Kinderkrankheiten vermeiden

Feature | 4. Oktober 2007 von admin 0

Aus Rohdaten unternehmerischen Erfolg generieren – auch 2007 steht dieses Ansinnen auf der Prioritätenliste ganz oben, schenkt man Studien und Umfragen von Merrill Lynch, Gartner oder anderen Marktforschern Glauben. Trotzdem scheuen offenbar viele Unternehmen davor zurück, ihren Partnern und Mitarbeitern Business-Intelligence-Lösungen vorzusetzen. Sie seien – so die gängigsten Einwände – schwer zu bedienen, hätten schlechte Antwortzeiten und würden somit die Anwender demotivieren.

Um dennoch aus diesen wichtigen Software-Werkzeugen unternehmerische Wertschöpfung zu erzeugen, raten die Analysten in Studien und White-Papern zu einer Anwender-zentrierten, unternehmensübergreifenden Vorgehensweise. Dies gilt sowohl für neu aufgesetzte Projekte, als auch für einen „Strategiewechsel“ bei bereits laufenden Implementierungen.

Scheitern in den Kinderschuhen

Laut TDWI Research, einem unabhängigen Branchenkenner für Data Warehousing, bleiben 80 Prozent der BI-Projekte bereits in den Kinderschuhen stecken. Die breite Masse der Anwender, so die Begründung, habe schlichtweg nicht den Überblick über das gesamte Potenzial der BI-Lösungen. Häufig würde die Software nur auf einem vergleichsweise hohen Management-Level für Umsatztrends und Ad-hoc-Berichte verwendet. Szenarien mit Echtzeitinformationen, die etwa auch auf operativer Ebene helfen würden, die Regale einer Filiale zu füllen und damit den Umsatz zu steigern, seien nicht in Gebrauch.

Außerdem demotivierten unausgereifte Lösungen: Studien von Gartner oder TDWI Research ist zu entnehmen, dass nur rund 20 Prozent der Anwender im Unternehmen mit Zugriff auf BI-Werkzeuge diese auch regelmäßig verwenden. Die Branchenkenner führen diesen Umstand darauf zurück, dass die Lösungen oft zu technisch für gelegentliche Anwender sind. Diese nehmen deshalb nicht selten die Unterstützung von IT-Mitarbeitern in Anspruch, die für den jeweiligen Zweck sogar die Programmierung ändern müssen.

BI-Auswertungen werden oftmals auch als langsam und unberechenbar beurteilt. Suchvorgänge oder Abfragen dauerten durchschnittlich 15 bis 80 Sekunden, da die Datenbanken eher für transaktionale als für analytische Prozesse ausgelegt sind. Zudem würden in den Unternehmen häufig nicht-integrierte BI-Strategien verfolgt und „von unten nach oben“ vorangetrieben. Die Anwender stehen somit einem Wirrwarr aus isolierten BI-Warehouses, Data-Mining-Werkzeugen und Software-Dashboards gegenüber, aus dem sie sich die gewünschten Informationen zusammensuchen müssen.

Die logische Folge: Gerade die „Gelegenheitsanwender“ werden dieser BI-Lösungen rasch überdrüssig und kehren zu den alten Gewohnheiten, den Tabellenkalkulationsprogrammen oder Data Marts ihrer Abteilungen zurück. Leider sind hierbei die notwendigen Informationen oft nicht aktuell, mit unternehmensübergreifenden Daten synchronisiert oder für andere Abteilungen verfügbar. Damit führen diese so genannten „Spreadmarts“ zu Compliance-Problemen oder liefern zumindest widersprüchliche Sichten auf die Unternehmenssituation, was eine korrekte Entscheidungsfindung gefährdet.

Übergang zur ausgereiften Lösung

Die Marktforscher haben aufgrund ihres Studienmaterials sieben Schritte erarbeitet, wie sich diesem Überdruss Einhalt gebieten lässt.
Zum ersten müssen die Unternehmen für eine Architektur sorgen, die den Zugriff auf unternehmensübergreifende, konsolidierte Daten ermöglicht. Damit verbunden ist es wichtig, für das BI-Projekt in jeder Phase Ziele und Kennzahlen festzulegen. Damit lassen sich die potenziellen Erfolge der BI-Lösung auf allen Ebenen im Unternehmen tatsächlich messen und sichtbar machen, so TDWI Research.
Ist dieser Schritt getan, sollten laut Aussage der Forscher auch sofort Echtzeit-Szenarien integriert werden. Ein Einzelhändler beispielsweise kann dann unmittelbar feststellen, ob ein Artikel ausverkauft ist, und so seinen Bestand besser führen, den Kundenbedarf decken und – nachweisbar über die Kennzahlen – seinen Umsatz steigern.
In der nächsten Stufe sollen die BI-Lösungen für umfangreichere Analysen genutzt werden, die bei grundlegenderen Geschäftsentscheidungen unterstützen. Beispielsweise könnte eine E-Commerce-Site Vorhersagemodelle verwenden, um personalisiertes Shopping anzubieten. Eine Kreditkartengesellschaft etwa würde die Buchungsvorgänge überwachen, um Kunden frühzeitig vor Betrügereien zu warnen. Die BI-Lösung geht in diesem Kontext weit über das pure Bereitstellen von Informationen hinaus.

Generell können die Unternehmen für eine höhere Akzeptanz der BI-Lösung sorgen, indem sie vorab auf einfache Handhabung achten. Die Anwender dürfen nicht gezwungen sein, wegen jeder kleinen Fragestellung die Hilfe von IT-„Power-Usern“ in Anspruch zu nehmen.

Neben der Architektur, die konsolidierte Daten ermöglicht, muss das Unternehmen auch dafür sorgen, dass sich auf diese Daten leicht zugreifen lässt. Außerdem mahnt TDWI Research an, mit einem Stammdatenmanagement eine „einzige Version der Wahrheit“ zu etablieren, in der Daten über Kunden, Produkte und Mitarbeiter in allen Verzeichnissen und bei externen Partnern stets aktuell bleiben.

Auch helfen aus Sicht der Marktforscher so genannte „Blended Applications“. Berichte, Analyse- und Überwachungsfunktionen sollten direkt in zentrale Geschäftsanwendungen integriert sein. Die Möglichkeit, etwa alle zur Realisierung einer CRM-Kampagne erforderlichen Aufgaben inklusive Analyse innerhalb einer Anwendung zu erledigen, intensiviert die Nutzung des BI-Werkzuegs und fördert dessen Akzeptanz.

Branchenkenner mahnen auch, einem Paradigmenwechsel in den Unternehmen Rechnung zu tragen. Die Unternehmen konzentrieren sich immer weniger auf die Daten selbst, sondern verstärkt auf die Geschäftsprozesse, die damit „bedient“ werden – etwa Vertrieb, Beschaffung, Finanz- oder Personalwesen. Vorreiter in der Unternehmenslandschaft richten Process Councils ein, bestehend aus Infrastruktur- und Datenexperten. Diese fragen nicht mehr „Welche Daten brauchen wir?“ sondern Prozess-orientiert „Was wollen wir erreichen?“

BI: Eine kontinuierliche Aufgabe

Mit SAP NetWeaver Business Intelligence 7.0 deckt SAP diese sieben Schritte ab und unterstützt somit BI-Initiativen. Beispielsweise können alle Anwender in einem Unternehmen mit Microsoft-Office-Anwendungen wie Outlook oder Excel auf Daten zugreifen. SAP NetWeaver Business Intelligence ist mit SAP ERP und Fremdsystemen gleichermaßen integriert, womit Anwendern Echtzeitinformationen zur Verfügung stehen, die sich nach den für sie relevanten Kriterien filtern und bearbeiten lassen. Mit minimalem Schulungsaufwand stehen Vertriebsleitern daher Statistiken etwa nach Land oder Region zur Verfügung, die sie in ihren Kalkulationsprogrammen dann auf Wunsch auf weitere Details herunter brechen.
Die Unterstützung von IT-Mitarbeitern ist hierzu nicht notwendig, weil die Anwender Excel-Formeln und -Makros verwenden, ohne neue Steuerelemente definieren zu müssen. Kennzahlen lassen sich in derselben Arbeitsoberfläche mit analytischen Funktionen in Prognosen umwandeln. SAP NetWeaver Business Intelligence Accelerator stellt bei Abfragen BI innerhalb von drei Sekunden bereit, diese kurzen Antwortzeiten sorgen für den entsprechenden Komfort. Mit dem integrierten SAP NetWeaver Master Data Management greifen alle Anwender auf dieselben Daten zu.
Gleichgültig für welche BI-Strategie oder -Anwendung sich ein Unternehmen letztendlich entscheidet: Die Initiatoren sollten sich darüber im Klaren sein, dass das Projekt kontinuierlicher Pflege bedarf. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Aufwand, der sich unterm Strich in klingender Münze auszahlt.

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