Auf Augenhöhe mit den Großen

Feature | 17. Juli 2003 von admin 0

Wenn große Unternehmen weiter expandieren oder sich einen Wettbewerber kurzerhand einverleiben, entsteht der Eindruck, als führe die Globalisierung dazu, dass das wirtschaftliche Geschehen ausschließlich von den Großkonzernen bestimmt wird. Aber stimmt das tatsächlich?
Nicht, wenn man John Micklethwait, dem Leiter des US-Büros des britischen The Economist, glauben darf. In einem Webcast auf economist.com und in einem Interview auf opendemocracy.net sieht er die Zukunft des Mittelstands nicht nur in der Wahrung des Status Quo, sondern prognostiziert zudem eine erhebliche Steigerung der Marktanteile. Als Wirtschaftshistoriker – sein jüngstes, mit Co-Autor Adrian Wooldridge verfasstes Buch trägt den Titel „The Company: A Short History of a Revolutionary Idea“ – schätzt Micklethwait das aktuelle Klima als außerordentlich vorteilhaft für kleinere Unternehmen ein. „Ich gehe davon aus, dass sich (die globale Geschäftsumgebung) schrittweise in eine vernetzte Zukunft bewegen wird und dass die Größe der Firmen schrittweise eher abnehmen wird“, sagt der Journalist, der auch für die New York Times und das Wall Street Journal Leitartikel schreibt.

Nationale Grenzen überwinden

Anders ausgedrückt: Die Globalisierung fördert die kleinen Firmen, da es dadurch einfacher wird, über nationale Grenzen hinweg in Netzwerken zusammenzuarbeiten. Oder wie Micklethwait anmerkt: „Die Vorstellung, dass die Unternehmen zu groß werden, beruht auf einer groben Fehlinterpretation der Statistik. Anstatt an wirtschaftlicher Macht zu gewinnen, haben die größten multinationalen Konzerne an Macht verloren. In den letzten 20 Jahren lag das Wachstum der 50 größten Konzerne der Welt weit unter dem Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt.“
Und er stützt seine These von der abnehmenden Bedeutung der Großunternehmen mit historischen Vergleichen:
„Kein modernes Unternehmen“, so erläutert er, „war je so mächtig wie die British East India Company, die mit einer eigenen Armee sogar einen ganzen Subkontinent kontrollierte.“ Und ebenso wenig könnten sich heutige Großunternehmen mit den Giganten zum Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen, als zum Beispiel United States Steel 85 Prozent des amerikanischen Stahlmarkts beherrschte.
Die Globalisierung fördert laut Micklethwait die Chancengleichheit von Mittelständlern, weil offene Grenzen dazu beitragen, dass sie ihre Produkte ebenso schnell wie die multinationalen Konzerne in alle Welt exportieren können.

Weitere Informationen:

www.economist.com
www.opendemocracy.net/

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