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Bosch-Initiative: LKWs sicher parken

13. Oktober 2016 von Andreas Schmitz 9

Ein Marktplatz für LKW-Parkplätze soll LKW-Fahrern künftig das Parken erleichtern und die Fracht sicherer machen. Bosch Service Solutions und SAP planen dessen Start Anfang 2017.

Mit dem LKW auf Deutschlands und Europas Transitrouten unterwegs zu sein, ist riskant – und das nicht erst seit heute. Nach einer 2007 vom Verkehrsausschuss des Europaparlaments in Auftrag gegebenen Studie gehen Produzenten und Spediteuren demnach europaweit 8,5 Milliarden Euro durch „Planen- und Parkplatzschlitzer“ verloren, die LKW-Fahrer überfallen, ihnen Bargeld abnehmen und die Ladung rauben. Nach aktuellen Schätzungen der Industrievereinigung Transport Asset Protection Association (TAPA) liegt der volkswirtschaftliche Gesamtschaden doppelt so hoch – bei etwa 16 Milliarden Euro jährlich. Was tun?

LKW-Fahrer: Ende des Glücksspiels, einen Parkplatz zu finden

„Wenn etwas passiert, dann auf den Parkplätzen“, weiß Jan-Philipp Weers, Mitinitiator und Leiter des Projekts Bosch Secure Truck Parking von Bosch Service Solutions. Das Problem: Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung fehlten 2015 etwa 14.000 LKW-Stellplätze. „Die Fahrer sind gezwungen ihren Lkw verkehrsgefährdend auf Parkplatzzubringerspuren oder unsicher in dunklen Gewerbegebieten abzustellen“, erläutert Weers.

Derzeit gibt es keine Transparenz über die Parkplatzsituation und es ist für den LKW-Fahrer ein Glücksspiel, ob er rechtzeitig einen Parkplatz findet. „Nicht selten muss ein Fahrer vier bis sechs Parkplätze anfahren, bevor er einen Stellplatz findet“, weiß Weers, „die Suche nach einem Parkplatz bedeutet für den Fahrer Stress.“

2 Gründe sprechen für eine Buchungsplattform

Eine Buchungsplattform könnte das Dilemma bald beheben, aus zwei Gründen:

  • Planungssicherheit für Speditionen und Fahrer: Wenn der Disponent die Route für seine Flotte plant, kann er zukünftig über ein Webportal auch gleich Parkplätze reservieren. Auch der Fahrer kann sich mittels App über freie Stellplätze informieren und bei Bedarf selbst Stellplätze buchen. „Damit entfällt die nervenaufreibende Parkplatzsuche für den Fahrer“, stellt Weers fest, „dies steigert auch die Verkehrssicherheit auf den deutschen Autobahnen.“
  • Frachtsicherheit für Auftraggeber: Die Auftraggeber wie Spediteure bekommen die Sicherheit, dass ihre Fracht unbeschadet und rechtzeitig ihr Ziel erreicht. „Unsere Parkareale werden mit Sicherheitstechnik ausgestattet sein, u.a. mit Videokameras, die mit unserem Monitoring Center verbunden sind“, sagt Weers, „selbst wenn „nur“ eine Plane aufgeschlitzt wird ohne das Fracht entwendet wurde, kann der Lkw in der Regel nicht mehr rechtzeitig das Parkareal verlassen und in diesen Zeiten, in denen alles „just in time“ erledigt werden muss, entstehen den Versendern auch in diesem Fall hohe Schäden“.

Autohöfe: Parkplätze per Video überwacht und reservierbar

Während öffentliche Rastplätze aufgrund der aktuellen Gesetzgebung nicht reservierbar sind und auch keine Videoüberwachung zulassen, konzentriert sich Weers auf private Autohöfe. Denn hier können sie sich von öffentlichen Rastplätzen abheben, „klarer positionieren“, wie Weers sagt. Denn nun werden die Verfügbarkeit der Parkplätze transparent und Stellplätze reservierbar.

Wir sorgen dafür, dass die LKWs rechtzeitig einen Parkplatz finden und Fahrer und Ladung sicher sind. (Jan-Philipp Weers, Mitinitiator und Leiter des Projektes Bosch Secure Truck Parking von Bosch Service Solutions)

Ganz nebenbei treiben sie die digitale Transformation voran, was etwa dazu führt, dass personalisierte Gutscheine für das Restaurant an die Fahrer versendet werden können. „Damit haben die Autohöfe einen klaren und nicht imitierbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den öffentlichen Rasthöfen“, ist Weers überzeugt.

Cloud-basierter Mobilitätsdatenmarkt liefert Infos über öffentliche Parkplätze

Gleichzeitig investiert der Staat im Rahmen der europaweiten ITS-Direktive (Intelligent Transportation System) auch in Technik für die Erfassung der Belegungssituation an den öffentlichen Rasthöfen. Die Real-Time-Informationen zur Parkplatzverfügbarkeit stellt das Verkehrsministerium kostenfrei in einem Cloud-basierten Mobilitätsdatenmarkt (MDM) zur Verfügung. „Für uns ist diese Entwicklung ein Glücksfall“ sagt Weers, der diese Informationen an Disponenten und Fahrer weiterleiten will. Die Nutzer der neuen Buchungsplattform haben dann einerseits Transparenz über Kapazitäten auf öffentlichen Parkplätzen und können im Fall der Fälle darüber hinaus auch einen Platz auf einem Autohof reservieren. „Das staatliche ITS-Programm und Bosch Secure Truck Parking sind damit sich ergänzende Initiativen“, so Weers.

Technik: SAP HANA Cloud Platform als Drehscheibe

Technisch basiert die Lösung auf dem SAP Vehicles Network, einem Marktplatz, der auf Basis der SAP HANA Cloud Platform entwickelt wurde. Schon 2014 testete SAP mit Volkswagen, Toyota und BMW in Connected-Car-Pilotprojekten den Marktplatz und entwickelte Proof of Concepts, um einmal „fahrzeugnahe Dienstleistungen“ anbieten zu können, wie Heino Kantimm erläutert, Chief Expert Connected Vehicles bei SAP. Parkplätze reservieren und über ein virtuelles Ticket nutzen, tanken und bargeldlos elektronisch aus dem Fahrzeug heraus zahlen, auf die Fahrer zugeschnittene Angebote ins Auto bringen: Das sind nur drei der Services, die in den Testszenarien konzeptioniert wurden.

IOT: Wie SAP den Zugang zu Parkplätzen automatisiert

Der LKW-Park-Marktplatz funktioniert genauso. Der Parkplatz ist bereits über das Reservierungssystem von Bosch – das Frontend des SAP-Marktplatzes – gebucht, bevor der LKW an der Schranke vorfährt. Eine Videokamera erkennt das Autokennzeichen und öffnet, ohne dass der LKW-Fahrer ein Ticket ziehen muss und mit der Bezahlung etwas zu tun hätte. „Eine Spedition bekommt gebündelt für die gesamte Flotte eine Monatsrechnung“, erläutert Kantimm einen prozesserleichternden Vorteil.

Doch macht er den wahren USP der SAP-Lösung woanders aus: in die Anbindung heterogener Systeme. „Es gibt diverse Hersteller von Schrankensystemen, die wir mit Hilfe unserer Technologie über eine Schnittstelle anbinden können“, erläutert Kantimm die IoT-Funktionalität, die beispielsweise auch die Videoerkennung bei Einfahrt und Ausfahrt möglich macht. Voraussetzung: Die Parkschranken sind einigermaßen modern. „Ich habe schon Parkraummanagementsysteme gesehen, die noch mit einem Windows 95-Rechner betrieben wurden und über 15 Jahre alt waren“, so Kantimm, „nur bei derart veralteter Technologie wird eine Anbindung schwierig.“ Deshalb bemüht er sich in einer weiteren Initiative der SAP bereits darum, die Zugangssysteme moderner und günstiger zu machen.

Mit dem Startschuss des Einsatzes der Buchungsplattform 2017, so viel ist klar, können Speditionen und Autohöfe entlang der Transitrouten das neue Angebot nutzen. Je feinmaschiger es wird, umso besser wird sich das Ziel erreichen lassen, den aktuellen Trend zu stoppen und das Parken von LKWs planbarer und sicherer zu machen.

Weitere Informationen

www.bosch-secure-truck-parking.com

Pressemitteilung von Bosch: Erholsamer Schlaf im Lkw: Bosch Secure Truck Parking erhöht die Sicherheit

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