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Brüder-GmbH testet In-Memory-Plattform

29. April 2015 von Andreas Schmitz 0

Zehn Jahre nachdem der Berliner Großhändler Nostalgic-Art erstmals auf SAP umsattelte, steht nun der Einsatz der In-Memory-Technologie an.

Als Teja Engel vor zwanzig Jahren in Berlin das Ladengeschäft Nostalgic-Art gründete, war das ein Experiment. Würde es möglich sein, mit auf alt gemachten Schildern und Dosen ein Geschäft aufzuziehen? Das Logo von Coca-Cola, Harley-Davidson, Kellogg’s oder Volkswagen prangt auf einem Blechschild oder einer Vorratsdose, „Open“ und „Closed“ in alten Lettern auf einem beidseitig bedruckten Blech, eine kleine Pillendose ziert das Konterfei einer Dame aus der Nachkriegszeit. Nostalgic-Art, so viel ist heute klar, hat Erfolg. Mit 35 Mitarbeitern schreibt die GmbH einen Umsatz von mehreren Millionen Euro, rund zehnmal so viel wie noch vor zehn Jahren. Mehr als tausend Bestellungen von Abnehmern wie Baumarkt Hornbach, Buchhändler Thalia, Strauss Innovationen oder Geschenk-Spezialist Nanu-Nana gehen Monat für Monat bei Nostalgic-Art ein.

Nostalgic-Art: Vom Ladengeschäft zum internationalen Markenhersteller

Zwischendurch hat sich allerdings einiges geändert. Den Laden hat Geschäftsführer Engel schon vor 15 Jahren geschlossen und einen Großhandel daraus gemacht. Herstellung und Produktion liegen inzwischen in der Hand von Nostalgic-Art, der Vertrieb in Deutschland erfolgt eigenständig und der ins Ausland über Distributoren. 1998 kam das Geschäft mit dem Internet auf. „Die Bestellungen konnten über ein Formular eingegeben werden und wurden einzeln von uns bearbeitet“, erinnert sich Achim Rothe, der damals noch studierte. Während Teja Engel der Vertriebsspezialist ist, sorgt sein Bruder Achim für die Produkte, die IT und Organisation und Marcus Rothe macht die Brüder-GmbH komplett. Er ist der Mann, der anpackt, das Lager organisiert, den Fuhrpark steuert, derjenige, der die Ärmel hochkrempelt. Wenn die Designer von Nostalgic-Art ein neues Produkt entwickeln, ist Teja Engel derjenige, der die Produkte schnell auf dem Markt haben will, während Achim die Details sieht und die Designer gerne noch mal eine Runde drehen lässt, damit auch wirklich alles perfekt ist.

Vor zehn Jahren SAP als führendes System gewählt

Vor zehn Jahren dann war klar: Mit so einer rudimentären Warenwirtschaft konnte es nicht weitergehen. Auch musste ein professioneller Webshop angebunden werden. Also schauten sich die Brüder Lösungen von Mittelstandsspezialisten wie Navision und Sage an, aber auch Business One von SAP. Dass es damals SAP wurde, ist ein Stück weit der SAP Kenntnis von Achim Rothe zuzuschreiben, der in Fred Grüneberg und seinem Team der CIB-Computer den passenden Partner für das Projekt fand. Mehr Flexibilität, die Möglichkeit, die Datenbank zu integrieren und Auswertungen zu machen, die Nutzung von benutzerdefinierten Feldern: Das waren wichtige Kriterien für die erfolgreiche Einführung der Lösung. „Zudem wurde uns klar, dass sich das Geschäft auch immer mehr international entwickeln wird“, sagt Achim Rothe. Auch die Mehrsprachigkeit von SAP Business One überzeugte. „SAP wurde zu unserem führenden System, an das wir das Shopsystem von Shopware angeschlossen haben“, erläutert Achim Rothe.

Heute sind über 2.000 Produkte im System zu finden und über tausend aktive Kunden verkaufen sie vor Ort. „Wir machen zwei Drittel des Geschäfts in Deutschland, aber auch schon ein Drittel im Ausland, in Europa aber auch in Japan, Australien und Mexiko“, sagt Rothe. Eine Vielzahl Distributoren sind insgesamt für Nostalgic-Art unterwegs, um die Produkte an den Mann zu bekommen. Das Geschäft wurde immer komplexer. „Die Datenbank ist inzwischen 36 Gigabyte groß“, erläutert Fred Grüneberg, „die Analyse im bestehenden System ist nicht mehr im Handumdrehen zu machen.“

Zudem sind die logistischen Prozesse komplex. „Wir produzieren so viel wie möglich in Deutschland aber auch manches in Fernost. Produkte aus Asien haben teilweise eine Lieferzeit von mehreren Monaten“, erläutert Rothe, „wir benötigen eine genaue Prognose, um rechtzeitig zu produzieren und unseren Kunden sagen zu können, wann sie mit der Lieferung rechnen können.“ Zudem will Rothe mit einer komplexen Abfragelogik genau wissen, welche Produkte und welche Motive gut laufen. Eine solche Differenzierung lässt der aktuelle „Abfragegenerator“ nur mit einigem zeitlichen Aufwand zu.

In einem Proof of Concept (POC) geht es CIB-Chef Grüneberg nun darum, herauszufinden, welche Vorteile sich für Nostalgic-Art durch den Einsatz der In-Memory-Plattform von SAP, SAP HANA, in Verbindung mit der Visualisierungssoftware SAP Lumira ergeben. Was bedeutet eine höhere Geschwindigkeit in der Verarbeitung der Daten und eine höhere Flexibilität wirklich? Es gibt Großkunden, die Verkäufe von mehreren hundert Filialen sammeln und wöchentlich an Nostalgic-Art melden. Eine große Anzahl von Belegen wird dann gleichzeitig verarbeitet und für die Abrechnung und die Nachbestückung herangezogen. „Mit SAP HANA ist es über den Service Layer möglich, große Datenmengen schneller als bisher in SAP Business One zu importieren und zu verarbeiten“, betont Grüneberg.

Implementierung von SAP HANA bis Ende des Jahres geplant

Die Geschäftsführung von Nostalgic-Art ist besonders auf das Dashboard gespannt, dass er sich pro Kunde anschauen und die Abverkäufe vor allem sofort zusammen mit allen historischen Daten analysieren kann – ohne besondere Wartezeiten. Derzeit testet das Team der CIB-Computer das System von Nostalgic-Art unter SAP HANA auf seinen Servern. Bis zum Sommer soll der POC gemacht sein. Ist der erfolgreich, geht die eigentliche Arbeit los: „Wir werden die Geschäftsprozesse etwas aufräumen müssen, einiges programmiertechnisch optimieren und die Datenbank redesignen“, sagt Grüneberg von der CIB-Computer Dr. Grüneberg GmbH. Bis zum Ende des Jahres wäre das neue System dann online – mitsamt der Buchhaltung.

Für die Designer in der Kanonenhalle – dem unter Denkmalschutz stehenden Firmensitz von Nostalgic-Art in Berlin – wird sich merklich nicht viel ändern. Sie werden weiter Motive finden und Schilder und Dosen damit verschönern. Allerdings werden diese künftig voraussichtlich zielgenauer zu den Märkten geliefert werden können, in denen sie besonders gut laufen. Produkte mit besonders beliebten Motiven lassen sich schneller nachproduzieren und Produkte, die nicht „gehen“, schneller wieder aus dem Portfolio heraus nehmen. Für die künftige Entwicklung des Geschäftes will Nostalgic-Art die technologische Basis für Innovationen schaffen.

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