Armut bekämpfen

Feature | 29. Juni 2009 von Hans-Josef Jeanrond 0

Software und Zuwendungen für angehende Unternehmer (Foto: jupiterimages)

Auf einer Pressekonferenz Mitte Juni stellte die SAP ihre Zusammenarbeit mit PlaNet Finance, einem gemeinnützigen Spezialisten für Mikrofinanzierung, vor. Die Partnerschaft zwischen SAP und PlaNet Finance ist ein Teil der langfristigen freiwilligen Verpflichtung der SAP zu Nachhaltigkeit und insbesondere zu sozialer Verantwortung.

Begriffe wie „Mikrofinanz“ und „Mikrokredit“ gehörten 2006 zu den großen Themen in der Wirtschaft. Es war das Jahr, als der Friedensnobelpreis an Muhammad Yunus ging, einen Wirtschaftsprofessor aus Bangladesh, der sich schon seit mehr als 20 Jahren in seiner Grameen Bank mit diesem Thema beschäftigt. Mikrofinanzierung gilt als effizientes Mittel zur nachhaltigen Stärkung der Wirtschaft in unterentwickelten Ländern, die Verbreitung von Wohlstand wiederum als wichtiger Weg zu Vermeidung von Konflikten in der Welt. Im Gründungsdokument der gemeinnützigen Organisation PlaNet Finance von 1997 ist folgerichtig gleich im ersten Satz von der Armutsbekämpfung als der größten Herausforderung des 21. Jahrhunderts die Rede.

Die Pressekonferenz als Webcast – klicken Sie hier.

Was führte nun etwa 30 Journalisten an einem sommerlichen Morgen im Juni dazu, im Pariser Hotel Prince de Galles an einer gemeinsamen Pressekonferenz von SAP-Vorstandssprecher Léo Apotheker und Jacques Attali, dem CEO und Gründer von PlaNet Finance, teilzunehmen, bei der die Themen Mikrofinanz und Armutsbekämpfung auf der Tagesordnung standen?

Die große Anziehungskraft ging sicher nicht zuletzt von der ungewöhnlichen Kombination der Themen und Persönlichkeiten aus. Zum einen Léo Apotheker, zum anderen der prominente Jacques Attali. Attali, Absolvent gleich mehrerer französischer Eliteschulen („Grandes Ecoles“), war zehn Jahre lang Berater von Präsident Mitterand sowie Gründer und erster Präsident der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD). Attali ist außerdem Wirtschaftsprofessor, Berater, Schriftsteller und Chronist.

Das „Net“ im Namen von PlaNet Finance gibt einen ersten Hinweis darauf, warum die beiden an einem Tisch saßen: Das Internet und, ganz allgemein, Informations- und Telekommunikationstechnik sollen verstärkt bei der Organisation der Mikrofinanz und der mikro-finanzierten Projekte eingesetzt werden. Und dabei wird SAP den Partner PlaNet Finance unterstützen.

Diese Unterstützung erstreckt sich über drei Bereiche:

  • Den Einsatz von SAP-Lösungen bei PlaNet Finance. Die Organisation mit inzwischen mehr als 700 Personen braucht eine verlässliche und agile Lösung für das Management der Organisation und ihrer Projekte.
  • Die Neuentwicklung der ursprünglich von PlaNet Finance für Mikrofinanz-Institute entwickelten Software „MicroFit“. Die neue Version dieser Software wird durch ihre Web-Architektur und das Hosting als SaaS-Lösung (Software as a Service) wesentlich einfacher und mit weniger Aufwand einer großen Zahl von Anwendern zugänglich gemacht werden können.
  • Die Unterstützung konkreter Projekte und mikro-finanzierter Unternehmensgründungen durch Ausrüstung und Einsatz des Fachwissens von SAP-Mitarbeitern.

„Konkret“ war eines der Schlüsselwörter in den Ausführungen der beiden Unternehmenslenker. Sie legten großen Wert darauf, die Realität ihres Engagements deutlich zu machen. So beschrieb Léo Apotheker – und nicht etwa Jacques Attali oder der PlaNet Finance-Geschäftsführer Sébastien Duquet – ein erstes gemeinsames Projekt in Ghana, bei dem die Pflückerinnen von Shea-Nüssen unterstützt werden sollen. Was für Nicht-Eingeweihte nach einer Mikro-Branche aussehen mag, ist in Ghana ein wichtiger Wirtschaftszweig, in dem eine große Anzahl von Frauen tätig ist – in den Anbaugegenden des Shea-Nussbaumes bis zu 90 Prozent der dort lebenden Frauen. Die Nüsse werden zu Shea-Butter verarbeitet, die in der Produktion von Schokolade und von Kosmetika verwendet wird.

Ziel des Projektes ist, die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Frauen zu verbessern, sie besser auszubilden, ihnen Zugang zu Informationen zu verschaffen. Die wichtigste Technologie vor Ort ist das Mobiltelefon. Es sichert die Verbindung zum Mikrokreditgeber und zu Informationen über den Markt für Shea-Butter, die ihre Verhandlungsposition gegenüber den Zwischenhändlern (oft ohne Mehrwert in der Handelskette) stärken.

Mobiltelefone sind in vielen Gegenden Afrikas die einzige Verbindung zur Außenwelt. Es gibt weit mehr Besitzer von Mobiltelefonen als Inhaber von Bankkonten. Festnetze fehlen fast völlig, ebenso ein ausgebautes Straßennetz oder öffentliche Verkehrsmittel.
Léo Apotheker stellte außer der direkten Hilfe in diesem Projekt auch die Einbeziehung des SAP-Partnernetzwerks in Aussicht: Nahezu alle großen Kosmetik-Unternehmen und Nahrungsmittelkonzerne sind SAP-Kunden. Wenn auch nur einige davon überzeugt werden können, die Shea-Nuss-Produkte aus Ghana zu fairen Preisen abzunehmen und die Produzenten zu beraten, dann könnte dieser Geschäftszweig nachhaltig profitable Unternehmen hervorbringen und der Region einen bis dahin nicht gekannten Wohlstand verschaffen.

Gemessen am weltweiten Engagement von PlaNet Finance und an der Größe des neuen Partners SAP ist das Projekt in Ghana trotz seiner dortigen lokalen Bedeutung eher klein und überschaubar. Auch darin zeigt sich der konkrete Ansatz der neuen Partnerschaft: „Zunächst ein bescheidenes Projekt durchführen, dabei lernen, was funktioniert und was nicht, und dann die erfolgreichen Aktionen weltweit übernehmen“, erläuterte Jacques Attali die Vorgehensweise.

Die SAP wird „Premium-Partner“ von PlaNet Finance und zunächst drei Jahre lang jeweils 300.000 Euro in bar sowie Software und Dienstleistungen im Wert von 200.000 Euro zur Verfügung stellen.
Ein gutes Signal für die Frauen in den Shea-Nuss-Plantagen in Ghana und sicher noch für viele andere angehende Mikro-Unternehmer in der Welt.

Über PlaNet Finance

PlaNet Finance ist eine internationale Non-Profit-Organisation mit der Mission, Armut durch die Entwicklung von Mikrokrediten zu lindern und dadurch Bedürftigen, die vom traditionellen Finanzsystem ausgeschlossen sind, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. PlaNet Finance sitzt in Paris und ist in rund 80 Länden aktiv.

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