DLD: Experten diskutieren Big Data

31. Januar 2012 von Heather McIlvaine 0

Seit 2005 bringt die Münchener DLD-Konferenz Führungskräfte und kreative Denker aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammen. Während bei den meisten Konferenzen Menschen derselben Sparte über einen recht eingeschränkten Themenbereich diskutieren, zieht die DLD-Konferenz aus dem vielseitigen Mix von Sprechern und Teilnehmern einen großen Gewinn. Sie ist ein Ort, an dem Ideen ausgetauscht, Innovationen vorgestellt und Partnerschaften eingegangen werden.

Dieses Jahr fand die Konferenz vom 22. bis 24. Januar statt. Zu den Sprechern gehörten herausragende Persönlichkeiten diverser Branchen wie Sheryl Sandberg, COO von Facebook, Jack Dorsey, Mitbegründer von Twitter, Arianna Huffington, President und Chefredakteurin der The Huffington Post Media Group, sowie die Multimediakünstlerin Yoko Ono.

Am Dienstagnachmittag endete die DLD-Konferenz mit einem speziellen Technologieforum, bekannt unter dem Namen Technology Enabled Success (TES). Bei den letzten TES-Veranstaltungen wurden Themen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Wirtschaft diskutiert, zum Beispiel E-Commerce. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf mobilem Handel (M-Commerce), Big Data und Analysen. Trends wie M-Commerce, erzeugen riesige Datenmengen, die von Unternehmen gesammelt und gespeichert werden müssen. Beleuchtet wurde auch, wie die Analyse dieser Daten die Wirtschaft voranbringen kann.

Mobile Einstellung

Das TES-Forum begann mit einem Gespräch über die zunehmende Akzeptanz und wachsende Bedeutung von M-Commerce für den Einzelhandel Dr. Klaus Driever, Geschäftsführer von Weltbild, dem größten Handelsunternehmen für Bücher und Medien in den deutschsprachigen Ländern ist für M-Commerce und E-Commerce verantwortlich. Für Driever ist Mobilität nicht notwendigerweise eine Frage von Geräten und Technologie, sondern vielmehr eine Frage der Einstellung. Sollte eine gerätespezifische App oder eine mobile Website entwickelt werden, auf die alle Geräte zugreifen können?  Und wie sollten Informationen strukturiert sein, damit die Navigation mit dem Finger statt mit der Maus erfolgen kann?

Das sind wichtige Fragestellungen für den Einzelhandel, insbesondere zu einer Zeit, in der M-Commerce schnell große Akzeptanz erfährt. Laut einem Bericht des Marktforschungsunternehmens comScore ist die Anzahl der deutschen Smartphone-Nutzer, die mit ihrem Smartphone auf Internetseiten von mobilen Einzelhandelsunternehmen zugreifen in der Zeit von 2010 bis 2011 um 112 % gestiegen. Und ein früherer Bericht verwies beim mobilen Zugriff auf Einzelhandelsunternehmen über Smartphones in Großbritannien einen Anstieg von 163 %.

Diese rasante Akzeptanz im Bereich des M-Commerce stellt für die Händler sowohl neue Chancen als auch Herausforderungen dar. Zum einen möchte Driever eine nahtlose Integration der physischen und virtuellen Welt erleben – zum Beispiel eine technische Lösung, die eine Person in einem herkömmlichen Geschäft identifiziert und mit ihrem digitalen Profil der Online-Käufe verbindet. Hier kommen die Big Data ins Spiel.

Nutzung von Big Data

Neuerdings scheint jeder über Big Data zu sprechen. Vielleicht liegt das daran, dass diese enormen Datenmengen so unfassbar sind: jährlich werden 2,5 Quintillionen Bytes erzeugt.  Da draußen gibt es einen unermesslichen Informationsreichtum und die Unternehmen versuchen herauszufinden, wie sie diesen Reichtum für sich arbeiten lassen können. Bei der TES-Veranstaltung wurde Dr. Werner Vogels, Vice President und CTO von Amazon.com, gebeten, über Big Data im Unternehmen zu sprechen.

Dieses Thema ist für Vogels keineswegs neu. Schließlich hat das Empfehlungssystem von Amazon seine Genauigkeit diesen großen Datenmengen zu verdanken. Heutzutage beschäftigen sich die meisten Unternehmen, egal wie klein sie sein mögen, in irgendeiner Form mit Datenverfolgung und -analyse. Für viele dieser Unternehmen liegt der Fokus jedoch zu stark auf der Analyse der Datenmengen, so Vogels.

Die Nutzung der enormen Datenmengen im Unternehmen unterliegt fünf Schritten: Sammeln, Speichern, Strukturieren, Analysieren und Verteilen. Je mehr Informationen Sie sammeln, desto präziser und feiner sind Ihre Ergebnisse. Doch das Speichern dieser Datenmengen ist unzumutbar. Die logische Alternative: Cloud Computing.

Die Kombination aus riesigen Datenmengen und Cloud Computing schließt die Lücke zwischen Großunternehmen, die auch früher schon über enorme Datenmengen und Ressourcen zur Datenanalyse verfügten, und kleinen Unternehmen, die für gewöhnlich schneller auf neue Trends und Informationen reagieren können. Heutzutage unterscheiden sich Unternehmen darin, wie sie die Informationen für Geschäftsentscheidungen nutzen. In diesem Fall sind Big Data nur ein Mittel zum Zweck.

Datengesteuerter Handel

Heidi Messer, Mitgründerin und Vorsitzende der Business-Intelligence-Plattform Collective[i], und Robert Stephens, CTO von Best Buy, erläuterten, wie Big Data zur Lösung von Geschäftsproblemen genutzt werden können.

Der Online-Einzelhandel könnte die riesigen Datenmengen zum Beispiel leicht nutzen, um Preisgestaltungsmodelle zu entwickeln, die denen der Fluggesellschaften ähneln. Durch Analyse von Kundenverhalten und Kaufmuster ließe sich der vorteilhafteste Zeitpunkt für Angebote und Aktionen ermitteln.

Zudem können Unternehmen die gesammelten Informationen zur Personalisierung der Kundenbeziehungen einsetzen. Eine Fluggesellschaft könnte die Datenmengen nutzen, um sich Ihre Vorliebe für einen Gangplatz zu merken. Ein Online-Einzelhandelsunternehmen wiederum könnte Ihnen automatisch neue Artikel vorschlagen, die Ihnen gefallen könnten. Zwischen der Nutzung von Daten zur Individualisierung eines Kauferlebnisses und der Missachtung der Privatsphäre verläuft ein schmaler Grat.

Stephens glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die gesellschaftliche Akzeptanz die Technologie eingeholt hat. In zehn Jahren, so meint er, wird niemand mehr über Big Data sprechen. Sie werden einfach Teil der Geschäftswelt sein.

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