Autoindustrie: Prozesse gut, alles gut?

Feature | 10. November 2009 von Frank Völkel 0

Joachim Hechler auf dem SAP Automotive Symposium (Foto: Frank Völkel)

Joachim Hechler auf dem SAP Automotive Symposium in Berlin (Foto: Frank Völkel)

Entwickeln, produzieren, verkaufen und warten – die Automobilindustrie basiert auf komplexen Geschäftsprozessen. Hersteller und Zulieferer suchen auf dem SAP Automotive Symposium nach mehr Effizienz. Der Austragungsort ist diesmal das Kongresszentrum auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm. Die Redaktion von SAP.info ist vor Ort.

Insgesamt haben sich 555 Teilnehmer und 32 Partner im großen Saal zu den Eröffnungsreden des ersten Tages versammelt. Neben den Vertretern von Automobilfirmen wie Audi, BMW, Daimler, John Deere, MAN und Volkswagen sind Mitarbeiter von Zulieferern wie Continental, Harman Becker und ZF Friedrichshafen anwesend.

Überkapazitäten, Umsatzeinbrüche, Protektionismus

Die globale Autoindustrie steht vor großen Herausfoderungen, ist zu Beginn des Vortrags von Maximilian Brandl, Leiter GB Discrete Manufacturing Industries bei SAP, zu hören. Konkret bedeutet das, dass vor allem die Überkapazitäten in der Automobilproduktion und die damit einhergehenden Umsatzeinbrüche in den Griff bekommen werden müssen. Letzteres trifft vor allem in Deutschland auf das so genannte Luxus-Segment und die LKW-Sparte zu, wo die Gewinnmargen geschrumpft und die Absatzziele weit hinter den Erwartungen liegen.

In der Zuliefererindustrie sieht es derzeit auch nicht gerade rosig aus: Durch den hohen Preisdruck der Autohersteller sind eine ganze Reihe an Zulieferfirmen insolvent gegangen.

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Porsche Panamera 4S - auch das Luxus-Segment braucht Ideen (Foto: Frank Völkel)

Porsche Panamera 4S - auch das Luxus-Segment braucht Ideen (Foto: Frank Völkel)

Maximilian Brandl von SAP - links im Bild (Foto: Frank Völkel)

Maximilian Brandl von SAP - links im Bild (Foto: Frank Völkel)

Standardisierung, Transparenz, Innovation

Ferner spricht Brandl von sich ständig verlagernden Produktionsstandorten, den damit verbundenen Risiken und dem Protektionismus, der auf einigen Märkten zu beobachten ist. Hierauf gibt es aus dem Blickwinkel von SAP drei wesentliche Punkte zu nennen, die sich auf nahezu alle Automotive-Unternehmen übertragen lassen: Da wäre zum einen die Kostensenkung innerhalb eines Unternehmens durch Standardisierung. Diesen Prozess haben laut Brandl die meisten Firmen mittlerweile verinnerlicht. Hinzu kommt die Transparenz sämtlicher Bestände und als dritter Punkt das Betreben nach Innovationen und Nachhaltigkeit.

Joachim Hechler, der verantwortliche VP für die SAP Business Suite 7, führt als weiterer Redner das Symposium fort. Software wie die Business Suite 7 soll Geschäftsprozesse auch über traditionelle Anwendungsgrenzen hinaus verbessern. Schließlich werden Upgrades im laufenden Betrieb in Form von Erweiterungspaketen (beispielsweise EHP 5) eingespielt. Mit der Einführung eines atmenden Produktionssystems können Unternehmen dem Wettbewerbsdruck durch die zunehmende Globalisierung begegnen. Hier führt eine flexible und kostengünstige Produktion zu einer Verkürzung der Durchlaufzeit und Verringerung der Bestände. Im Resultat sinken die Kosten und die Lieferfähigkeit des Unternehmens erhöht sich.

Das Kanban-Verfahren in der Produktion, welches in den 70er Jahren von dem japanischen Autohersteller Toyota eingeführt wurde, hat SAP bereits Mitte der 90er Jahre schrittweise in Software-Module einfließen lassen.

Am Ende seines Vortrages betont Joachim Hechler, dass aus seiner Sicht vor allem mobile Geräte die Chance bieten, bestimmte Zugriffe auf die IT eines Unternehmens von unterwegs aus zu realisieren – sie Artikel iPhone vs. BlackBerry: CRM-Zukunft im Vergleich.

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555 Teilnehmer waren in Berlin auf dem Automotive Symposium (Foto: Frank Völkel)

555 Teilnehmer waren in Berlin auf dem Automotive Symposium (Foto: Frank Völkel)

Dr. Bernhart Herr von MAN spricht über das neue BI-Portal (Foto: Frank Völkel)

Dr. Bernhart Herr von MAN spricht über das neue BI-Portal (Foto: Frank Völkel)

MAN setzt zukünftig auf BI-Portal

Im Vortrag von Dr. Bernhart Herr, der im Bereich IT und Organisation bei MAN Nutzfahrzeuge tätig ist, ging es zu Beginn um Globalisierung als Kernelement der Unternehmensstrategie. Dabei erläuterte er drei verschiedene Typen von Unternehmen: Den ethnozentrischen Typ, der ausschließlich auf einem Heimatmarkt unterwegs ist, den polyzentrischen Typ wie die Firma MAN, wo die Unternehmensaktivitäten im Heimat- und Auslandsmarkt präsent sind und den geozentrischen Typ, der ohne Verbindung zu einer bestimmten Nation auskommt. Bei letztgenanntem führt Bernhart als Beispiels die Firma Mc Donalds an.

Als Folgen der Globalisierung sieht Dr. Herr die Verschärfung des Wettbewerbs, den Zwang zum Wachstum, die Erschließung neuer Märkte und die deutliche Reduzierung der Kosten. Und bei letzteren gäbe es nur als Antwort die Standardisierung von Prozessen. Dazu hat MAN 11 verschiedene Prozesse in den zentralen IT-Standorten eingeführt. Ferner gibt es einen standardisierten Einkauf und ein zentrales IT-Hosting in München. Schließlich gibt es bei MAN nach ein Zukunftsszenario, welches ein BI-Portal mit SAP Business Objects einschließt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Eigenfertigung – Beschaffungsprozess in Software

Live-Demo hier mit Karsten Brockmann und Smart Ops (Foto: Frank Völkel)

Live-Demo hier mit Karsten Brockmann und Smart Ops (Foto: Frank Völkel)

Neben der Business Suite 7 stand Business Objects im Vordergrund

Neben der Business Suite 7 stand Business Objects im Vordergrund

Eigenfertigung – Beschaffungsprozess in Software

So ganz am Rande war zu hören, dass in schwierigeren Zeiten wohl einige Automobilhersteller ihre Beschaffungsstrategie umstellen werden. Das heißt, dass wieder verstärkt Bauteile in Eigenregie herzustellen sind. Das bedeutet neue Herausforderungen für die IT-Prozesse und deren Abbildung in Software. Wer auf die vergangenen 10 Jahre zurückblickt, wird feststellen, dass genau dieses Argument zur Kostensenkung ins Feld geführt wurde – niedrigere Kosten durch Fremdfertigung.

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