Real Time Banking mit SAP HANA

12. Dezember 2011 von Iris Nagel-Martin 0

Herr Faust, die Weltwirtschaftskrise bedroht immer mehr Unternehmen und selbstverständlich auch die Banken. Wie unterstützt die SAP mit ihren Lösungen die Finanzinstitute in diesen schwierigen Zeiten?

Faust: Wir erfahren derzeit eine neue Realität, insbesondere für Banken, nämlich ein hochvolatiles und damit ein viel schwerer kalkulierbares Marktumfeld. Insbesondere Banken sind davon betroffen weil die Finanzstroeme global vernetzt und mit sehr hoher Geschwindigkeit fließen. Damit wirken sich Krisen unmittelbar global aus, sei es ausgelöst durch Hypothekenkreditvergabe in den USA oder derzeitig verursacht durch die hohe Staatsverschuldung in Europa. Banken sind in Bezug auf Geldvergabe skeptischer gegenüber ihren Kunden und sogar untereinander – die Transparenz hinsichtlich Risiken ist zu gering. Dies wiederum ruft staatliche Institutionen und Regulierer auf den Plan, um Bankrisiken volkswirtschaftlich zu begrenzen und Eigenkapital als Risikopuffer zu stärken. Banken machen nun eine lange Zeit nicht gekannte Erfahrung: sinkende Einnahmen bei gleichzeitiger Verknappung von Kapital. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die IT von Banken: Aufgrund der hohen Profite konnten sich Banken sehr individuelle und komplexe Systemlandschaften leisten, die allerdings produktzentriert sowie unflexibel sind und zudem immense Wartungskosten verursachen.

Nun sind die Banken gezwungen, ihr Verhalten zu ändern und insbesondere in der IT über externe Unterstützung nachzudenken: nach erfolgreichem Outsourcing im Bereich von Hardware und IT-Dienstleistungen kommt es nun zunehmend zum Einsatz von Standardsoftware. Somit verwundert es nicht, wenn gemäss einer Umfrage von Forrester die Mehrheit von IT Entscheidungsträgern in Banken aus Europa und USA bereits heute angibt, eine hybride IT-Strategie mit einem Mix aus Eigenenwicklung und Fremdsoftware zu verfolgen – ein Trend, der sich durch den steigenden Kostendruck zugunsten des Einsatzes von Fremdsoftware nun erheblich beschleunigen wird. Das stellt für SAP eine immense Chance dar.

Gerald Faust, Leiter des Geschäftsbereich "Banking" bei SAP. (Foto: SAP AG)

Sind alle Bankgeschäfte gleichermaßen von der Krise betroffen oder gibt es Unterschiede?

Faust: Nein, das ist ganz klar nicht der Fall. Insbesondere das lange Zeit sehr erfolgreiche Investment Banking leidet besonders unter den Krisen, wir sehen derzeit, dass sich Finanzinstitute in Bezug auf Risiko und Ertrag ihres Geschäfts wesentlich stärker versuchen zu diversifizieren: Viele Institute setzen wieder verstärkt auf Wholesale und Retail Banking. Die meisten Banken verfolgen wie gesagt bei ihrer IT-Strategie einen Mix aus Eigenentwicklungen und vorhandener Applikations-Software. Die SAP ist hier hervorragend aufgestellt und bietet eine hochflexible Architektur, die sich sehr gut in komplexe und heterogene Landschaften einpasst und zudem robust und skalierbar ist. Mit einem umfangreichen Set von standardisierten Banking Services erlaubt die Lösung es, neu gebündelte Produkte viel schneller auf den Markt zu bringen und diese entsprechend der Kundenbeziehung individuell zu bepreisen – die IT einer Bank wird hiermit vom Engpass-/Kostenfaktor zum Treiber für Innovation.

Die SAP-Lösungen umfassen zudem die Abdeckung wichtiger regulatorischer Aspekte, die die Banken zum Beispiel im Rahmen von IFRS 9 oder Basel III umzusetzen haben. Einhergehend mit der stark zunehmenden Anzahl an regulatorischen Anforderungen vollzieht sich derzeit ein Wandel von der Erfüllung stichtagsbezogener neuer aufsichtsrechtlicher Meldungen hin zu einem permanenten Prozess der Integration von Regulatorik in die IT Landschaften von Banken – ein Grund warum SAP in diesen Bereich signifikant investiert.

Darüber hinaus führen innovative mobile Technologien zu weitreichenden Veränderungen in der Branche. Die zunehmende Mobilität führt zu einer Transformation des bisherigen auf Produkte fokussierten Ansatzes zu einer stärkeren Kundenorientierung. Vor dem Hintergrund von Mobile Banking oder Mobile Payment drängen außerdem neue Anbieter wie Telekommunikations- oder Automobilunternehmen in das klassische Bankengeschäft und neue Wettbewerbsmodelle entstehen. Somit gewinnen Multikanalstrategien für Banken an enormer Bedeutung. Hybride Anwendungen zum Online Banking wie Sybase-Mobilizer-Lösungen, die auf Tablets aller gängigen Hersteller laufen und eine Mischform aus Internet und Mobile Banking darstellen, bilden hier erst den Anfang dieser Entwicklung.

Eine weitere innovative Technologie, die den Transformationsprozess in Banken beschleunigen wird, ist In-Memory Computing. Damit hilft die SAP den Banken dabei, in vielen Bereichen schneller, einfacher und kostengünstiger zu werden. Mit SAP HANA bieten wir echtes Real Time Banking und zwar sowohl auf der transaktionalen Seite als auch auf der analytischen Seite: Durch das extrem schnellere Verarbeiten von Daten lassen sich beispielsweise umfangreiche Kundeninteraktionsanalysen durch den Berater in Minuten erstellen und damit direkt in Kundengespräche integrieren; ebenso lassen sich damit im Reporting zu Finanz- und Risikodaten zu Stichtagen als auch adhoc signifikante Verbesserungen hinsichtlich Datenumfang und Analyse-Geschwindigkeit erzielen. Dies wird zu einer Verbesserung der mangelhaften Transparenz von Banken beitragen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Branche mehr denn je im Umbruch ist und alle Banken derzeit IT-strategische Überlegungen anstellen, wie sie sich den genannten Herausforderungen stellen wollen. Die komplexe IT-Infrastruktur insbesondere im Back Office von Banken ist über die letzten Jahrzehnte gewachsen und lässt sich kaum anpassen. Die SAP unterstützt die Banken dabei ganz konkret. Viele Kunden fragen neben der technischen Leistungsfähigkeit der Lösungen auch nach Beratung. Hierfür hat die SAP gerade erst weitere 150 Experten eingestellt, die nur im Bereich Banking arbeiten. Zusammen mit der Expertise unserer Partner bieten wir ein starkes Ecosystem, um die Herausforderungen von Transformationen stemmen zu können.

Welche Neuerungen zeichnen das neue Release SAP Banking Services 8.0 aus?

Faust: SAP adressiert mit den Innovation für Banken inklusive dem neuen Release Banking Services 8.0 genau jene Bereiche, die die Banken momentan vor große Herausforderungen stellen: Regulatorik, kundenzentrierte Multikanalstrategien sowie Kosteneffizienz im Back Office. Lassen Sie mich nur einige der vielen Neuerungen kurz darstellen:

SAP Banking Services 8.0 deckt die gesamte Bandbreite der Regulierung ab, insbesondere sind hier die umfangreichen Updates zu Basel II und IFRS zu nennen. Darüber hinaus haben wir unseren Kunden eine Funktionalität zum Stresstesting bereitgestellt, die es ihnen ermöglicht adhoc-Auswertungen über Kreditrisiken durchzuführen so dass interne wie externe Stakeholder jederzeit die notwendige Transparenz über das Kreditportfolio der jeweiligen Bank erhalten.

 

Mit der Akquisition von Sybase bieten wir nun mit M365 und SUP/Afaria eine optionale und kompatible Integration der Kanäle Mobile und Internet Banking mit SAP-forBankingApplikationen an. Erste Kundenbeispiele zeigen bereits das Innovationspotential in zwei Richtungen auf:

  • Bankkunden erleben eine neue Dimension ihrer Bankverbindung (‚Customer Experience‘), nämlich Bank-Services in Echtzeit.
  • Durch die Kosteneffizienz dieser Kanäle lassen sich völlig neue Kundensegmente erschließen, die bislang nicht profitabel waren.

Auch im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft bietet Banking Services 8.0 eine Fülle an Innovationen: So bieten sich im Bereich der Produkt- und Preisfindung neue vielfältige und flexible Modelle, um kundeninviduell Produkte zu Bündeln zusammenzufügen und entsprechend der Kundenbeziehung individuell zu bepreisen. Dies ermöglicht Banken eine bessere Differenzierung im Privatkundengeschäft zum Beispiel wenn die klassischen Bank-Produkte wie Sparkonto, Kreditkarte und Hypothendarlehen als ein Bündel zu einem kombinierten Preis angeboten werden, der dann zudem nach verschiedenen Parametern wie Rating oder Profitabilität individuell berechnet wird. Im angelsächsischen Raum ist dies unter dem Begriff Offset Account oder One Account ein übliches Verfahren. Für das Firmenkundengeschäft steht ebenfalls eine flexible Funktionalität zur Produktbündelung und Preisfindung zur Verfügung, die im Bereich des so genannten Sweeping und Pooling über Kontenhierarchien hinweg kundeninviduell eingesetzt werden kann.

Basierend auf Banking Services 8.0 und in anderen Bereichen wie HANA bieten wir so genannte Rapid Deployment Solutions an, die zu einem klar identifizierten Scope durch eine produkt- und prozessspezifische Vorkonfiguration eine signifikant beschleunigte Einführung ermöglichen werden. Als erstes Szenario ist die End-zu-End Bearbeitung von Konsumentendarlehen bereits verfügbar, weitere Szenarien für das kontenbasierte Geschäft sowie die Migration von Darlehen folgen in Kürze.

Inwiefern haben die Kunden zur neuen Lösung beigetragen?

Faust: Die SAP hat schon immer auf eine enge Zusammenarbeit mit Kunden gesetzt. So auch in diesem Fall. Banken suchen starke Partner und wir sind hier die erste Wahl. Beispielsweise wurden Funktionen zur Abwicklung von M&A-Szenarien wesentlich von der Deutschen Bank mit gestaltet. Ziel bei derartigen Szenarien ist es, zum einen die direkte Auswirkungen für Bankkunden zu minimieren, so sollen Kunden zum Beispiel ihre gewohnte Kontonummer behalten. Zum anderen soll natürlich Cross-Selling-Potential ausgeschöpft werden, das mit der Bereinigung des Kundendatenbestands für weitere Analysen beginnt. Die Deutsche Bank nutzt SAP Banking Services 8.0 als Plattform für ihre strategischen Akquisitionen im Bereich Retail Banking – vorerst in Deutschland.

Es gibt ja bereits Pilotkunden für SAP Banking Services 8.0. Konnten diese schon über erste Erfahrungen berichten?

Faust: Wir haben momentan drei Pilotkunden: die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Société Générale. Die Société Générale transformiert ihr Rechnungswesen, da ihre heterogene, dezentrale IT-Landschaft kaum mehr ausbaufähig war. Viele Daten wurden mit unterschiedlichen Technologien repliziert. Nun will sie ihre Abläufe vereinfachen. Die Commerzbank möchte ebenfalls ihr Rechnungswesen transformieren auf der Basis des Bank Analyzer. Mit der gerade abgeschlossenen Übernahme der Dresdner Bank wurden die transaktionalen Systeme zusammengeführt. Die Deutsche Bank hingegen transformiert das Core Banking. Wir werden dort die Geschäftsabläufe im klassischen Retail Banking ändern. Sie sind wirklich begeistert von dem, was sie bislang sehen können.

Welche Vorteile hat SAP Banking Services 8.0 für die Bankangestellten bei ihrer täglichen Arbeit?

Faust: Dank der organisch gewachsenen Lösung in Verbindung mit dem integrierten BusinessObjects-Angebot ist Banking Services 8.0 eine Plattform, die die vorhandenen Daten für viele Mitarbeiter aus verschiedenen Hierarchien verfügbar macht. Beispiele hierfür sind Ad-hoc-Analysen, so genannte Web-Is. Mithilfe der SAP-Crystal-Lösungen lassen sich interaktive Dashboards erstellen und die Massenberichterstattung in den Zweigstellen bewerkstelligen. Durch Mobile Business Intelligence und HANA sowie den BusinessObjects Explorer haben wir zudem einige sehr innovative Werkzeuge im Portfolio. Die transaktionale Seite mit entsprechenden Auswertungsmöglichkeiten und Services arbeitet realtime, die analytische neartime. Dank der HANA-Technologie lässt sich zum Beispiel das Reporting in Echtzeit dynamisch und flexibel gestalten. Wer Banking Services 8.0 implementiert hat, ist bestens für die Zukunft vorbereitet.

Technische Neuerungen können helfen Wirtschaftskrisen zu vermeiden. Gegenwärtig zeigt sich, dass das allein nicht ausreicht. Was müssen die Banken neben ihrer IT noch ändern?

Faust: Aus meiner Sicht müssen sich Banken wieder mehr an der Realwirtschaft orientieren und damit Abschied nehmen von vielen synthetischen Produkten, die keinen oder negativen Kundennutzen haben und in ihrer Komplexität nicht einmal mehr von Bankern verstanden wurden. Dies muss einhergehen mit einer neuen zu schaffenden Transparenz von Banken, Risiken müssen schneller und besser erkannt und bewertet werden können – von internen Gremien und Eigentümern sowie von externen Stakeholdern wie den Aufsichtsbehörden, und den Banken untereinander. Nur so kann das verloren gegangene Vertrauen zurück gewonnen werden.

Wie ausgeführt kann und muss die IT einen wesentlichen Beitrag zu mehr Transparenz, größerer Einfachheit und besserer Kosteneffizienz leisten. Wir als SAP wollen dazu einen wesentlichen Beitrag leisten und sehen uns zusammen mit unseren Partnern dafür sehr gut aufgestellt. Kundenfokus ist dabei für uns wie auch für die Banken der Schlüssel zum Erfolg.

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