“Wir erwarten schnelle Reaktionen“

Feature | 19. Juli 2010 von Johannes Frevert 0

"TI como el sistema nervioso"

S. Moreno: "Ich sehe die IT als Nervensystem des Unternehmens" (Foto: AUSAPE)

SAP.info: Auch spanische Unternehmen leiden unter der momentanen Wirtschaftsflaute. Wie wirkt sich das auf die IT aus?

Moreno: Generell beobachten wir, dass viele Investitionen auf Eis liegen. Und das nicht erst seit Kurzem, sondern schon seit Beginn letzten Jahres. Großprojekte haben meist keine Chance. Stattdessen gehen die Firmen sehr vorsichtig kleinere Vorhaben an. Während es für die IT-Verantwortlichen früher relativ leicht war, ihr Management von Projekten zu überzeugen, herrscht heute eine Art Selbstzensur: Viele Vorschläge werden nicht einmal mehr unterbreitet.

Die CIOs sollten sich jetzt darauf konzentrieren, was ihre Unternehmen wirklich brauchen. Für wünschenswerte Zusatzfeatures sind definitiv keine Mittel vorhanden. Die IT-Experten müssen das Kerngeschäft wirklich verstehen. Dann lässt sich auch mit weniger Budget mehr erreichen.

SAP.info: Wie können Softwarelösungen zur Überwindung der Krise beitragen?

Moreno: Ich sehe die IT als Nervensystem des Unternehmens, das Steuerungssignale und Informationen verteilt. Allerdings kann die IT-Abteilung nicht den Sachverstand und die Entscheidungsfreude an der Unternehmensspitze ersetzen. Dort liegt sozusagen das Gehirn, und dort müssen klare Strategien gegen die Krise entstehen. Die IT kann dann als strategischer Partner die passende Unterstützung bereitstellen. Zum Beispiel im Vertrieb und beim Kundenbeziehungsmanagement, aber auch auf der Kostenseite.

Für den Schritt aus der Talsohle skizziert SAP eine richtige Vorgehensweise: Intensive Zusammenarbeit aller Unternehmensbereiche, Lieferanten und Partner. Insbesondere Softwarewerkzeuge sind wichtig, die diese Kooperation erleichtern.

SAP.info: Welche Ziele stehen für AUSAPE im Mittelpunkt?

Moreno: Wir sind zunächst einmal die Interessenvertretung der spanischen SAP-Kunden. Das ist nicht immer eine einfache Aufgabe, selbst wenn unsere Beziehung zu SAP hervorragend ist. Jeder hat seine Rolle zu spielen: Wir pochen auf unsere Anliegen, SAP hört zu und reagiert. Da geht es um Verbesserungen bei Produkten, im Kundendienst, bei Implementierungen. Auch Vergünstigungen für unsere Mitglieder bei Training und Weiterbildung stehen auf der Agenda.

Besonders intensiv befassen wir uns mit den Themen, die sich für unsere Mitglieder aus der Arbeit mit SAP-Software ergeben. Dadurch wollen wir möglichst wertvolle Unterstützung bieten. Manche Fragen lassen sich zum Beispiel im Gespräch innerhalb unserer Arbeitsgruppen unmittelbar lösen, sozusagen von Kunde zu Kunde. Hier profitiert ein Unternehmen von der Erfahrung des anderen. Auch darüber hinaus versorgen wir unsere Mitglieder mit möglichst umfassenden und nützlichen Informationen. Dieses Angebot soll Unternehmen motivieren, sich aktiv bei AUSAPE einzubringen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Bereits zum zweiten Mal AUSAPE-Präsidentin

SAP.info: Was erwarten die Anwender von SAP und den Partnern?

Moreno: Von SAP wünschen wir uns vor allem schnellere Reaktionen auf unsere Anforderungen. Jede unserer Arbeitsgruppen fasst ihre Hauptanliegen in den sogenannten „Top Ten“ zusammen. SAP erfährt direkt in der Gruppensitzung, welchen Bedarf die Kunden haben. Das ist ein einzigartiger Vorteil. Umgekehrt erwarten wir aber auch eine zügige Antwort, selbst wenn SAP unsere Wünsche nicht ganz oder nicht sofort erfüllen kann.

Von den SAP-Technologiepartnern erhoffen wir uns, dass sie eine neue Rolle einnehmen. Statt vor allem auf punktuellen Bedarf einzugehen, könnten sie gemeinsam mit den Kunden erfolgversprechende Ansatzpunkte identifizieren und Projekte ganzheitlich umsetzen – als Ratgeber und langfristige Begleiter, nicht als reine Implementierer.

SAP.info: Von 2001 bis 2003 waren Sie schon einmal AUSAPE-Präsidentin, seit Januar sind Sie für zwei weitere Jahre gewählt. Warum engagieren Sie sich so intensiv?

Moreno: Als ich 2001 Präsidentin wurde, waren weniger als 80 Unternehmen dabei. Damals ging es noch um echte Aufbauarbeit. Heute hat AUSAPE rund 300 Kunden und 100 Partner als Mitglieder und ist eine schlagkräftige Organisation. Diese Situation ist eine neue Herausforderung für mich, deshalb arbeite ich gerne wieder mit. In der Welt der Technologie muss man immer auf dem aktuellen Stand sein, und AUSAPE ist dafür die richtige Umgebung.

SAP.info: Sie sind Psychologin und leiten den Personalbereich der ONCE-Unternehmensgruppe. Wie kamen Sie zur IT?

Moreno: Mein Unternehmen gehörte 1999 zu den ersten, die in Spanien SAP-Software für das Personalwesen einführten. Der IT-Leiter und ich mussten damals zwei Jahre daran arbeiten, unsere Führungsspitze von Software für den Personalbereich und von SAP zu überzeugen, denn die Walldorfer hatten damals die teuerste und komplizierteste Lösung. Aber für uns lagen die Vorteile auf der Hand: Zukünftige Integration, Investitionssicherheit und Erweiterungsmöglichkeiten für andere Bereiche. Heute ist tatsächlich im ganzen Unternehmen SAP-Software im Einsatz. Und häufig kommt SAP auf mich zu, damit ich interessierten Unternehmen von meinen Erfahrungen berichte. Dann erwähne ich viele positive Aspekte, aber natürlich auch Punkte, die noch verbesserungswürdig sind.

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