Soccer team in a huddle

Big Data bringt UX voran

10. Februar 2015 von Andreas Schmitz 0

Martin Wezowski fordert Software, die tägliche Arbeitsroutinen reflektiert. Big Data bringt erst die entscheidende User Experience, ist der Chief Designer User Experience bei SAP überzeugt.

Dritte Datenrevolution, „Me und We“ als Zukunftskonzept für Software, emotionale Umgebungen: Martin Wezowski weiß, Themen zu setzen, die so gar nicht klingen, als wenn sie aus der IT stammen oder damit direkt zu tun hätten. Und das ist auch gewollt so. Denn für den Chief Designer User Experience bei SAP ist es egal, ob er einen Programmierer, Designer oder Manager vor sich hat. Er weiß: Die beste Software entsteht nicht, wenn das User Interface klasse ist, sondern wenn das Produkt „schön gemacht ist, einfach zu bedienen und man sich sofort auf das Wesentliche konzentrieren kann“.

Herr Wezowski, Sie sind vor knapp zwei Jahren zu SAP gekommen. Was war der Grund für den Weggang von Huawei. Sie waren dort verantwortlich für die User Experience …

Ich hatte das Gefühl, dass ich mit der Software für Endkonsumenten nicht mehr weiter komme. Zudem hatte ich großes Interesse für Big Data. Gerade in der Verarbeitung großer Datenmengen habe ich dort keine wirklichen Fortschritte gesehen. Dabei ist das möglicherweise die coolste Sache derzeit, um die User Experience (UX) nach vorne zu bringen. Hier verspreche ich mir viel von der In-Memory-Technolgie SAP HANA, die ja nicht nur eine technologische Plattform ist, sondern vor allem ein „Enabler“ für UX. Nehmen Sie nur SAP Fiori. Hier lässt sich jetzt schon sehen, dass die schnelle Auswertung von Daten für die Nutzer nicht nur einen Mehrwert bringt, sondern die Arbeit besser mit den üblichen Arbeitsroutinen harmoniert.

Sie sprachen kürzlich auf den UX Days von dem ME und dem WE, zwei Dinge, die künftige Software leisten sollte. Was verstehen Sie darunter?

Zum einen geht es darum, dass Software individualisierbar ist und sich einfach an die jeweiligen Rollen der Nutzer anpassen lässt, mich versteht. Unnötige Funktionen verwirren nur und lenken vom Wesentlichen ab. SAP Fiori oder SAP Screen Personas beispielsweise schaffen die Möglichkeit, jeder Rolle exakt die Zahlen, Fakten und Informationen zu bieten, die er in der jeweiligen Situation und Rolle benötigt – übrigens unabhängig davon, ob er mobil am Smart Phone oder Table oder aber am Desktop die Programme nutzt. Der Nutzer fühlt sich wohler damit. Tatsächlich ist SAP Fiori der erste Schritt, Software menschlicher zu machen. Nicht weniger wichtig ist das WE. Während erst im Unternehmensumfeld zunächst um die Übertragung von Daten untereinander ging, die Transaktion, danach um die Analyse der Daten, steht nun die dritte Datenrevolution bevor: der Umgang mit Kontexten. Was nützt mir ein Prozess „Order to Cash“, wenn ich ihn über Geschäftsprozesse abbilde? Ich unterschlage alles, was an Aktivitäten dazwischen passiert. Ich teile Detailinformationen mit anderen, fordere Zusatzinformationen von Kollegen an, diskutiere mit ihnen, übernehme Verantwortung. Software muss also für die Arbeit das bieten, was man für das private Leben auch erwartet, eine emotionale Umgebung. Sie muss natürlich auch die komplexen Prozesse, die sie über Jahre entstanden sind, abbilden. Aber eben auch Kontexte miteinbeziehen und Kollaboration möglich machen. Sie gehen ja auch nicht auf eine Party, wo Sie niemanden kennen. Und niemand wird Ihnen ein PDF schicken, um das später zu lesen.

"Tatsächlich ist SAP Fiori, der erste Schritt, Software menschlicher zu machen", sagt Martin Wezowski.

“Tatsächlich ist SAP Fiori der erste Schritt, Software menschlicher zu machen”, sagt Martin Wezowski.

Software menschlicher machen: So könnte man Ihre Mission zu beschreiben. Business-Software ist über Jahre prozessorientiert entwickelt worden. Der User hat sich da inzwischen auch dran gewöhnt. Ist der Schwenk nötig?

Bessere User Experience schafft durch eine völlig neue Ingenieurskultur eine bessere Produktqualität. Sie ermöglicht es dem Nutzer, ihre Arbeit besser zu machen und mehr Sinn darin zu sehen. Sie sind motivierter. Einfach gesagt: Das System kennt Dich, spricht mit Dir, mag Dich. Wenn Sie Software entwickeln, müssen Sie einfach mit den Menschen beginnen. Klar: Das ist ein kompletter mentaler Reset. Das hat man bisher im Business-Umfeld ja nicht gekannt, dass Software ohne Trainings zu verstehen ist und man ihr die gefühlte Komplexität nimmt. Die ist natürlich noch da, aber die Oberfläche schafft das nötige Verständnis. Es ist ein Kulturwechsel, denn jeder ist an User Experience interessiert und jeder kann und soll hier mitwirken. Im SAP App-Haus in Heidelberg etwa kommen Programmierer, Designer, Mitarbeiter aus den Fachbereichen und wer auch immer aus den Unternehmen zu Workshops zusammen, um zusammen mit SAP Software zu verbessern. Das Besondere liegt darin, dass IT und Fachbereiche ihre Erfordernisse einbringen und mit dazu beitragen, dass die Software Spaß macht und einfach zu verstehen ist. Letztlich geht es nicht nur um Codes und Interfaces. Jeder muss das Gefühl bekommen, an einer klasse Software mitwirken zu können.

Gab es nie Widerstände, den Kulturwechsel anzugehen?

Wir haben die volle Unterstützung aus dem Management, von Bill McDermott und Bernd Leukert für diesen Weg. Klar ist: Wir haben erst die Hälfte unseres Weges zurückgelegt. Das braucht natürlich auch noch etwas Überzeugungskraft.

NxT & Design Whizz hat Martin Wezowski auf seiner inoffiziellen Mailsignatur stehen. Und hier ahnt man schon, dass hier eher ein Querdenker unterwegs ist. NxT steht für New Experience Technologies, gesprochen „Next“, und Design Whizz bedeutet nicht etwa, dass er sich selbst als Crack in Sachen Design bezeichnet. Vielmehr nennt sich das Team, das Wezowski zusammen mit Christian Stark leitet, Design Whizz. Um ein Haar wäre die Kreativität des gelernten Maschinenbauingenieurs in der Musik aufgegangen. Denn erst verdiente sich Wezowski sein Geld als Bassist in einer Heavy-Metal-Band, ehe er auf Software-Design umschwenkte. „Das Studio, Aufnahmetechniken, das gesamte Geschäft drumherum: Das hatte sehr viel mit Software zu tun“, erläutert Wezowski, der heute vor allem einen Schluss aus seiner Musikerzeit zieht: „Software holt einiges an Kreativität aus den Menschen“.

Mehr über UX bei SAP erfahren Sie auch im Video:

In den folgenden Webinaren erfahren Sie mehr über UX bei SAP:

SAP User Experience: So sorgen Sie für Begeisterung bei Ihren Fachbereichen

SAP UX Design Services: Ihr Weg zu intuitiven Oberflächen

 

Tags:

Leave a Reply