geht aber nicht nur darum, was man tut, sondern auch mit wem. So schaffen gute Zusammenarbeit im Team und ein wertschätzender Umgang ein Gefühl der Zugehörigkeit, das laut Dr. Rajan ein wesentlicher Faktor für eine erfüllende Arbeit ist.

Unternehmensverantwortung in Zeiten der Digitalisierung

Was sind sinnvolle Unternehmensziele in einer Zeit, in der die Digitalisierung die Arbeitswelt auf den Kopf stellt und die Ausbeutung der Natur und Umwelt immer weiter voranschreitet?

John Elkington ist international anerkannter Vordenker im Bereich Corporate Responsibility und prägte in den 1990er Jahren das Konzept der „Triple Bottom Line“, also der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmen. Aktuell leitet er Project Breakthrough, eine gemeinsame Initiative mit dem United Nations Global Compact. Aus seiner Sicht werden „die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre die risikoreichste Zeit sein, die unsere Spezies je erlebt hat, und gleichzeitig eine Zeit der maximalen Chancen und Möglichkeiten.“

John Elkington im Interview

Aber wie die Chancen nutzen? Schrittweise Veränderungen werden uns laut Elkington nicht voranbringen. Er fordert stattdessen einen exponentiellen Wandel, ein radikales Umdenken und neuartige Geschäftsmodelle, die Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit verbinden. Den Rahmen dafür schaffen aus seiner Sicht die UN-Nachhaltigkeitsziele.

Gerade junge Menschen fühlten sich von der Nachhaltigkeitsagenda angesprochen. „Die Ziele sind wie eine Bestellung aus der Zukunft – als ob die Welt im Jahr 2030 eine Liste mit den Dingen aufstellt, die sie von der heutigen Welt braucht“, so Elkington.

So kann auch dieser Ruf aus der Zukunft sinnstiftend sein. „Sinn ist, wie ich zu sein wünsche“, erklärt Dr. Rajan. „Diese Richtung gibt meinem Handeln Sinn und Zweck. Das gilt für Einzelne ebenso wie für Unternehmen.“

Profit oder soziales Engagement? Kein Gegensatz!

Irina Pashina nahm im April 2016 am Social-Sabbatical-Programm teil. Dabei können sich ausgewählte SAP-Mitarbeiter in Sozialunternehmen und Non-Profit-Organisationen in Schwellenländern engagieren und dort an der Lösung konkreter Geschäftsprobleme mitarbeiten.

Irina arbeitete bei Arunodhaya, einer indischen Organisation, die sich gegen Kinderarbeit und Kinderarmut einsetzt. Drei Faktoren fand Irina als besonders motivierend: sich über Gewinn- und Quartalsziele hinaus für ein höheres Ziel einzusetzen, eine direkte, konkrete Wirkung ihrer Arbeit zu spüren und eigenständig und selbstbestimmt zu arbeiten.

Wirtschaftlicher Erfolg und soziales Engagement sind dabei für Irina kein Gegensatz. „Indem ich mithelfe, SAP erfolgreich zu machen, kann ich auch ein bisschen zur Verbesserung der Welt beitragen.“

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