Ein Ort zum Verrücktsein

Feature | 13. Februar 2014 von Michael Zipf 0

Foto: SAP TV

Im SAP Innovation Center gibt es einen “Activity Room” mit Kletterwand. (Foto: SAP TV)

Es mag nicht das drängendste Problem der Menschheit sein, wie man eine Tiefkühlpizza in 40 Sekunden auftaut. Doch wenn Hasso Plattner überaus anschaulich berichtet, wie einfach das mit einem amerikanischen Haushaltsgerät funktioniert, dann leuchtet jedem Zuhörer ein, dass  Software heute einfach und intuitiv zu bedienen sein muss – und nur so in der Lage sein wird, „die Zukunft zu gestalten.“ „Shaping the Future with Information Technology“ lautete das Motto einer Podiumsdiskussion bei der offiziellen Eröffnung des neuen SAP Innovation Centers in Potsdam (der Umzug aus den früheren Räumen hatte schon im September 2013 stattgefunden). Und der SAP-Aufsichtsratsvorsitzende nutzte die Gelegenheit für einige deutliche Worte. Die größte Schwäche der SAP sei „die Interaktion mit dem Anwender“, so Hasso, und er verknüpfte die Zukunft der SAP mit der Fähigkeit, „mit unserem Nutzer-Design auf Augenhöhe mit Facebook, Google  und Apple zu sein.“

Damit aber rückte das Thema „Schiffbruch erleiden“ am Ufer des Potsdamer Jungfernsees in den Hintergrund. Vielmehr ging es um die unbegrenzten Chancen, die sich einem Software-Unternehmen wie der SAP bei der Lösung globaler Probleme bieten. Fast jede Branche befinde sich derzeit „in einer Transformation, die durch Software getrieben wird“, sagte Vorstandsmitglied Vishal Sikka. Und SAP sei in einer „herausragenden Position, über Lösungen für die wahren und großen Probleme unserer Zeit nachzudenken.“

Bill McDermott: Perfekter Ort, aus Herkömmlichem auszubrechen

 

 

Wie Sikka empfand auch Vorstandssprecher Bill McDermott das Innovation Center als perfekten Ort dafür, aus Herkömmlichem auszubrechen. So könnten die Mitarbeiter Lösungen etwa für das Gesundheitswesen entwickeln oder nach neuen Werkzeugen und Modellen forschen, um die Software-Programmierung zu vereinfachen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Worin Vishal Sikka die Grundlage für Innovation sieht

Foto: SAP TV

Auch ungewöhnliche Sitzmöbel wie diese Schaukeln sollen die offene und kommunikative Atmosphäre des SAP Innovation Centers ausmachen. (Foto: SAP TV)

Im SAP Innovation Center, das aus den beiden Standorten Walldorf und Potsdam besteht, arbeiten derzeit etwa  110 Mitarbeiter aus 20 Nationen an rund 40 Projekten (mehr unter www.sap-innovationcenter.com).

Klar, dass in Potsdam auch immer wieder die Rede von der optimalen Umgebung für Software-Entwickler war. Vishal Sikka zeigte sich überzeugt, dass eine solche Umgebung, in der man in offener und kommunikativer Atmosphäre arbeiten könne, ein entscheidendes Kriterium für Innovation sei. „Wir sind immer dann erfolgreich, wenn zur notwendigen Verbindung aus Neugierde und Vorstellungskraft sowie der Kompetenz der Menschen auch der richtige Standort vorhanden ist.“

SAP-HANA-Start-Up sucht lebendiges Hochschulumfeld

Von den Leitern des SAP Innovation Centers, Dr. Jürgen Müller und Jens Krüger, über den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, bis hin zu Hasso, Bill und Vishal – alle waren sich einig, dass Potsdam ein solcher Ort ist. Und zwar nicht nur aufgrund der herrlichen Lage am See, sondern vor allem auch aufgrund der Nähe zur Hauptstadt Berlin und zu einer lebendigen Forschungs- und Hochschullandschaft – darunter das Hasso-Plattner-Institut – mit rund 160.000 Studenten. Von ihr profitiert auch Kevin Dykes, der mit seiner Firma RetentionGrid Teil des SAP-HANA-Start-Up-Fokusprogramms ist und sich entschied, seine Neugründung hier anzusiedeln, „unter anderem weil wir hier ein international ausgerichtetes Team aufbauen können.“

Der Deutsche Catalin Voss dagegen steuert sein Start-Up Sension vom Silicon Valley aus, wo er an der Stanford-Universität studiert und „eine hohe Konzentration von Menschen findet, die ebenfalls Firmen gegründet haben und deshalb bereit sind, mich zu unterstützen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: SAP plant HANA Cafés

Foto: SAP TV

Außenaufnahme des SAP Innovation Centers. (Foto: SAP TV)

Hasso Plattner ist überzeugt, dass Unternehmen sich heutzutage im Silicon Valley und in China durchsetzen müssen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen. Und Bill McDermott fügte hinzu, dass SAP den Start-Ups auch außerhalb des Silicon Valleys in allen anderen Wachstumsregionen dieser Erde Rückendeckung geben könne.

Rund 1250 Start-Up-Unternehmen in aller Welt erhalten inzwischen auf die eine oder andere Art und Weise Unterstützung durch SAP. In Zukunft sollen sich diese jungen Unternehmen intensiver austauschen und gemeinsam Software-Lösungen entwickeln können. Hierzu plant die SAP, sogenannte HANA Cafés zu eröffnen. Das erste dieser „Cafés“ soll in Stanford im Silicon Valley entstehen.

McDermott erwartet „Multi-Millionen-Entwicklung“ aus SAP Innovation Center

„Ich würde gerne sehen, dass SAP verrückte Dinge entwickelt“, sagte Plattner. Ob dies eine Software sein muss, die eine Pizza noch schneller auftaut, sagte er nicht. McDermott jedenfalls konnte sich durchaus vorstellen, dass „die nächste Multi-Millionen-Euro-Entwicklung aus einem SAP Innovation Center stammt.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was ist der Wert von In-Memory-Computing?

Schon einen Tag vor der offiziellen Eröffnung, am Dienstag dieser Woche hießen das SAP Global Managing Board und der SAP-Aufsichtsrat rund 200 Kunden, Partner und Vertreter mehrerer Hochschulen im  Hasso-Plattner-Institut zum SAP Executive Summit willkommen. Unter dem Motto „Rethinking Business“ diskutierten die Teilnehmer den Einfluss und Wert von Technologien wie Cloud und In-Memory-Computing auf die Zukunft der Wirtschaft.

INSEAD-Professor fordert Kultur der Innovation

Vor den Vorträgen von Hasso und Vishal forderte Hal Gregersen, Professor for Innovation and Leadership bei INSEAD, die Zuhörer auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie man eine Kultur der Innovation etablieren könne, indem man die Menschen lehre, neugierig zu sein und provokante Fragen zu stellen. „Um Probleme zu lösen, ist es das Wichtigste, die richtigen Fragen zu stellen und nicht nach den richtigen Antworten zu suchen“, sagte Gregersen.

Tags: ,

Leave a Reply