Beschaffung – modular und global

Feature | 14. November 2005 von admin 0

Stufen der Globalisierung

Stufen der Globalisierung

Einer der zentralen Aspekte einer globalen und ausgereiften Beschaffung in der Fertigungsindustrie ist die Modularisierung der Komponenten und Produktionsprozesse. Dies ermöglicht Unternehmen, Prozesse effizienter auszulagern und durch bessere Nutzung ihres weltweiten Zuliefernetzwerks größere Vorteile zu erzielen. In einer jüngst im Havard Business Review veröffentlichten Studie vom McKinsey Global Institute wird darauf verwiesen, dass sich Branchen mit ausgereiften Beschaffungsansätzen durch modularisierte Wertschöpfungsketten und verteilte globale Beschaffung auszeichnen. Diese Branchen – insbesondere die Konsumelektronik- und Bekleidungsindustrie – haben folglich eine beneidenswerte globale Ausprägung in der Beschaffung erreicht. Im Gegensatz dazu steckt die Globalisierung von IT- und Produktentwicklungsleistungen noch in den Kinderschuhen. Überdies sind die Wertschöpfungsketten in diesen Bereichen noch nicht einmal gut definiert, geschweige denn modularisiert.

Bewertung des globalen Potenzials

Nach einer Beurteilung einiger Best Practices in unterschiedlichen Branchen und deren Anwendung auf die IT-Dienstleistungsbranche hat Infosys aufgrund seiner Erfahrung in der globalen Beschaffung einen besonderen Ansatz des Modular Global Sourcing (MGS) entwickelt. Dieser bringt Beschaffungsaktivitäten mit der Unternehmensstrategie in Einklang, sorgt für Innovationen und verbessert die betriebliche Effizienz. MGS liefert eine konzeptionelle Grundlage und vier praxisnahe Frameworks. Sie tragen dazu bei, dass Unternehmen in jedem Stadium ihrer Beschaffung von den globalen Vorteilen profitieren können.
MGS wurde entwickelt, um eine Antwort auf zwei anscheinend widersprüchliche Anforderungen zu finden, die Unternehmen an ihre IT-Organisationen stellen – nämlich einerseits die Schnelligkeit und Innovation der IT-Abteilungen zu optimieren und andrerseits deren Effizienz und Vorhersagbarkeit zu verbessern. Diese Forderungen haben die IT-Organisationen traditionell vor enorme Herausforderungen gestellt, da sie sich als widersprechende Fähigkeiten nur selten gleichzeitig entwickeln lassen. Das wäre so, als ob man von einem Leichtathleten verlangt, zugleich Sprinter und Marathonläufer zu sein; oder von einem Einzelhändler, gleichzeitig mit Harrods und Wal-Mart zu konkurrieren. Zur Lösung dieses Problems haben sich die Entwickler von MGS das Konzept der Modularität zunutze gemacht. Im Zusammenhang von strategischer Beschaffung bedeutet Modularisierung die Zerlegung komplexer Geschäftsprozesse, wobei IT-Anwendungen/-Infrastruktur und deren Durchführungsphasen wie Innovation, Design, Entwicklung und Pflege unterstützt werden. Dies ermöglicht es Organisationen, verschiedene Module zu optimieren und diese auf unterschiedliche Geschäftserfordernisse abzustimmen.
Die Module werden entlang eines dreidimensionalen Rasters zerlegt:

  • nach Bereichen (Geschäftsprozesse/IT-Anwendungen/Infrastruktur)
  • nach Lebenszyklus- beziehungsweise Ausführungsprozessen: Design, Erstellung, Betrieb, und
  • am wichtigsten, nach zentralen Funktionen und Geschäftssparten.

Jedes dieser Module lässt sich anschließend auf die gewünschten Funktionalitäten hin optimieren.

Modulare Bewertung

Modulare Bewertung

Auf diese Weise ließ sich etwa im Fall einer Auftragsverwaltungsfunktion das Geschäftsprozessdesign für eine schnellere Abwicklung verbessern. Wenn neue Produkte ins Programm aufgenommen und neue Kunden gewonnen werden, muss die Auftragsverwaltungsfunktion die erforderlichen Änderungen rasch umsetzen. Der Rest der Geschäftsprozess- und Anwendungsschicht – Auftragsbearbeitung, Auftragsausführung und Lieferung an den Kunden – kann für eine bessere Vorhersagbarkeit der Kosten und Qualität angepasst werden. Die Kenngrößen sind dabei auf den geschäftlichen Nutzen ausgerichtet, sie betreffen etwa Kosten pro Auftrag, Service-Level, Fehlerquoten oder Kundenzufriedenheit.

Vier implementierbare Frameworks

Modular Global Sourcing soll Unternehmen in unterschiedlichen Stadien der Beschaffung helfen, in vollem Umfang von den Vorteilen globaler Beschaffung zu profitieren. MGS bietet daher eine konzeptionelle Grundlage und vier praxisnahe Frameworks, anhand derer Unternehmens- und IT-Führungskräfte eine unternehmensweite Auslagerung von Dienstleistungen zur Ausrichtung von Geschäftstätigkeit, Betrieb und IT überdenken können. Darüber hinaus strukturieren die Frameworks Geschäftstätigkeit, IT-Werte und Ausführungsphasen in einer gut definierten, modularen Konfiguration. Das hilft, Flexibilität zu erreichen und optimale Beschaffungsstrategien zu ermitteln – zum Beispiel für Ressourcennutzungsmodelle (intern, Dienstleister, Auftragnehmer) oder Standortentscheidungen (Onshore, Nearshore, Offshore). Die Frameworks erlauben einen weltweiten Betrieb, wobei durch Nutzung globaler Lieferung die Voraussagbarkeit von Kosten, Qualität und Risiken und somit die Einhaltung gemeinsamer Geschäftsziele sichergestellt wird.

Implementierbare Frameworks

Implementierbare Frameworks

Das so genannte Enterprise Assessment Framework von MGS ermittelt die zentralen Geschäftsfaktoren des jeweiligen Unternehmens und dessen Zielsetzungen für das globale Beschaffungsprogramm als eine Dachfunktion. Neben einer Vision für die Zukunft ergeben sich auch eine Reihe von Kenngrößen, um der Unternehmensleitung den Erfolg des globalen Beschaffungsprogramms aufzuzeigen. Die Bewertung der aktuellen Beschaffungseffektivität sorgt für Einblicke in zentrale Beschaffungschancen, erwünschte Ressourcen und wesentliche Risiken. Diese werden dann abgebildet und in einer Beschaffungsstrategie mit angemessenen Kosten-, Risiko- und Nutzenabwägungen umgesetzt.
Die drei anderen Frameworks helfen dem Unternehmen, gemäß den ermittelten Chancen und Beschaffungsstrategien Fähigkeiten aufzubauen. So bestimmt und bewertet das Modular Structuring Framework zum Beispiel auf der Grundlage der Beschaffungsfaktoren und -zielsetzungen geeignete Module beziehungsweise Einheiten, in denen Beschaffungsentscheidungen getroffen werden müssen. Module können hierbei je nach Definition Prozesse, Anwendungen und Infrastrukturschichten umfassen. In manchen Fällen lassen sie auch auf nur eine oder zwei dieser Schichten beschränken. Das Sourcing Decision Framework soll helfen, optimierte Beschaffungsentscheidungen für die ermittelten Module zu treffen, so den geschäftlichen Nutzen zu maximieren und zugleich die mit globalen Beschaffungsinitiativen verbundenen Risiken zu minimieren.

Kontrolle und Ausführung

Die Ergebnisse dieser Bewertungen fließen zurück in die oberste Ebene der Beschaffungsstrategie. Sie werden bei der Entwicklung eines detaillierten Roadmap- und Ausführungsplans berücksichtigt. Dieser Plan befasst sich damit, wie bereit das Unternehmens ist, ein solches globales Beschaffungsprogramm durchzuführen. Er wird von Kontrollmechanismen und Übergangsplänen unterstützt, die eine reibungslose Umsetzung der angestrebten Ziele sicherstellen, und sorgt zugleich auch für Mechanismen zur effektiven Fortschrittsüberwachung. All dies sind Elemente des Global Execution Framework.
Die Frameworks sind flexibel strukturiert, so dass sich je nach Bedarf und Situation des Kunden verschiedene Ansätze verfolgen lassen. Die MGS-Methodik wird in einem kollaborativem Umfeld unter Einbindung zentraler Interessengruppen und mit aktiver Unterstützung der Führungskräfte ausgeführt. Über die vier Frameworks deckt MGS viele Bereiche ab und berücksichtigt die zentralen Fragen, so dass Unternehmen eine stabile Beschaffungsstrategie erhalten. Auch wird besonderer Wert auf die Tatsache gelegt, dass allen Entscheidungen zu Beschaffung, Zuständigkeit und Standort die Modularität und Zergliederung des IT-Prozesses beziehungsweise der IT-Wertschöpfungskette vorausgehen muss.

Manish Subramanian

Manish Subramanian

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