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Authentizität als Erfolgsfaktor

Feature | 18. Juni 2015 von Lindsey LaManna 0

In einer Arbeitswelt, die sich stetig wandelt, gewinnt das Thema Vielfalt an Bedeutung. Immer mehr Frauen wollen ihre Position behaupten – und setzen dabei auf Authentizität.

Führungskräfte erkennen zusehends, dass sie Frauen unterstützen sollten, wenn sie selbst erfolgreich sein wollen. Doch es reicht nicht, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Frauen sollten die Möglichkeit haben, ihre eigenen Stärken gewinnbringend einzusetzen und sich nicht an eine traditionell von Männern dominierte Kultur anpassen müssen, erklärt Anka Wittenberg, Chief Diversity Inclusion Officer bei SAP.

Auf dem Women’s Leadership Summit 2015, einer jährlichen Veranstaltung rund um Frauen in Führungspositionen, berichteten Wittenberg und andere hochkarätige Gastrednerinnen kürzlich von ihren Erkenntnissen. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Authentizität und Unternehmergeist.

Authentischer Führungsstil

Alle Rednerinnen auf dem Women’s Leadership Summit betonten, wie wichtig ein authentischer Führungsstil ist. „Eine authentische Führungskraft verhält sich so, wie sie ist, wenn niemand zusieht“, erklärte Jennifer Morgan, President von SAP Nordamerika. Für Niloufar Molavi, Vice Chair und US Energy Leader bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, heißt Authentizität, sich nicht zu verstellen und einfach sich selbst zu sein. Molavi räumte gleichzeitig ein, dass dies jedoch häufig schwierig sei.

Linda Rottenberg ist CEO und Mitbegründerin der Non-Profit-Organisation Endeavor sowie Autorin des Buches Crazy Is a Compliment: The Power of Zigging When Everyone Else Zags. Sie sprach über den Zusammenhang von Authentizität und der Fähigkeit, sich seine Schwächen einzugestehen. Rottenberg erklärte, es sei falsch, sich als unfehlbar zu präsentieren. Anstatt sich nach außen perfekt darzustellen, sollten Führungskräfte mehr Menschlichkeit zeigen.

Jeder macht Fehler. Führungskräfte, die ihre Schwächen nicht verbergen, wirken glaubwürdiger und gewinnen so das Vertrauen ihrer Mitarbeiter. Linda Rottenberg erklärte, sie versuche stets, ihre Stärken, aber gleichermaßen auch ihre Schwächen zu zeigen. Manager sollten ihre Fehler nicht verheimlichen, sondern gezielt um Hilfe bitten. „Eine gute Führungskraft hat keine Angst davor, andere um Unterstützung zu bitten“, erklärt Jennifer Morgan. Statt einer anderen Person nachzueifern und ihren Führungsstil zu imitieren, sollten Manager sich mit ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen und ihren eigenen Stil entwickeln.

Niederlagen eingestehen

Es gibt keine Erfolge oder Misserfolge – nur Erlebnisse, aus denen man etwas lernen kann. So ermunterte Rottenberg das Publikum, nicht nur über Erfolgserlebnisse, sondern auch über persönliche Niederlagen zu sprechen.

Jeder scheitert einmal, und das müssen wir uns selbst auch eingestehen. Wichtig ist nur, aus Misserfolgen zu lernen und die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Maggie Fox, Senior Vice President von Digital Marketing bei SAP, erklärte: „Wenn wir etwas lernen möchten, müssen wir uns damit anfreunden, auch versagen zu düefen.“

Die Angst steht uns im Weg

Das größte Risiko gehen diejenigen ein, die versuchen, Risiken zu vermeiden. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie nur mit bahnbrechenden Innovationen auf dem Markt bestehen können.

„Die besten Ideen scheitern nicht an der Umsetzung – sie scheitern daran, dass sie niemals ausgesprochen werden, weil viele Unternehmer Angst davor haben, Neues zu wagen“, so Rottenberg. Sie rät Gründern, sich zu Beginn nicht zu sehr auf den Geschäftsplan und die perfekte PowerPoint-Präsentation zu konzentrieren, sondern zu testen, wie ihre Ideen bei der Zielgruppe ankommen. Nur so können sie herausfinden, welche Erfolgschancen sie haben. Deshalb: nicht planen, sondern handeln!

Man braucht übrigens keinen Kapuzenpullover, um Unternehmer zu sein. Tatsächlich wächst der Anteil der weiblichen und über 55-jährigen Gründer am schnellsten. Unternehmer ist eigentlich nur ein anderes Wort für „Macher“. Es gibt ein allgemeines Missverständnis über den Zusammenhang von Risikobereitschaft und Unternehmertum. Die meisten Unternehmer gehen kein hohes, sondern ein eher geringes Risiko ein. Rottenberg erinnerte sich daran, welche Fragen sie sich stellte, als sie über die Gründung ihrer eigenen Firma nachdachte.

„Gehe ich auf Nummer sicher oder entscheide ich mich für das Unbekannte? Wähle ich die Hoffnung oder die Angst? Wie jeder, der seinen Traum verwirklichen will, entschied ich mich für die Hoffnung.“

Häufig brauchen wir die Bestätigung anderer, um eine Idee umzusetzen. Wir selbst hingegen sind unser größter Kritiker. Unsere Angst hemmt uns. Doch es ist wichtig, die Angst vor dem Versagen zu überwinden und sich auf die Herausforderungen zu konzentrieren, die vor einem liegen.

Viel zu häufig verzichten Frauen auf eine Position oder bewerben sich nicht einmal, weil sie Angst haben, dass sie noch nicht bereit dafür sind. Meist sind sie es wahrscheinlich schon, doch ihnen fehlt der nötige Mut, um den Schritt zu wagen. Dabei können sie auf die Unterstützung ihrer Führungskräfte und Mentoren zählen. Molavi bringt es auf den Punkt: „Die Antwort ist ‚Ja‘. Natürlich können Sie sich darauf verlassen, dass Ihnen andere dabei helfen werden, Ihr Ziel zu erreichen.“

Verrückt und furchtlos

Rottenberg erzählte, wie sehr sie den Spitznamen „La Chica Loca“ mochte, den sie einst in Lateinamerika bekommen hatte. Sie empfand es als Kompliment, „loco“ („verrückt“) genannt zu werden. Aber warum? „Wenn dich niemand als verrückt bezeichnet, wenn du etwas Neues wagst, dann hast du wahrscheinlich zu bescheidene Ziele“, erklärt sie. Stabilität fördert den Status quo – bahnbrechende Ideen hingegen treiben Wandel voran. Unternehmer müssen ihre Angst hinter sich lassen, Misserfolge akzeptieren und ein wenig verrückt sein, um zu erreichen, was sie sich erhoffen.

„Furchtlosigkeit ist eine Eigenschaft, die Menschen anzieht und Loyalität weckt“, so Jennifer Morgan. Angehenden Unternehmern rät sie, „verantwortungsbewusst furchtlos“ zu handeln und ihre Angst zu überwinden.

Etwas bewegen

Wie können nun mehr Frauen die Spitze der Karriereleiter erklimmen? Zunächst einmal liegt es in der Verantwortung der Frauen selbst, Führungspositionen anzustreben, Hindernisse zu überwinden und Risiken einzugehen. Zudem sollten sie sich gegenseitig unterstützen. So gibt es „für Frauen, die anderen Frauen nicht helfen, einen ganz besonderen Platz in der Hölle“, wie die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright zu sagen pflegte. Doch auch Männer müssen in die Diskussion eingebunden werden. Vielfalt heißt nicht, farbenblind und geschlechtsneutral zu sein – es bedeutet, die Unterschiede wertzuschätzen.

Erica Dhawan, CEO und Gründerin der Unternehmensberatung Cotential, erklärte: „Wir müssen in der Familie anfangen, bevor wir die Geschlechterrollen am Arbeitsplatz verändern können.“ Indem wir unsere Kindern die Vorteile von Vielfalt und Authentizität nahebringen, legen wir den Grundstein für eine bessere Zukunft.

Wer mehr erfahren möchte, kann sich die Aufzeichnungen der Vorträge vom Women’s Leadership Summit 2015 und die Podcast-Reihe über Frauen in Führungspositionen ansehen. Einen Überblick über die Highlights der Veranstaltung bieten die Top-Tweets unter #SAPPHIREWLS.

Dieser Artikel wurde ebenfalls auf SAPVoice on Forbes veröffentlicht.

 

Foto: Shutterstock

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