Ende von Wohlstand auf Pump

Feature | 7. Juni 2010 von Johannes Frevert 0

Arbeiten mit SAP-Software: Spanische Nutzer innerhalb der AUSAPE

Spanien in tiefer Krise: SAP-Nutzer auf dem AUSAPE-Treffen in Valencia

Beim jährlichen Forum der Spanischen SAP-Anwendergruppe (AUSAPE) stehen die Arbeitskreise im Mittelpunkt: Vertreter von Kunden, Partnern und SAP sitzen gemeinsam an einem Tisch und tauschen sich zu insgesamt elf zentralen Themen aus, darunter Finanzwesen, Personalwirtschaft, Gesundheitswesen oder Logistik. In diesem Jahr kamen am 1. und 2. Juni rund 400 Vertreter aus 130 Unternehmen in Valencia zusammen. Die besondere Bedeutung der Arbeitskreise hob AUSAPE-Präsidentin Susana Moreno von der Unternehmensgruppe Corporación Empresarial ONCE hervor: „Die Gruppen sind der Motor unserer Organisation. Sie sorgen für den nötigen Informationsaustausch und bilden den direkten Draht zwischen Kunden, Softwarehersteller und Partnern. Für mich sind wir wie eine Familie, und die gemeinsame DNS hat drei Buchstaben: SAP.“

AUSAPE-Präsidentin Moreno und die Teilnehmer waren sich einig: Momentan besteht die Aufgabe der IT in spanischen Unternehmen vor allem darin, Kosten zu senken und sich auf die für das Kerngeschäft wichtigsten Fragen zu konzentrieren. Die Gründe erläuterte der Ökonom Santiago Becerra von der Universität Ramón Llull in Barcelona in seiner durchaus provokanten Keynote. Er sprach vom „ Crash 2010“ und verglich die aktuelle wirtschaftliche Situation mit der Weltwirtschaftskrise von 1929. Es gehe nicht um eine vorübergehende Rezession, die sich mit Konjunkturprogrammen bekämpfen lasse.

Vielmehr handele es sich um eine Systemkrise: „Es gibt kein Zurück, denn der vorherige Zustand war der Auslöser der Probleme. Wir müssen weg von der Abhängigkeit von Schulden, billigen Krediten und Konsum.“ Denn das Ergebnis sei besonders in Spanien ein „Desaster“, mit hoher Arbeitslosigkeit und einer „Wohlstandsblase auf Pump“. Trotz düsterer Prognosen müsse man sich jetzt daran machen, die Ursachen der Krise zu überwinden. Als neues Leitmotiv schlug Becerra den Dreiklang Produktivität- Effizienz- Nutzenorientierung vor: „Unternehmen sollten sich auf notwendige, günstige und nachhaltige Produkte und Services konzentrieren und durch Kooperationen gemeinsam produktiver werden.“ Gute Aussichten böten sich dabei für die IT – mit ihr ließen sich Strukturen verschlanken und die Akteure der Wertschöpfungskette direkt verbinden.

Mehr Produktivität  und Kooperation

Diesen Ansatz griff auch der Analyst Toni Macià auf. Er betonte, die Zukunft gehöre flexiblen Unternehmen, die mit Netzwerken externer Spezialisten kooperieren. „Wir brauchen nicht mehr Hierarchie, sondern mehr Mut und Umsetzungsstärke. Dabei muss die IT-Abteilung die Bedürfnisse der Fachbereiche genau kennen, denn sonst gehen diese eigene Wege“, so Macià. Wie SAP-Software Unternehmen unterstützt, skizzierte Fermín Peleteiro von SAP Spanien. „Wir werden noch mehr Werkzeuge für unternehmensübergreifende Zusammenarbeit bereitstellen und auch mobile Endgeräte einbinden. Harmonisierte Benutzeroberflächen und integrierte  Lösungen erhöhen die Produktivität der Anwender, während eingebettete Analysefunktionen für rasche Entscheidungen sorgen.“ Peleteiro kündigte zudem an, dass Software-Updates künftig für die gesamte SAP Business Suite via Enhancement Package möglich sein werden: „Diese Methode hat sich bewährt und verbindet rasche Innovation mit Stabilität.“

Wie sich Innovation in der Praxis auszahlt, zeigte der AUSAPE-Arbeitskreis zum Thema serviceorientierte Architekturen (SOA). Er vergab im Rahmen des Forums erstmals einen Preis für erfolgreiche SOA-Projekte in Spanien. Ausgezeichnet wurde das Hospital Clínic in Barcelona: Dort hat SOA die Integration aller Informationen ermöglicht, die bei der Betreuung einer Schwangeren anfallen – von der Aufnahme der Patientendaten über Voruntersuchungen und die Geburt selbst bis zur Nachsorge. Die neue Architektur verknüpft die zentrale SAP-Lösung des Krankenhauses mit klinischen Anwendungen.

Während früher Informationen, etwa zu Untersuchungsergebnissen oder Risikofaktoren, von Hand übertragen werden mussten, stehen heute alle Daten in einem einheitlichen Frontend zur Verfügung. Dabei ist die Aufbereitung voll auf die Bedürfnisse von Ärzten und Pflegepersonal ausgerichtet. Die bei dem preisgekrönten Projekt entwickelten Webservices kann das Hospital Clínic künftig auch für andere medizinische Aufgaben einsetzen.

Zum Abschluss des Forums gab es eine Neuerung: Erstmals diskutierten die AUSAPE-Arbeitskreise ihre wichtigsten Forderungen im Plenum mit Vertretern von SAP.  Zentral war der Wunsch nach schnelleren Reaktionen, etwa bei Piloteinführungen zur spanischen Lohnabrechnung. Außerdem wurde diskutiert, dass SAP-Fortbildungsangebote für AUSAPE-Mitglieder künftig noch umfangreicher werden sollten.  „Wir haben ein gutes Verhältnis zu SAP“, so AUSAPE-Präsidentin Moreno. „Das heißt aber nicht, dass wir die Zusammenarbeit nicht weiter vertiefen und uns noch besser kennenlernen können. Dazu dient dieses Forum, und deshalb freue ich mich auf unser nächstes Treffen 2011.“

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