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Big Data: Glorifizierung und Verteufelung

31. März 2015 von Andreas Schmitz 0

„Zehn Prozent der Menschen glorifizieren Big Data und zehn Prozent verteufeln sie. Und diese zehn Prozent werden immer „böse“ bleiben. Die restlichen 80 Prozent wollen wir abholen und aufklären. An sie richtet sich unser Buch“, sagt Rolf Schumann, Co-Autor des Buches „Update: Warum die Datenrevolution uns alle betrifft.“

Herr Schumann, Sie haben zusammen mit dem ehemaligen Sportschau-Moderator und jetzigem Journalismus-Professor Michael Steinbrecher ein Buch über Big Data geschrieben. Wie kam es dazu?

Wir haben uns auf einer Veranstaltung kennengelernt und uns über Big Data unterhalten. Dabei hat sich herausgestellt, dass wir sehr unterschiedlich über das Thema dachten. Schon allein durch meinen Hintergrund als Manager bei SAP bringe ich eher die technologische, Michael Steinbrecher dafür die soziale Seite mit ein. Am Ende liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Wir haben uns immer wieder getroffen, ausgetauscht und versucht, möglichst viele verschiedene Perspektiven ins Buch einzubringen. Klar ist: Zehn Prozent der Menschen glorifizieren Big Data und zehn Prozent verteufeln sie. Und diese zehn Prozent werden immer „böse“ bleiben. Die restlichen 80 Prozent wollen wir abholen und aufklären. An sie richtet sich unser Buch.

80 Prozent der Menschen über Big Data aufklären

Bild: SAP, 2015

“Eigentlich müsste es immer so sein wie beim Steuerberater. Ich überlasse ihm meine persönlichen Daten, er nutzt seine „Algorithmen“, so dass ich meine Steuererklärung nicht selbst erledigen muss”, sagt Rolf Schumann, Senior Vice President bei SAP.

Sie haben drei Assoziationen beschrieben, die Big Data beschreiben – vom Goldwaschen über das Panopticon bis hin zum Kaleidoskop. Was steckt dahinter?

Diese Szenarien verbildlichen am besten die Ansichten, die es aktuell über Big Data gibt. Aus dieser Masse an Daten lassen sich wichtige Informationen ziehen. Das ist wie beim Gold schürfen, bei dem viel Sand durchs Sieb geht, bevor etwas Wertvolles aufgespürt wird. Das Panopticon beschreibt die Furcht vor Überwachung. Dieses runde Gebäude hat die Besonderheit, dass von der Mitte aus in alle Räume hineingeschaut werden kann. Es wurde für Fabriken und Gefängnisse geschaffen, um die Mitarbeiter und Insassen zu überwachen. Im Kaleidoskop entstehen durch leichte Drehung immer neue Muster und doch bleibt die Beziehung der Teile untereinander bestehen. Egal, welches Bild man nun von Big Data im Kopf hat: Letztlich ist doch entscheidend, zu welchen Zwecken es genutzt wird und mit welchen Algorithmen.

Oft herrscht die Meinung vor, dass besonders Unternehmen aus Big Data ihren Nutzen ziehen. Wie lässt sich Vertrauen zwischen Unternehmen und Konsumenten aufbauen?

Eigentlich müsste es immer so sein wie beim Steuerberater. Ich überlasse ihm meine persönlichen Daten, er nutzt seine „Algorithmen“, so dass ich meine Steuererklärung nicht selbst erledigen muss. Zu oft weiß ich heute nicht, wer was mit meinen Daten macht. Zudem gibt es keine globalen ethischen Richtlinien. Für viele US-Amerikaner etwa ist die Kontrolle durch die NSA völlig okay. In Deutschland sieht das ganz anders aus. Hier sollte zumindest ein EU-weites Wertesystem geschaffen werden. Wichtig ist allerdings, dass es eine Positionierung zu Big Data überhaupt gibt und die Menschen mitreden können. Als in den 80er Jahren die Grünen Umweltschutzthemen in den Bundestag einbrachten, war das ein Thema, mit dem sich niemand wirklich auskannte. Heute kann man offen über die Energiewende reden. Das wünsche ich mir auch für das Thema Big Data. Es ist doch besser, die Menschen entscheiden mit, was mit ihren Daten passiert, als dass über sie hinwegentschieden wird.

Menschen müssen ihr Verhalten ständigen verändern, also updaten.

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Update – Warum die Datenrevolution uns alle betrifft von Michael Steinbrecher und Rolf Schumann; Campus Verlag, Frankfurt; 254 Seiten; 24,90 €

Wo sehen Sie Einsatzbereiche von Big Data, die in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnten?

In der Medizin ist es möglich, über die schnelle Analyse genetischer Daten bessere Entscheidungen zu treffen. Diese Erkenntnisse lassen sich weltweit vernetzen und so überall nutzen. Natürlich sind auch genetische Dispositionen etwa für eine Krebserkrankung oder psychische Probleme zu erkennen. Solche Daten dürfen also nicht in die Hände von Krankenkassen oder Arbeitgebern geraten. Beim Einkauf bekomme ich maßgeschneiderte Angebote, sobald ich den Laden betrete und werde – negativ gesehen – eine Marionette des Handels. Hier ist die Frage weniger, was machbar ist, sondern was ethisch vertretbar. In der Mobilität ist Big Data längst keine Raketenwissenschaft mehr – und ethisch unbedenklich: Staus werden vorhergesagt, bevor sie auftreten, Autos miteinander vernetzt und automatisch auf Unfälle hingewiesen. Das funktioniert schon. Da wird keiner was gegen haben. Ein ganz wichtiger Bereich wird das digitale Lernen werden. Nach einigen Lerneinheiten kennt die Software die Fortschritte des Schülers, analysiert seine Stärken und Schwächen, weiß, welchem Lerntyp er am besten entspricht und passt seine Methoden darauf an. Beim Solheim-Cup, dem Vergleichswettkampf der besten Golferinnen aus Europa und den USA, analysieren wir mit Hilfe unserer Software an einem Trainingstag mit bestimmten Übungen die Spieler und können auf dieser Basis individuelle Lernmethoden vorschlagen.

Warum heißt das Buch eigentlich „Update“?

Big Data wird dazu führen, dass Menschen ihr Verhalten ständig verändern, sich gewissermaßen ständig „updaten“. Ein Beispiel: Ich habe vor zwei Jahren begonnen, mithilfe einer Smart Watch die Schritte zu zählen, die ich täglich mache, meinen Schlaf zu überwachen, meinen Puls und Blutdruck regelmäßig zu messen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, bewege mich mehr und lebe nun viel gesünder. Das hätte ich ohne Big Data niemals hinbekommen.

Buchvorstellung CeBIT 2015:

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 Fotoquelle: SAP

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