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Auszeit vom Ruhestand

28. Juni 2016 von Corinna Machmeier 16

SAP Senior Expert Service eröffnet pensionierten SAP-Mitarbeitern die Chance SAP-Projekte zeitweise zu unterstützen.

Der Ruhestand. Für viele Arbeitstätige ist der Gedanke daran so viel wie ein goldenes Leuchten am Horizont eines Lebensabschnitts, ein Versprechen von zurückgewonnener Freiheit und Unabhängigkeit. Die Tage sehen anders aus, der tägliche Kontakt mit Teamkollegen, Partnern oder Kunden wird abgelöst durch mehr Zeit für Familie und Freunde, nicht zuletzt für sich selbst. Ein Zufall, dass sich der eine oder andere Kollege mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ verabschiedet? Wenn der Job mehr als bloß Brötchen verdienen war, fällt der Radikalentzug – von 100 auf null sozusagen – oft schwer. Die SAP bietet mit dem Senior Expert Service Mitarbeitern in Deutschland nun die Möglichkeit, diesen Übergang fließend zu gestalten. SAP-Mitarbeiter im Ruhestand, die älter als 60 Jahre alt sind, können sich beim SAP Senior Expert Service registrieren.

Einsatzmöglichkeiten in jedem Bereich bei SAP

„Es ist schön, dass ich mit meinen Erfahrungen der SAP helfen kann, in wichtigen Projekten – intern wie extern – zielgerichtet den besten Weg zu finden. Dazu kann ich mein Netzwerk in der SAP nutzen, weiterhin pflegen und an die jüngeren Kollegen weitergeben“, sagt Dr. Wolfgang Damm. Er ist Diplom-Mathematiker und war bei SAP als Beratungsleiter tätig, bevor er in Rente ging. Obwohl er im Ruhestand ist, möchte er weiterhin gerne Projekte im Vertriebsbereich unterstützen. Daher hat er sich als einer der ersten beim Senior Expert Service registriert. Wenn das Profil des Pensionärs, basierend auf seinen Erfahrungen und Kompetenzen, und die Anforderungen eines Projekts, das über den Senior Expert Service ausgeschrieben wird,  übereinstimmen, kommt es zu einem Match. Das Senior-Expert-Service-Team stellt den direkten Kontakt her. Die Einsatzmöglichkeiten sind für jeden Unternehmensbereich denkbar, sofern es passende Profile gibt.

Verträge und Vergütung für SAP Senior Experts

SAP Senior Experts können für maximal sechs Monate am Stück zur SAP zurückkehren. Dafür schließen sie einen befristeten Arbeitsvertrag ab. Die genaue Dauer sowie der Umfang der Tätigkeit richten sich jeweils nach den Projektanforderungen. Das Honorar basiert auf Tagessätzen, die sich am Karrierelevel zum Zeitpunkt des Austritts bei SAP orientieren.

Wolfgang Damm kam für ein Projekt zurück zu SAP, dessen Ziel es war, durch einen Outside-In-View ein strategisches Vertriebsprojekt abzusichern. Seine Rolle gestaltete sich dabei so: „Ich habe das Vorgehen und die Aufstellung analysiert, habe eine Risikoanalyse geliefert und habe Empfehlungen zur Teamaufstellung und zum weiteren Vorgehen gegeben“, erklärt Damm. „Außerdem war ich Ansprechpartner bei versicherungsspezifischen Fragen zu Lösungen der SAP für Versicherungen.

Auch Stefan Bumm, seit 2007 in Rente, ist seit März 2016 wieder Mitarbeiter: im SAP Senior Expert Team. „Als Senior Expert mit dem Spezialwissen über die Dictionary-Schnittstellen für Informix- und Oracle-Datenbanken, arbeite ich im Augenblick einen Tag in der Woche“, sagt Bumm. Doch er ist flexibel und weiß, dass seine Unterstützung hilft, wenn viel Arbeit anfällt. „Falls es notwendig wäre, etwa aufgrund von Problemen bei Kunden, könnte ich auch an mehreren Tagen arbeiten. Mit meinen  Erfahrungen kann ich einerseits die Kollegen entlasten, andererseits ist für mich der Kontakt mit den Kollegen noch immer eine erstrebenswerte Unterbrechung meines Rentnerlebens.“ Sein Wissen wird aktuell gebraucht. Er ist Experte für eine Technologie, die zwar bald abgelöst, aber derzeit noch im Einsatz ist. Die Arbeit ist da, doch Nachwuchskräfte gibt es nicht. Zu seiner Rolle hat er ein klares Bild: „Die  Einarbeitung eines Kollegen in die Dictionary-Schnittstelle für Informix-Datenbanken wäre völlig sinnlos, da es  keine Installationen mit SAP-Releases größer 7.0  gibt, allerdings gibt es noch etliche R3/Informix-Installationen, die Anspruch auf Support haben.”

Auch sein Manager Christian Graf weiß um die spezielle Win-Win-Situation: „Aus Sicht des Business ist das Senior Expert Model dann besonders hilfreich, wenn es ein Thema zu besetzen gilt, das mit einer auslaufenden, von SAP nicht mehr langfristig unterstützten Technologie verbunden ist.  Solche Themen können in der Regel nicht mehr mit  jüngeren Nachfolgern besetzt werden, da natürlich die Perspektive fehlt.“ Wo bisher ein Dilemma zwischen akutem Bedarf und langfristiger Planung entstand, kann jetzt der Senior Expert Service eine Lösung sein. Graf findet: „In solchen Fällen passt das Senior-Expert-Konzept perfekt, wenn der Senior-Kollege früher schon auf dem gesuchten Fachgebiet gearbeitet hat. Das Know-How ist dann vorhanden, die fehlende Langzeit- oder Karriereperspektive auf diesem Thema ist kein Problem mehr und die Arbeitszeit kann variabel dem Bedarf angepasst werden.“

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Stefan Scharhag, SAP, nimmt den Praktikerpreis der Stiftung Theorie und Praxis des Arbeitsrechts für das Programm entgegen.

Ähnliche Programme auch bei anderen DAX-Unternehmen

Die Idee zum Senior Expert Service kam bereits Anfang 2015 auf. „Es ist schon lange ein Thema, zu dem wir uns innerhalb des Netzwerks einiger DAX-Unternehmen untereinander austauschen“, erklärt Stefan Scharhag, der das Programm bei SAP als HR-Service verantwortet. Im Rahmen des „SAP Executive Value Network for Chief HR Officer“ unter der Leitung von Hans-Dieter Scheuermann, nun SAP Pensionär und SAP Senior Expert, und Heidrun Kleefeld als damalige SAP-Demographics-Verantwortliche wurde das Generationenthema schon seit längerer Zeit auch gemeinsam mit SAP-Kunden vorangetrieben.

Ähnliche Programme wie den SAP Senior Expert Service, gibt es zum Beispiel auch bei Bosch, Daimler Benz oder bei der Deutschen Bank. Alle haben die Vorteile erkannt, dass eine generationenübergreifende Zusammenarbeit den Wissensaustausch innerhalb der Belegschaft fördert. Auch finanziell sind solche Programme attraktiv. Pensionäre, die darüber befristet ins Unternehmen zurückkommen, besitzen gegenüber externen Beratern oft jahrelange Erfahrung in internen Abläufen und Strukturen, sie können vom ersten Tag an voll durchstarten und man verliert keine Ressourcen zur Einarbeitung.
„Dadurch, dass wir auf das Wissen eines SAP Senior Experts zurückgreifen können, bin ich überzeugt, dass wir nicht nur die üblichen Anfängerfehler vermeiden, sondern auch unseren Kunden im Projektgeschäft effizientere Angebote machen können“, sagt Patrick Frerich. Er ist der Manager des Teams, das von Wolfgang Bumms Unterstützung profitierte. „Vom Nutzen für den Geschäftserfolg abgesehen, halte ich das Programm in erster Linie für eine ausgezeichnete Art der Wertschätzung, die das Unternehmen seinen Ehemaligen entgegenbringen kann“, meint Stefan Scharhag.

Kaum ins Leben gerufen, zeigt der SAP Senior Expert Service schon jetzt, dass er selbst im externen Wettbewerb glänzen kann. Das Programm wurde kürzlich mit dem Praktikerpreis der Stiftung Theorie und Praxis des Arbeitsrechts, verliehen von der Wolfgang-Hromadka-Stiftung, ausgezeichnet. Die Jury befasste sich intensiv mit dem Projekt „SAP Senior Expert Service“ und war sowohl von der innovativen Idee als auch von der gelungenen Durchführung des Konzepts angetan.

Interessenten können sich per E-Mail an den SAP Senior Expert Service wenden: mailto:sapseniorexpertservice@sap.com

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