„Makers” von Chris Anderson: Die industrielle Revolution im Web

19. März 2013 von Linda Maier 0

Foto: Screenshot

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Seine Geschichte beginnt sehr persönlich. Und wie alle Erfolgsstories aus Kalifornien natürlich in einer Garage. In diesem Fall, der seines Großvaters. Mit einer Timer-Funktion für Sprinkleranlagen gelang diesem einst der Durchbruch. Sein Enkel erbte den Pionier-Geist, doch erst das Internet brachte ihn und seine eigenen Projekte auf Erfolgskurs.

Chris Anderson, langjähriger Chefredakteur des Technologiemagazins Wired und Autor des erstmals in deutscher Sprache erschienenen Buches Makers, gründete seine erste Firma am heimischen Esstisch vor dem Laptop – auf Basis von Plänen für einen Flugroboter, die er über eine Community zusammengetragenen und selbst verfeinert hatte. Was darauf folgt sind die Anfänge einer klassischen Manufaktur. Er bestellte Einzelteile aus der ganzen Welt, verhalf dem Bausatz zu Serienreife und fand zeitgleich im Web die Kunden für sein Produkt.

Erfolg per “Open Source”

Der Erfolg kam, der Umsatz stimmte. Und das alles dank gelungener Organisation über das Internet. „Open Source“ war hier das Zauberwort und könnte es in Zukunft immer öfter sein. Denn wofür sein Großvater allein Jahrzehnte brauchte, stehen Bastlern heute rund um den Globus Gleichgesinnte zum gegenseitigen Austausch zur Seite – nur wenige Klicks entfernt. Im Fall des studierten Physikers Anderson (52) scheint alles wie am Schnürchen zu funktionieren – ob als Journalist für The Economist, Nature oder Science, CEO von 3DRobotics, Gründer von DIY Drones oder Buchautor.

So “geht” Erfolg:

1. Die besten Leute für den Job versammeln, nicht jene aus der eigenen Stadt.

2. Per Crowdfunding an das nötige Kapital kommen.

3. Immer steht am Anfang ein Mensch, der eine Idee hat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Firmen aus dem “Real Life” sind im Nachteil.

Selbst die Produkt-Piraterie scheint ihn auf seinem Siegeszug zu unterstützen. Zugegeben: Erlaubtes Kopieren und Verbessern von Open Source öffnet einem Projekt manchmal rund um die Welt wichtige Türen. Die Gemeinschaft wächst, das Marketing profitiert und das Produkt wird laufend verbessert. Gewinn machen kann damit jeder, der dem großen Ganzen zum nächsten Schritt verhilft.

Im Gegensatz zu Online arbeiten in regulären Unternehmen ausschließlich Leute an einem Projekt, die nach bestimmten Kriterien angestellt wurden – und sich bereit erklärt haben, vor Ort zu leben. Was ist jedoch mit Fachkräften, die weit weg wohnen oder schlicht nicht den erforderlichen Abschluss haben? Diese verkannten Genies werden den Firmen weiterhin fehlen. Zukunftsweisend wäre es also eher, online stets die besten Leute für einen Job zu versammeln und dabei laufend aktuell zu bleiben. Die Produktion verlangt ebenfalls maximale Flexibilität. Einzelne Aufgaben werden im Idealfall abgegeben, um die Kosten für eigene Werksstätten zu minimieren. Dieser Plan geht für den Autor erneut auf. Auch wenn es oftmals nicht einfach sein dürfte, den Überblick über sämtliche Projekte zu behalten.

Sind Arbeitsplätze bedroht?

Zweifelsohne orientiert sich die klassische Arbeitnehmerstruktur mehr und mehr online. Doch das hat auch positive Effekte. Für ein Start-Up, wie es z.B. auch Facebook einmal war, ist es heute noch möglich mit nur 2500 Mitarbeitern auszukommen. Allerdings dürfte man hier wohl den Multiplikationsfaktor 10 ansetzen, wenn man bedenkt, dass jeder Farmville-Entwickler oder Social-Media Experte ja ebenfalls mit Facebook Geld verdient.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Von der Sucht, Ideen zu entwickeln

Auch auf die Frage, wie man zum eigenen Start-Up kommt und einer Idee selbst ohne Startkapital Form verleihen kann, gibt das Buch eine Antwort: Crowd Funding. Auf Plattformen wie Kickstarter werden Ideen vorgestellt und Interessenten am fertigen Produkt können Geld beisteuern. Nicht nur, dass so das Kapital vor Produktion zum Entwickler gelangt, die Tatsache, dass dieses Konzept handfeste Marktforschung bietet ist von noch größerer Bedeutung. Denn ob die Arbeit Erfolg hat, wird hier bereits bemerkbar bevor man sich in Kredite für die Herstellung stürzt.

Andere Plattformen wie Quirky übernehmen sogar die Organisation der Produktion und Teilen Geld und Ruhm mit der Community, die daran arbeitete. Was als Hobby beginnt, kann also schnell von ein paar Klicks zu einem Imperium wachsen. Auch ohne, dass man sein Leben ab diesem Zeitpunkt mit der Planung von Liefer- und Produktionsabschnitten verbringt.

Ideen zu entwickeln kann fast zu einer Sucht werden – ähnlich wie Glücksspiel.

Welchen Weg man aber auch immer wählt, alle haben denselben Ursprung: Erfindergeist und Fleiß. Eigenschaften, die auch die findigste Internet-Innovation nicht ersetzen, eine Community nicht leisten und eine Maschine nicht herstellen kann. Die Erfolgsgeschichten zahlloser Unternehmer, wie auch die von Chris Anderson, belegen dies in annähernd unendlicher Vielfalt. Immer steht am Anfang ein Mensch, der eine Idee hat. Alles andere kommt danach. Wer sich selbst von der Motivationskraft des Buches überzeugen möchte, dem sei „Makers“ von Chris Anderson wärmstens empfohlen.

Diskussion über das “Internet der Dinge” im SAP Communication Network.

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