Augmented Reality: Schärfere Realität

Feature | 18. Januar 2011 von Daniel Hardt 0

Augmented Reality: Realität virtuell in Echtzeit erweitert (Screenshot: iTunes)

Echte und digitale Welt verschmelzen per Smartphone (Screenshot: iTunes)

Augmentend Reality (AR) wird die Wegrichtung des Informationszeitalters maßgeblich beeinflussen – siehe auch Artikel IT Businesstrends 2011. Bei AR – zu Deutsch etwa angereicherte oder erweiterte Realität – vermischen sich reale und virtuelle Welt. Texte oder Grafiken überlagern in Echtzeit die Umgebung und liefern individuell zugeschnittene Informationen.

Der Siegeszug von Smartphones macht AR-Apps zunehmend populärer. Was die Kamera vom Handy zeigt, wird von der Software mit Informationen unterfüttert. Vorm Reichstag stehend, erfährt man dessen Geschichte oder auch, wie man zur nächsten Wurst-Bude gelangt. Vieles ist möglich – spaßige wie nützliche Anwendungen gibt es genügend. Die Zukunft lässt sich nur erahnen, doch die ersten Schritte sind getan.

Auf den folgenden Seiten lesen Sie, was AR auf Smartphones leistet und wo AR noch Einzug erhält:

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AR-Browser Junaio (Screenshot: iTunes)

AR-Browser Junaio (Screenshot: iTunes)

So funktionierts

Android-Handys und iPhones verfügen heute über ein modernes Innenleben, ohne dass AR im mobilen Einsatz undenkbar wäre. Kreiselkompass, Neigungssensor, GPS und Kamera geben Standort des Nutzers und Blickwinkel an. Hieran “erkennt” die Software die Umgebung und zeigt Entfernung und Informationen zu den interessierenden Punkten (POI = Point of Interest). Der Großteil der Daten wird Online bezogen, da interne Speicher diese Menge nicht vorhalten können.

Je nach Anwendung und gewählter Funktion können die unterschiedlichsten Daten nutzbar gemacht werden — ob nutzergenerierte Inhalte von Twitter und Qype oder speziell angelegte Datenbanken, die bspw. das nächtse Starbucks oder die Hinterlassenschaften eines virtuellen Graffiti-Künstlers aufs Display holen. Das Besondere: virtuelle Inhalte werden in Echtzeit über das Kamera-Bild gelegt. Ein Schwenk mit dem Handy und neue Objekte werden sichtbar.

Der Blick muss so nicht mehr zwischen Karte und Umgebung wechseln, dass Blättern im Reiseführer entfällt, die Entfernung vom Ziel ist stets ersichtlich . Wer mehr wissen möchte, tippt auf das Icon und erfährt zusätzliches in Text- oder Videoformat. AR-Apps liefern adhoc genau das, was unterwegs gerade benötigt wird — ohne Eintippen von Suchbegriffen, ohne Stöbern im Browser.

Zu erwähnen ist, dass die Ortung durch GPS in Gebäuden nicht optimal funktioniert und es unter Umständen auch im Freien zu Verzerrungen kommen kann. Gravierende Probleme treten zumeist nicht auf und technische Entwicklungen versprechen zunehmend geringere Abweichungen.

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Wikitude-Browser: Auch die "klassische" Map-Ansicht ist möglich (Screenshot: iTunes)

Wikitude-Browser: Auch die "klassische" Map-Ansicht ist möglich (Screenshot: iTunes)

Layar: Hotspots suchen oder Woomba Mania spielen (Screenshot: iTunes)

Layar: Hotspots suchen oder Woomba Mania spielen (Screenshot: iTunes)

AR-Browser: Wikitude, Layar und Junaio

Wikitude , Layar und Junaio sind die beliebtesten Browser, die speziell für AR konzipiert sind. Am längsten auf dem Markt, verfügt Layar über die höchste Verbreitung und die meisten Inhalte. Alle drei stehen im iTunes Store und Android Market kostenlos zum Download bereit.

Nach dem runterladen können Nutzer aus verschiedenen Diensten auswählen, mit denen die App sie versorgen soll. Diese Dienste sind bei Layar unter dem Begriff Layars (Schichten) zusammengefasst, Wikitude bezeichnet sie als Worlds, Junaio als Channels. Für Inhalte werden Datenbanken wie bspw. Wikipedia oder Booking.com angezapft. Jeder Hersteller stellt Entwicklungs-Tools und Schnittstellen (APIs) zur Verfügung, mit denen Dritt-Hersteller Dienste kreieren können. Die User tragen ebenfalls zum Wissenszuwachs bei.

Datenquelle Social Media

Neben Datenbanken verschiedener Anbieter, sind soziale Netze eine wesentliche Fundgrube für AR-Anwendungen. Posts von Nutzern sind aktuell und glaubwürdig, da privat erstellt. Per Geo-Tagging – sprich die digitale Markierung eines Ortes mit Texten, Bildern oder anderen Medieninhalten – werden Tipps, Fotos und Videos mit dem jeweiligen POI verknüpft. Wer den gleichen Dienst im Repertoire hat, sieht die Tags anderer Anwender.

Genutzt werden vor allem Twitter und Qype für Bewertungen, Meinungen und kurze Infos, Panoramio und Flickr sind als Foto-Quellen interessant. Wikipedia liefert auf Wunsch ausführliche Informationen, über Youtube werden Videos beigesteuert. Gowalla und Foursquare sind für positionsbezogene Meldungen zuständig.

Wikitude besitzt mit Wikitude.me zudem eine eigene AR-Community, in der Anwender ihre Posts mit einem eigens kreierten Logo versehen können. Junaio-Anwender erstellen mittels Juniao Glue eigene Channels.

Einen Blick in die Zukunft wirft der schwedische Hersteller “The Astonishing Tribe” (TAT) mit seiner Software Augmented ID. Noch in der Testphase, soll demnächst neben jedem von der Kamera erfassten Gesicht die soziale Vernetzung der Person gezeigt werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Nützliche Dienste

sdfg (Screenshot: Youtube)

Augmented ID: Der sozial vernetzte Mensch des 21. Jahrhunderts (Screenshot: Youtube)

Wikitude Drive: (Screenshot: Youtube)

Den Weg stets im Blick: Wikitude Drive (Screenshot: Youtube)

Nützliche Dienste

Für alle Browser gibt es nützliche Anwendungen. Die meisten sind fürs iPhone und für Android-Handys verfügbar und kostenlos. Die Links führen zu den jeweiligen Browsern oder zum Anbieter. Dienste die nicht bereits mit dem Browser installiert wurden finden sich im Apple App Store bzw. Android Market.

Hier eine kleine Auswahl an Diensten, die in der Fremde wie der Heimat ihren Wert haben:

  • Hotel: Wer die nächste Übernachtung plant, lässt sich Hotels von Booking.com (Wikitude) oder hotel.de (Junaio/ Layar) auflisten. Preisbewusste greifen auf das Deutsche Jugendherbergswerk (Junaio) zurück.
  • Kultur: Wem es nach Kultur dürstet, der nutzt AR art walk (Layar) oder myMuseum (Juniao), um Museen, Galerien und Ausstellungen in der Umgebung zu entdecken. Junaio verwendet neben GPS zudem das Konzept LLA Markers, womit sich die Position auch innerhalb von Gebäuden bestimmen lässt. Damit können bspw. Informationen aus der Wikipedia über die Ausstellungstücke aufgerufen werden.
    Architekturbegeisterte finden bei archINFORM geballtes Wissen zu über 29.000 Gebäuden und den jeweiligen Architekten. Für alle Browser verfügbar, bietet Layar zusätzlich einen perspektivischen Stadtplan und Gebäudeumrisse in 3D.
    Wem das nicht reicht, der klappert weltweit alle 890 Orte ab, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden (World Heritage List, Wikitude).
  • Umwelt: EPER 2004 (Wikitude) gibt EU-weit Auskunft über die Schadstoff-Emissionen von industriellen Unternehmen. Mit ecocritique (Layar) können Anwender digitale Markierungen bezüglich der Umweltsituation ihrer Umgebung setzen.
  • Gesundheit: Apotheken lassen sich zügig mit Klick.Tel.de (Junaio) finden. Gesundheit (Layar) packt Standorte von Krankenhäusern und Ambulanzen noch oben drauf.
  • Filial-Finder: SAP-Service Partner CapGemini (Layar) ist eines der Unternehmen, deren Zweigstellen mittels AR auffindbar sind.
  • Dating: Über Dating Site verabreden sich Singles mit Anderen aus ihrer Umgebung. Wer bereits einen Partner hat, findet mit Lovingplaces die romantischsten Treffpunkte (beide Layar).
  • Mobilität: Für den Außendienst bietet sich Wikitudes neue App Wikitude Drive an. Das vorerst nur für Android verfügbare Programm ist das erste Navigationssystems auf Basis von Augmented Reality. Das Handy wird dazu wie ein Navigationssystem an die Scheibe geheftet. Auf dem Display wird die Straße – so wie der Fahrer sie sieht – in Echtzeit dargestellt. Die Route wird in digitaler Form darübergelegt. Der Fahrer wendet seinen Blick so auch beim Betrachten des Bildschirms nicht von der Straße ab. Der Wikitude-Browser ist nicht nötig, bei Bedarf kann die Route auf herkömmliche Weise abgebildet werden.

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Layar-Homescreen (Screenshot: Layar)

Gegen unliebsame Kollegen: iPew (Screenshot: iTunes)

Gegen unliebsame Kollegen: iPew (Screenshot: iTunes)

Unterhaltsame AR

Bei mobilen Apps darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Zur Unterhaltung gedacht, zeigen sie auch das Potential von AR. Manche Anwendungen kosten einen kleinen Betrag, ein Browser ist nicht immer nötig.

Hier einige Möglichkeiten zum Zeitvertreib:

  • Virtual Public Art Project: VPAP stellt digitale 3D-Skulpturen und Kunstobjekte in den Raum, die sich von allen Seiten betrachten lassen (gratis / Layar).
  • ARSoccer: Zeigt einen virtuellen Fußball der sich durch die Straßen kicken lässt, ohne etwas kaputt zu machen (1,99 $ / iPhone).
  • TagDis: Straffrei Graffitis sprühen und sich in der Gestaltungskunst mit anderen messen erlaubt TagDis (gratis / iPhone).
  • Space InvadAR: Die bekannten Ufo-Horden des Spielhallen-Klassikers wüten auch in der realen Welt (gratis / Android).
  • Gigaputt: Die App erstellt einen virtuellen Golfplatz in ihrer Umgebung, der bewältigt werden will (1,99 $ / iPhone). Für Android-Nutzer existiert mit Urban Golf ein verwandtes Spiel in einer Vorab-Version.
  • Album Cover Atlas: Weltweit Orte finden, deren Aufnahmen die berühmtesten Alben zieren (1,95 $ / Layar).
  • Subject60 Schnitzeljagd: Rätsel und Hinweise führen zu versteckten Codes. Für jeden gefundenen Code gibt es eine Einladung für zwei Personen zu einem Event (gratis / Layar).
  • iPew: Wenn ein Kollege mal richtig nervt, können mit iPew schwere virtuelle Geschütze wie Raketen und Laser auf den Störenfried abgefeuert werden (0,99 $ / iPhone).

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TagDis: Virtuelle Sprüher in Philadelphia, USA (Quelle: Youtube)

Augmented Explorer: Vorgestellt im Business Analytics Blog (Bild: Timo Elliott)

Augmented Explorer: Vorgestellt im Business Analytics Blog (Bild: Timo Elliott)

Ausblick: AR fürs Business

Viele Trends schwappen heute aus dem privaten Bereich in die Geschäftswelt. Augmented Reality ist da keine Ausnahme. Lagerhaltung, Businessdaten und Marketing sind Beispiele, wo AR auftaucht. In der Chirugie könnte AR ebenfalls eine Rolle spielen. Als Ausgabegeräte dienen nicht nur Smartphones: mit einem Chip versehene Brillen, die virtuelle Objekte permanent dem Blickfeld hinzufügen, sind keine Fiktion mehr.

Unternehmen machen sich die Technologie auf verschieden Wegen zunutze – auch SAP. Für die gratis BI-App BusinessObjects Explorer entwickelt SAP den Augmented Explorer. Daten sollen damit nicht nur mobil bezogen, sondern sinnvoll mit der Umgebung verknüpft werden.

Lesen Sie daher demnächst auf SAP.info, wie AR in Unternehmen zum Einsatz kommt und was es mit SAPs erster AR-Software auf sich hat.

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5 comments

  1. Rainer

    Hallo,
    ein toller Artikel, der die wichtigen AR Apps gut vorstellt. Da wir selbst viel mit junaio arbeiten möchte ich anmerken, dass man in junaio unterschiedliche Arten von Channels erstellen kann (LBS/Glue). Der Satz “Junaio-Anwender erstellen mittels Juniao Glue eigene Channels.” stimmt so nicht.
    Neben den LBS Channels bietet junaio, momentan als einziger AR Browser, die Möglichkeit Bilder zu erkennen und kann Inhalte (2d/3d, Audio und Video) überblenden/anzeigen. Ein gutes Beispiel wurde von der Süddeutsche Zeitung umgesetzt: http://www.youtube.com/watch?v=YKN7G9X9pIU
    junaio stellt verschiedene Beispiel-Skripte zur Verfügung und hat mit dem Channel Creator ein Tool zur Erstellung einfacher Glue Channels online: http://www.junaio.com/create/creator
    Ich bin sehr auf den Folgeartikel gespannt.
    Viele Grüße

  2. Dea

    Toller Artikel!!

  3. Martin Adam

    Auch ich möchte mich für den sehr guten Artikel bedanken (und dafür, dass so viele meiner Projekte darin vorkommen!).
    Ich bin gespannt auf den Folgeartikel und die Umsetzung für Unternehmen innerhalb von SAP.
    Als ehemaliger SAP-Anwender und Immobilienfachmann fallen mir eine Menge Einsatzmöglichkeiten für Augmented Reality im Unternehmen ein. Ich freue mich, dass durch SAP hier ein hoffentlich bahnbrechender erster Schritt unternommen wird.
    Martin Adam
    mCRUMBS GmbH

    • dhardt

      Hallo Herr Adam,

      erstmal vielen Dank für das Lob. Ich habe versucht einen möglichst breiten Überblick über AR zu geben. Dabei habe ich mich nicht auf bestimmte Anbieter gestützt, sondern das herausgesucht, was mir interessant erschien. Aber es freut mich, dass Sie sich gut vertreten fühlen.

      Der Folgeartikel ist übrigens schon erschienen: http://de.sap.info/augmented-reality-businessobjects-marketing-sales/46838

      Dort finden Sie auch SAPs Schritte in Richtung AR. Auch wir sind gespannt, wie das Thema in Zukunft behandelt werden wird.

      Viele Grüße
      Daniel Hardt

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