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Automatisierte Manager und virtuelle Hemingways

Feature | 8. August 2016 von Michael Rander 26

Automatisierung und die Arbeitswelt von morgen: Eine Gefahr für Jobs im Management, in der Verwaltung und für kreative Tätigkeiten?

Nicht weniger als 47 % aller Arbeitsplätze werden allein in den USA in den nächsten 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert werden. Durch neue Geschäftsmodelle, Technologien, Automatisierung und Globalisierung verändert sich die Art und Weise, wie Unternehmen Geschäfte abwickeln. Und genau in diesem Spannungsfeld befinden sich die Mitarbeiter. Mit diesen automatisierten Aufgaben werden ganz neue Tätigkeitsbereiche entstehen. Die eigentliche Frage ist aber: Was geschieht mit den Mitarbeitern, die nicht mehr gebraucht werden, und wie wahrscheinlich ist es, dass Unternehmen ihren weiteren Erfolg sicherstellen werden?

Gewöhnlich wird mit Robotern und Automatisierung eher die Entlassung ungelernter Arbeitskräfte assoziiert. Tatsächlich sind aber Jobs in der gesamten Belegschaft gefährdet. Fabrik- und Bauarbeiter könnten durch Roboter ersetzt werden, Taxifahrer durch selbstfahrende Autos und Buchhalter durch Software.

Aber könnten auch Führungspositionen, kreative Tätigkeiten und Verwaltungsaufgaben davon betroffen sein?

Automatisierte Managementaufgaben

Da etwas weniger als die Hälfte aller Aufgaben wahrscheinlich automatisiert werden, wird dies in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Jobs zu spüren sein. Eine Studie von Deloitte geht davon aus, dass 56 Prozent aller Stellen im Finanzbereich im Vereinigten Königreich in den kommenden Jahren automatisiert werden könnten. Dieser Trend wird wahrscheinlich auch auf Verwaltungs- und analytische Aufgaben übergreifen, die in hohem Maße auf organisatorischen Abläufen, strengen Geschäftsregeln und klar definierten Ergebnissen basieren. Mitarbeiter in der gesamten Unternehmenshierarchie werden diese Veränderung zu spüren bekommen.

Führungskräfte sind sich durchaus bewusst, dass die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes durch die drohende Automatisierung gefährdet ist. In vielen Fällen können durch künstliche Intelligenz und automatisierte Informationsanalysen bereits bessere Entscheidungen zur Stellenbesetzung und Zuordnung von Ressourcen getroffen werden als durch Menschen. Entscheidungen können in Echtzeit anhand von Veränderungen im Geschäftsumfeld getroffen werden. Dies betrifft alle Abläufe von der Routenplanung für Lieferwagen bis zu Koordination von Einsätzen im globalen Krisenmanagement und ermöglicht zum Beispiel fundierte Entscheidungen zur Investition in neue Maschinen aufgrund der Finanzlage, externer wirtschaftlicher Faktoren und des erwarteten ROI. Letzten Endes geht es um die Optimierung von Geschäftsprozessen und mehr Effizienz und darum, menschliches Versagen, persönliche Interessen und Emotionen im Entscheidungsprozess zu vermeiden.

Kreativität auf Knopfdruck

Bei kreativen Tätigkeiten werden die meisten argumentieren, dass Maschinen gar nicht mit Menschen konkurrieren können. Allein wegen typisch menschlicher Eigenschaften wie Emotionen, Intuition und Sensibilität. Es gibt zwar Computer, die Musik komponieren, Roboter, die Bilder malen, und Rechner, die mithilfe künstlicher Intelligenz Programme schreiben. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie das gewisse Etwas bieten können, durch das sich menschliche Meisterwerke auszeichnen.

Der Weg dorthin ist aber vielleicht gar nicht so weit. Durch künstliche Intelligenz können heute riesige Mengen von maschinellen Daten in lesbare Informationen umgewandelt werden. In Versuchsprojekten werden sogar aus bestehenden literarischen Werken bereits neue Romane geschaffen oder es wird untersucht, inwiefern maschinell erzeugte Presseberichte realisierbar sind, für die vorhandene Daten, Sensoren und Kameras genutzt werden. Das Ergebnis ist zwar nicht mit Hemingway oder Faulkner vergleichbar. Aber Autoren können doch deutlich davon betroffen sein. So könnte ein Service auf Abruf personalisierte Romane produzieren, die auf bestimmten literarischen Vorlieben beruhen. Oder es könnten durch Automatisierung Journalisten vor Ort umgangen werden, indem sofort über Ereignisse berichtet wird, wenn diese geschehen, und nicht erst, nachdem die Daten gesammelt und der Artikel geschrieben wurde.

Veränderung der Belegschaft durch Automatisierung

Die Jobs, die nicht von dieser Revolution der Maschinen bedroht sind, sind solche, bei denen es um die Entwicklung origineller Ideen, Innovationen, Verhandlungsgeschick und ein hohes Maß an sozialer Intelligenz geht. Auch Arbeitsplätze, die die Interaktion mit anderen Menschen erfordern – wie zum Beispiel im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Verkauf oder Lehrbetrieb – werden weiterhin eine große Rolle spielen.

Im Zuge der digitalen Wirtschaft wird auch das Berufsbild des Digital Workers an Bedeutung gewinnen. Dabei werden eine Vielzahl neuer und wichtiger Funktionen entstehen, die darauf ausgerichtet sind, in einem digitalen Unternehmen unmittelbar und in Echtzeit auf Veränderungen im internen und externen Umfeld zu reagieren.

Weitere Informationen über den Digital Worker und seine zunehmende Bedeutung für die Arbeitswelt von morgen finden Sie im White Paper „Live Business: The Rise of the Digital Workforce“.

Der Artikel erschien ursprünglich im Rahmen der Reihe 10 Weeks of Live Business im Digitalist Magazin.

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