Hinter den Kulissen: ERP 6.0 bei Waterworks

Feature | 14. Juni 2010 von Frank Völkel 0

Robert Fritsch, der IT-Chef von Budapest Waterworks im Gespräch mit SAP.info (Foto: Mark Arato)

Robert Fritsch, der IT-Chef von Budapest Waterworks, im Gespräch mit SAP.info (Foto: Mark Arato)

Wir befinden uns im 10. Stock des kantigen Firmengebäudes im Budapester Stadtteil Neu-Leopoldstadt (Újlipótváros). Robert Fritsch bietet Wasser mit Zitrone an und wir nehmen an einem kleinen Tisch platz. Unser Gastgeber und Interview-Partner ist der IT-Chef des Unternehmens Fővárosi Vízművek. Das nicht zu große Zimmer ist schlicht und zurückhaltend ausgestattet. Ganz in der Nähe liegt die Margaretheninsel – mitten in der Donau. Es geht um Wasser, ziemlich viel Wasser. Denn Budapest Waterworks versorgt rund 2 Millionen Menschen mit Trinkwasser – mehr als die ungarische Hauptstadt mit 1,7 Millionen Einwohnern hat. Somit ist jeder fünfte Ungar praktisch Kunde des Unternehmens.

In unserem Gespräch geht es um Unternehmenssoftware, genauer gesagt um ERP-Software, die die Wasserwirtschaft seit 1998 einsetzt. Vor 12 Jahren wurde SAP R/3 eingeführt und damit zählt Waterworks mit zu den ersten Kunden in Ungarn. Seit Mitte 2008 arbeitet die Software-Version von SAP ERP mit ECC 6.0 auf den Servern – siehe auch Artikel Umstieg SAP R/3 auf ERP 6.0. Doch alles der Reihe nach. Spätestens beim Besuch in der Kantine wird klar, dass es sich um ein Unternehmen mit Tradition handelt: Für die knapp 1.200 Mitarbeiter gab es heute übrigens die bekannte ungarische Gulaschsuppe.

Infolge des rasanten Wachstums der Metropole ist die Wasserwirtschaft in den vergangenen 132 Jahren ständig ausgebaut worden, so dass heute 7 Städte und 16 Dörfer zusätzlich mit Wasser versorgt werden. Im Durchschnitt laufen täglich 502.393 m3 an Trinkwasser zu den Haushalten und weitere 9.104 m3 bezieht die Industrie – letztere erst seit dem Jahre 2004. Im Jahre 1997 ging die Wasserwirtschaft in einer Limited-Gesellschaft auf, wobei sich die Firmenanteile auf verschiedene Eigentümer verteilen.

Budapest Waterworks fungiert gleichzeitig als Hersteller und Aufbereiter des Wassers und ist für den Transport über die 5.100 Kilometer langen Rohrleitungssysteme der Stadt verantwortlich. Technisch gesehen funktioniert alles automatisch: Reservoirs, Brunnen, Pumphäuser und Wassertürme sind über Rohrleitungen miteinander verbunden. Jedes Jahr werden rund 21,7 Kilometer an Leitung repariert.

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Haupteingang der Budapester Wasserwerke (Foto: Frank Völkel)

Haupteingang der Budapester Wasserwerke in Neu-Leopoldstadt - Újlipótváros (Foto: Frank Völkel)

Ausstattung Informationstechnik

Robert Fritsch spricht über sein ERP-System (Foto: Mark Arato)

Robert Fritsch spricht über die IT-Ausstattung und sein ERP-System (Foto: Mark Arato)

Robert Fritsch ist ein Freund moderner IT-Ausstattung und hat die Technik seines Unternehmens laut eigenen Angaben fest im Griff. Von den 1.200 Mitarbeitern arbeiten rund 600 täglich mit SAP-Software. Sämtliche PC-Systeme und Notebooks kommen von Hewlett-Packard, sind maximal drei Jahre alt und mit Windows XP ausgestattet. Seit Anfang des Jahres steht der Umstieg auf Windows 7 an – siehe Artikel Windows 7: Citrix ja – SAP prüft. Der Einsatz von HP-Hardware ist nur eine logische Konsequenz: Ursprünglich kaufte das Unternehmen Rechner von Digital und stieg dann später auf Compaq um.

Nachdem HP die Firma Compaq übernommen hatte, ist Budapest Waterworks bei seinem alten Lieferanten geblieben. Von den 1.000 PCs und Notebooks werden pro Jahr zirka 200 Geräte ersetzt. Bei sämtlichen Veränderungen in der IT-Infrastruktur sieht Fritsch in den internen Schulungen die größte Herausforderung. Dafür gibt es einen separaten Trainingsbereich für die Mitarbeiter, die nur mit den notwendigen Veränderungen konfrontiert werden. Seine IT-Abteilung hat Fritsch auf Effizienz getrimmt: Von den ursprünglich 40 Mitarbeitern, die bis vor etwa 2 Jahren beschäftigt waren, erledigen heute das gleiche Pensum 30 Mitarbeiter.

Hardware, Software: HP-Server und Oracle Datenbank

Wie viele andere Unternehmen dieser Größe setzt Waterworks auf Unix als Betriebssystem bei sämtlichen Servern. Im konkreten Fall handelt es sich um HP-Unix, auf dem das SAP-System läuft. Letzteres speichert Daten in eine Oracle-Datenbank. An dieser Stelle bemerkt Robert Fritsch, dass eine Microsoft-SQL-Datenbank in der vorherrschenden Software-Umgebung Probleme machen würde und somit die bestehende Lösung optimal sei.

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Budapest Waterworks versorgt 2 Millionen Ungarn mit Trinkwasser (Foto: Frank Völkel)

Eins nach dem anderen: ERP und Module

Vor knapp 12 Jahren hat Waterworks erstmals ERP-Software mit den Kernmodulen FI (Finanzen) und CO (Controlling) implementiert. Darauf folgte 2001 die Erweiterung mit CRM (Software für Kundenbeziehungsmanagement). Den Schritt umreißt Robert Fritsch mit der Einführung des ersten Business Warehouse im Jahre 2003 – bis zu diesem Zeitpunkt übernahm ein eigenes System eines kleinen ungarischen Softwareanbieters diese Funktion. Im vergangenen Jahr (2009) wurde das System auf Business Warehouse 7.0 erneuert, da mittlerweile große Datenvolumina verwaltet werden müssen. Neben den ERP-Funktionen wie Rechnungswesen, Logistik und Personalwirtschaft sorgen die integrierten Module wie Lieferantenmanagement (SRM), Finanzen (FI), Controlling (CO) und das elektronische Reporting für ein gestiegenes Datenaufkommen. Komfortabel: Zur Darstellung sämtlicher SRM-Funktionen gibt es auch ein Intranet-Portal.

BMC-Zertifizierung des Északdunántúli Vízmű

Unter den osteuropäischen Staaten gehört Ungarn eindeutig zu den fortschrittlichsten Ländern, wobei sich viele Aktivitäten der Firmen in und um die Hauptstadt Budapest abspielen. So gibt es beispielsweise auch die erste BMC-zertifizierte Lösung in der Region Mittel- und Osteuropa: Das Wasserwerk “Északdunántúli Vízmű” verfügt seit Februar 2010 über ein System zur Erweiterung des Kundenservice. Mit dieser Lösung können die Kunden jetzt ihre Wasserverbrauchsdaten über das Telefon ohne menschliche Hilfe eingeben. Dazu nutzen sie das SAP CRM CIC (Customer Interaction Center) – siehe Artikel Kunde aus Glas – SAP CRM 7.0. Und es geht noch weiter: Für die Produktnachfolge bereitet SAP derzeit eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für das Business Communication Management 6.0 vor.

Wasserverbrauch ermitteln: Smart Metering?

Den Gedanken an eine Art “Smart Metering” in der Wasserwirtschaft, wo die Verfügbarkeit sämtlicher Wassermengen elektronisch erfasst werden könnte, findet Robert Fritsch interessant. Er gibt jedoch zu bedenken, dass bei der Wasserversorgung deutlich komplexere Strukturen vorherrschen als beispielsweise bei einem Energieversorger. Einen Ausblick in die nahe Zukunft gibt Fritsch, indem er sich mit SAP AMI – siehe Artikel SAP UC 2009: Stromzähler 2.0 – auseinander setzen und eventuell ein Modul implementieren will.

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Das Paris des Ostens - Blick von der Zitadelle auf dem Gellértberg (Foto: Frank Völkel)

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