Carsharing: Teilen statt Kaufen

4. Oktober 2011 von Christiane Stagge 0

Der Führerschein wird zum Autoschlüssel: Das Öffnen und Starten erfolgt mit Hilfe eines Chips, der auf die Plastikkarte geklebt (Foto: BMW)

DriveNow, Car2Go und Flinkster im Vergleich (Foto: BMW)

Kein eigenes Auto zu haben ist heute nichts ungewöhnliches mehr. Besonders in Großstädten, wo das öffentliche Verkehrsmittelnetz gut ausgebaut ist und Parkplätze rar beziehungsweise teuer sind, lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Autos nicht unbedingt für jeden. Stattdessen entwickelt sich Carsharing zu einer günstigen Alternative zum eigenen Fahrzeug. Das Prinzip: Viele Fahrer teilen sich ein Auto.

Auch für Unternehmen lohnt sich der Service: Sie sparen sich Dienstwagen und mieten stattdessen Fahrzeuge für ihre Mitarbeiter.

Inzwischen haben die großen Automobilhersteller die Vorteile des Carsharings erkannt. So ist es seit kurzem in einigen Großstädten möglich, über BMW, Daimler oder die Deutsche Bahn ein Auto für ein paar Stunden oder ein paar Tage zu mieten. Das Besondere: Jeder, der im Besitz eines Führerscheins ist, kann sich jederzeit ein Auto mieten und bestimmt selbst, wann er es zurückgibt. Die Abrechnung erfolgt pro Zeiteinheit beziehungsweise gefahrenen Kilometer. Monatspreise, Kautionen oder Grundgebühren gibt es im Vergleich zu den klassischen Carsharing-Angeboten nicht. Im Preis sind außerdem Tankfüllungen und Vollkaskoversicherung inbegriffen.

Wir haben uns die Carsharing-Angebote von BMW, Daimler und Deutsche Bahn genauer angeschaut und alle Preise, Vertragskonditionen und Angebote aufgelistet.

Auch die Deutsche Bahn bietet Carsharing an und verfügt über eine breite Autoflotte. (Foto: Deutsche Bahn AG)

Auch die Deutsche Bahn bietet Carsharing an und verfügt über eine breite Autoflotte. (Foto: Deutsche Bahn AG)

Klassisches Carsharing: STATTAUTO München

Carsharing-Dienstleister gehen oft eine Kooperation mit Autovermietern oder öffentlichen Nahverkehrsbetrieben ein. Schließlich sollen alle Autostationen gut erreichbar sein und sich in der Nähe einer U- oder S-Bahnhaltestelle befinden.

Auch STATTAUTO München kooperiert mit den Münchner Verkehrsbetrieben – und zwar nicht nur im Hinblick auf die Lage der Autostationen: Wer ein MVV IsarCard-Jahresabo hat, zahlt bei der Anmeldung nur die Hälfte der Kaution, die im vollen Preis immerhin 500 Euro beträgt.

Bei STATTAUTO München muss der Kunde sich genau festlegen, um wieviel Uhr er ein Auto benötigt und wann er es wieder zurückbringt.

In München gibt es im gesamten Stadtgebiet verschiedene STATTAUTO-Stationen. Der Kunde kann die Station selbst wählen (sofern dort ein freies Auto verfügbar ist), muss jedoch das Fahrzeug genau an diese Station wieder zurückbringen.

Preise und Versicherung

Auch wenn das alles recht unflexibel klingt, ist STATTAUTO München vergleichsweise preiswert. Zu Beginn ist eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 50 Euro zu entrichten. Die Grundgebühr beträgt 7 Euro pro Monat. Es ist auch möglich, in einer Gemeinschaft mit mehreren Personen beizutreten. Dann werden Aufnahmegebühr und Monatspreis günstiger.

Die Kosten für das Tanken und die Versicherung sind damit abgegolten. An der Tankstelle muss sich der Fahrer also nicht mehr um das Bezahlen kümmern.

Im Schadensfalle trägt der Kunde 500 Euro Selbstbeteiligung. Achtung: Bei zwei Vorfällen innerhalb von zwei Jahren erhöht sich der Betrag auf 1000 Euro und kann sogar zur Kündigung führen. Mehr als einen Unfall pro Jahr sollte sich also bei STATTAUTO keiner erlauben.

Ansonsten ist der Autoverleih aber recht günstig: Für einen Kleinwagen zahlt der Kunde 2,20 Euro pro Stunde oder eine Tagespauschale von 22 Euro. Wird das Auto für eine ganze Woche gemietet, kostet das 110 Euro. Pro gefahrenen Kilometer werden 0,22 Euro berechnet. Vielfahrer erhalten Rabatt: Wer am Tag 200 Kilometer gefahren hat, erhält 25 Prozent Preisnachlass auf den Zeittarif. Bei 350 Kilometern entfällt dieser ganz.

Standortunabhängiges Carsharing: Im Gegensatz zu STATTAUTO kann man bei DriveNow sein Fahrzeug überall im Münchner Innenstadtgebiet abstellen. (Screenshot: Daimler)

Standortunabhängiges Carsharing: Im Gegensatz zu STATTAUTO kann man bei DriveNow sein Fahrzeug überall im Münchner Innenstadtgebiet abstellen. (Screenshot: Daimler)

Mit der DriveNow-App kann man unterwegs nach verfügbaren Fahrzeugen suchen. (Foto: BMW)

Mit der DriveNow-App kann man unterwegs nach verfügbaren Fahrzeugen suchen. (Foto: BMW)

BMW DriveNow: Minutengenaue Abrechnung

Das Carsharing-Angebot DriveNow bietet BMW in Kooperation mit dem Autovermieter Sixt seit Juni in München an. Ende September gibt es DriveNow auch in Berlin.

Im Gegensatz zu STATTAUTO gibt es bei DriveNow keine festen Annahme- und Rückgabestationen. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich auf den Innenstadtbereich. Die Begrenzung ist der Mittlere Ring. Bevor der Kunde sich ein Auto mietet, prüft er auf der DriveNow-Website oder über die DriveNow-App, die es für iPhone und Android-Smartphones gibt,  wo sich das nächste Fahrzeug befindet. Hat er ein Auto gefunden, kann er es buchen.  Nach der Buchung ist das Auto für 15 Minuten geblockt. Der Fahrer muss sich also beeilen, um zu seinem Auto zu kommen.

Der Fahrer hat die Wahl, ob er ein Auto mit manueller Schaltung oder Automatik möchte.

Der Fuhrpark von DriveNow besteht aus 1er BMWs und Minis. Alle Fahrzeuge sind mit dem DriveNow-Logo versehen, sodass das Auto schnell zu erkennen ist.

Einen Autoschlüssel gibt es nicht. Bei der erstmaligen Registrierung lässt der Kunde sich bei einer Sixt-Filiale einen Chip auf den Führerschein kleben. Diesen Chip hält der Fahrer an das Lesegerät, das an der Außenseite des Autos angebracht ist.

Ist das Fahrzeug frei und nicht geblockt, blinkt am Lesegerät ein grünes Lämpchen. Entdeckt der Kunde unterwegs ein Auto, das gerade frei ist, kann er es auch ohne vorherige Online-Buchung nutzen – einfach Führerschein an den Scanner halten und Tür öffnen.

Im Inneren des Fahrzeugs befindet sich ein Bord-Computer. Darin muss der Fahrer seinen PIN eingeben und den Start-Knopf neben dem Lenkrad drücken. Möchte der Kunde die Fahrt kurz unterbrechen, drückt er im Touchscreen auf „Parken“. Nun kann er selbst entscheiden, wohin er mit dem Auto fahren will und wie lange er das Fahrzeug behalten möchte. Fahrten ins Ausland sind allerdings nicht gestattet.

Bei Abschluss der Fahrt betätigt der Fahrer „Beenden“. Das Auto muss wieder innerhalb des Geschäftsgebiets, also innerhalb des Mittleren Rings, abgestellt werden. Wo genau das Fahrzeug abgestellt wird, spielt keine Rolle. Übrigens: Das Parken ist kostenlos. BMW stellt spezielle Parkplätze für DriveNow-Fahrzeuge zur Verfügung. Die Kosten auf öffentlichen Parkplätzen übernimmt ebenfalls BMW. Am Hauptbahnhof, in der Innenstadt und in Anwohnerparkzonen ist das Parken allerdings nicht gestattet.

Preise

DriveNow bietet volle Kostentransparenz: Die einmalige Registrierungsgebühr beträgt 29 Euro. Pro gefahrene Minute sind 29 Cent zu zahlen. Wird die Fahrt unterbrochen, muss der Fahrer im Bildschirm die Option „Parken“ wählen. Danach kostet die Minute nur noch 10 Cent. Bei einem Mini Cooper beträgt der Stundensatz maximal 14,90 Euro.

Die Kosten für das Tanken übernimmt BMW. Die Tankkarte befindet sich unter dem Bildschirm. Sinkt die Tankfüllung auf unter 25 Prozent, sollte man eine Esso- oder Shell-Tankstelle aufsuchen und im Touchscreen die Option „Tanken“ wählen. Ist der Tank anschließend zu über 90 Prozent gefüllt, wird ein Fahrguthaben von 20 Minuten gutgeschrieben.

Alle Fahrzeuge sind haftpflicht- und vollkaskoversichert. Bei einem Unfall beträgt die Selbstbeteiligung maximal 750 Euro. Bei Abschluss einer speziellen DriveNow-Versicherung lässt sich der Betrag auf 350 Euro beziehungsweise 0 Euro drosseln.

Wichtig zu wissen: Fahranfänger zwischen 19 und 21 Jahren und Leute, die erst seit zwei Jahren ihren Führerschein haben dürfen DriveNow erst nutzen, wenn sie vorher ein Fahrsicherheitstraining absolviert haben.

Der Führerschein wird zum Autoschlüssel: Das Öffnen und Starten erfolgt mit Hilfe eines Chips, der auf die Plastikkarte geklebt (Foto: BMW)

Der Führerschein wird zum Autoschlüssel: Das Öffnen und Starten erfolgt mit Hilfe eines Chips, der auf die Plastikkarte geklebt (Foto: BMW)

Bei Flinkster muss der Fahrer das Auto wieder eine bestimmte Station zurückbringen. (Foto: Deutsche Bahn)

Bei Flinkster muss der Fahrer das Auto wieder eine bestimmte Station zurückbringen. (Foto: Deutsche Bahn)

Achtung Fallstricke: Flinkster

Auch die Deutsche Bahn hat das Carsharing entdeckt und mit Flinkster einen entsprechenden Service gestartet. In über 140 Städten lassen sich Autos stunden- oder monatsweise buchen. Eine Kaution oder Fixkosten gibt es nicht.

Zunächst meldet man sich online bei Flinkster an. Danach erhält der Kunde eine E-Mail mit den Zugangsdaten. Mit diesen Zugangsdaten geht er zum Bahnhof und lässt sich mit Ausweis und Führerschein registrieren. Danach erhält er seine Kundenkarte. Der Autoschlüssel liegt im jeweiligen Auto im Handschuhfach.

Die Auswahl an Fahrzeugen ist groß: Vom Kleinwagen bis zum Transporter können Sie sich so gut wie alles mieten.  Das Auto lässt sich online oder per Smartphone buchen. Das Fahrzeug befindet sich allerdings an einem bestimmten Standort, wohin es der Fahrer anschließend auch wieder zurückbringen muss. In München gibt es beispielsweise 50 Quartiere und öffentliche Parkplätze, wohin der Fahrer das Fahrzeug zurückbringen kann.

Nach zwei Wochen erhält man die Rechnung per Post oder E-Mail.

Preise

Die Registrierungsgebühr beträgt 50 Euro. Für BahnCard-Besitzer ist die Anmeldung kostenlos. Sie können dabei sogar noch Comfort-Punkte sammeln. Das war es aber auch schon mit den Annehmlichkeiten. Flinkster bietet einige Stolpersteine: So beträgt der Stundenpreis zwar 2,30 Euro beziehungsweise Tagespreis 39 Euro und pro Kilometer werden zwar nur 17 Cent berechnet. Für einen Kleinwagen, beispielsweise VW Polo, beträgt die Tagespauschale aber schon 50 Euro.

Bei einem Unfall muss der Fahrer bis zu 1500 Euro zahlen.

Außerdem gibt es spezielle Konditionen, wenn Sie sich über Flinkster ein Auto am Flughafen mieten:  Es werden 25 Prozent Zuschlag auf den Zeitpreis berechnet und die Tankrechnung ist ebenfalls selbst zu zahlen.

Für Stuttgart, Berlin und Köln gibt es spezielle Lokaltarife: Neben den monatlichen Grundgebühren von 10 Euro beträgt der Tagespreis 19,60 Euro.

Die Tankkosten übernimmt die Bahn. Allerdings darf nur an ausgewählten Tankstellen getankt werden.

Über die Flinkster-App rund um die Uhr ein Auto buchen. (Screenshot: iTunes)

Über die Flinkster-App rund um die Uhr ein Auto buchen. (Screenshot: iTunes)

Car2Go von Daimler funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie DriveNow. (Foto: Daimler)

Car2Go von Daimler funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie DriveNow. (Foto: Daimler)

Daimler Car2Go: Fahrten ins Ausland

Über das Carsharing-Angebot Car2Go haben wir schon einmal im Rahmen von SAP Business Transformation Services berichtet.

Ähnlich wie BMW mit DriveNow bietet Daimler für Ulm und Hamburg Car2Go an. Das Prinzip funktioniert genauso wie DriveNow, selbst die Preise sind gleich: 29 Euro Registrierungsgebühr, 29 Cent pro Minute Fahrtzeit, 500 Euro Selbstbeteiligung.

Das Geschäftsgebiet erstreckt sich vom Elbfluss im Süden über die Wandsbeker Allee im Osten und die Kieler Straße im Hamburger Westen.

Im Gegensatz zu DriveNow sind auch Fahrten ins Ausland erlaubt. Die Car2Go-Flotte besteht ausschließlich aus Smarts. Die Autos sind allesamt mit Navigationssystem und Radio ausgestattet.

Auch für Car2Go gibt es Smartphone-Apps für iPhone und Android-Geräte. Im Gegensatz zu DriveNow kann man beim Daimler Carsharing-Service auch per Bankeinzug zahlen. Alle Kosten wie Mietdauer, gefahrene Strecke lassen sich auf der Website einsehen.

Bei DriveNow gibt es auch spezielle Angebote für Firmen: Unternehmen können einen Administrator, Buchhalter und Fahrermanager ernennen. Der Administrator hat  den Einblick auf Firmendaten und ist für die  Rollenzuordnungen verantwortlich. Der Buchhalter kann alle Fahrten einsehen und die Rechnungen abrufen. Der Fahrermanager lädt andere Mitarbeiter als Fahrer ein. Praktisch: Bei DriveNow können Sie zwischen Ihren Privat- und Firmenaccount wechseln.

Alle Anbieter im Überblick

STATTAUTO DriveNow Car2Go Flinkster
Anbieter Carsharing BMW Daimler Deutsche Bahn
Fuhrpark Große Bandbreite an Automarken, vom Kleinwagen bis Transporter 1er BMW, Mini Cooper Smart Große Bandbreite an Automarken, vom Kleinwagen bis Transporter
Kaution 500 Euro Kaution, 50 Euro Aufnahmegebühr 29 Euro Anmeldegebühr 29 Euro Aufnahmegebühr 50 Euro Aufnahmegebühr
monatl. Gebühr 7 Euro keine keine keine
Preis/Stunde 1,90 – 3,70 Euro 17,40 Euro (14,90 Euro) 17,40 Euro (14,90 Euro) 1,50-8 Euro
Tagespreis 19-37 Euro keiner keiner 39-80 Euro
Kilometerpreis 0,19-0,37 Euro keiner Keiner 0,17-0,19 Euro
Versicherung 500-1000 Euro 700 Euro 700 Euro 1500 Euro
Besonderheiten Standortgebunden Beliebige Buchung und Rückgabe innerhalb des Geschäftsgebiets Beliebige Buchung und Rückgabe innerhalb des Geschäftsgebiets Standortgebunden, BahnCard-Kunden können bei der Regsitrierung Punkte sammeln
Fazit Am Preisgünstigsten, für alle, die ab und zu ein Auto für den Kurzurlaub oder Tagesausflug brauchen Für Spontane, die das Auto nur für wenige Stunden im Stadtgebiet brauchen Für Spontane, die das Auto nur für wenige Stunden im Stadtgebiet brauchen Für alle, die vom Hauptbahnhof aus noch weitere Strecken fahren müssen und sich die Kosten für ein Taxi sparen wollen

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2 comments

  1. Anonymous

    super-Beitrag! danke

  2. Anonymous

    Zwei Anmerkungen zu Flinkster (ex DB-Carsharing), dass ich seit der Gründung nutze:

    1. Bei Flinkster gibt es ein Sicherheitspaket: Für 90,00 € im Jahr reduziert sich die Selbstbeteiligung auf 300,00 €

    2. Ja, ein VW Polo kostet 50,00 € Tagespauschale, allerdings kostet der zweite Tag nur noch 39,00€

    Vor jeder Buchung vergeliche ich mit Mietwagenangeboten und wenn man einen Mietwagen nimmt und die Selbstbeteiligung auf 300,00 € reduzieren will, dann ist bei einer z.B. 4 – tägigen Anmietung in DE kaum ein Preis vergelichbarer Preis zu erzielen.

    Eine Altrnative für längere Bucuhngen ist auch Avis Club, mit einer Wochenpauschale von 195,00 € für einen Polo (SB 500,00 €).

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