Business as usual – auch beim Upgrade

Feature | 20. Februar 2006 von admin 0

Software-Upgrades oder Migrationen haben in der Regel einen negativen Nebeneffekt: Während der Umstellung stehen die Anwendungen und damit auch die Geschäftsprozesse für einen gewissen Zeitraum, die Downtime, für den laufenden Betrieb nicht zur Verfügung. Das müssen IT-Verantwortliche berücksichtigen, wenn sie entsprechende Maßnahmen planen.
Wenn der Betrieb am Wochenende ruht und keine kritischen Prozesse aufrechterhalten werden müssen, können Upgrades und Migrationen in dieser Zeit durchgeführt werden. Im produzierenden Gewerbe allerdings, in der chemischen Industrie oder in Rohstoff fördernden Unternehmen, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird, sieht die Situation anders aus. Da die Unternehmensanwendung während der Downtime nicht genutzt werden kann, bleiben kritische Prozesse liegen. Aufträge etwa können nicht verbucht, Material nicht nachbestellt werden.
Im Fall von Just-in-time-Lieferungen, wie sie vor allem in der Automobilbranche üblich sind, kann ein solcher Systemausfall beim Zulieferer im schlimmsten Fall zum Produktionsstillstand im Werk des Herstellers führen – mit meist erheblichen finanziellen Verlusten, für die dann in der Regel der Zulieferer geradestehen muss. In der Mineralölindustrie wiederum lassen sich sprudelnde Erdölquellen eben nicht für einen bestimmten Zeitraum abschalten. Vor allem für diese Branchen wäre es also wünschenswert, Upgrades oder Migrationen im laufenden Betrieb vornehmen zu können.

Kritische Prozesse lahm gelegt

Doch bislang standen lediglich zwei Verfahren für Upgrades und Migrationen von SAP-R/3-Anwendungen zur Verfügung, bei denen die Geschäftsprozesse allerdings unterbrochen werden mussten: das SAP-Standard-Upgrade und ein zeitoptimiertes Verfahren der SAP.
Bei SAP-Standard-Upgrades betragen die Ausfallzeiten bis zu 24 Stunden – je nach Art der Anwendung und Größe der Datenbank. Aus diesem Grund bieten sich für eine Systemumstellung nur wenige Termine im Jahr sinnvoll an. Gleichzeitig besteht das Risiko einer verlängerten Downtime – etwa bei unplanmäßigem Verlauf des Upgrades oder bei einer unerwarteten Störung. Im schlimmsten Fall müsste ein Rollback vorgenommen, die Anwendung also in ihren ursprünglichen Zustand zurückgesetzt werden. Das käme einem Scheitern des gesamten Projekts gleich.
Um die Downtime zu verringern, hat SAP ein zeitoptimiertes Upgrade-Verfahren entwickelt, das “System Switch Upgrade”. Dabei erfolgen einige zeitaufwändige Upgrade-Schritte, wie die Import- oder die Data-Dictionary-(DDIC)- und Aktivierungsphasen einschließlich des Modifikationsabgleichs, bereits während des Produktivbetriebs, so dass sich die Ausfallzeit auf wenige Stunden reduziert. Allerdings erfordert dieses Verfahren zusätzliche Systemressourcen und kann daher bei vielen Projekten nicht angewendet werden.

Ausfallzeit gleich null

Als bisher einziges SAP-Beratungshaus bietet nun die REALTECH AG mit “Zero Downtime” ein Verfahren an, mit dem sich Upgrades und Migrationen durchführen lassen, ohne den Systembetrieb zu unterbrechen. Das ist möglich dank neuer Technologien wie der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI) oder dem Interface Manager der REALTECH AG.
Vor dem Upgrade wird eine Kopie der produktiven SAP-Lösung erstellt, auf der die Anwender während der Umstellung weiterarbeiten. Anschließend werden diese Daten in das neue System eingespielt und die Anwender wieder “zurückgeschaltet”. Das produktive System ist lediglich für zwei kurze Momente nicht verfügbar – wenn die Anwender auf die Kopie geleitet werden und wenn sie wieder “zurückkehren”. Sobald sie sich dann erneut angemeldet haben, können sie ihre Arbeit fortsetzen.

Upgrades ohne Einschränkungen

Das Zero-Downtime-Verfahren ist keine standardisierte Lösung, sondern wird als individuelles Projekt beim jeweiligen Unternehmen durchgeführt. Da der Produktivbetrieb weiterläuft, sind Zeitpunkt und Dauer des Upgrades beziehungsweise der Migration jedoch unwesentlich.
Im Vorfeld erfolgt ein so genannter “Value Scan”, der die Aufwendungen für das Zero-Downtime-Verfahren mit den Kosten vergleicht, die durch einen Ausfall der Produktivlandschaft entstehen würden. Dabei identifizieren die Berater gemeinsam mit dem Kunden die kritischen Geschäftsprozesse – das heißt diejenigen, die zu einem Produktionsstillstand führen könnten, beispielsweise im Supply Chain Management. Daraus lassen sich die SAP-Transaktionen ableiten, die während des Upgrades auf dem kopierten System verfügbar sein müssen. Hier gilt es, sorgfältig auszuwählen, da die Implementierung jeder einzelnen Transaktion einen hohen Entwicklungsaufwand erfordert.
Um ein reibungsloses Upgrade sicherzustellen, wird der komplette Ablauf des Verfahrens – vom Umschalten auf die Kopie über die Datenaufzeichnung bis hin zum Zurückschalten auf das Original –vorab getestet und die Konsistenz der Daten in beiden Systemen geprüft.
Die Kopie des Produktiv-Systems erfolgt durch Klonen der Datenbank mit Hilfe von Storage-Techniken. Sind diese Techniken nicht verfügbar, greift man auf Schattendatenbanken zurück. Während des Upgrades oder der Migration führen die Anwender alle wichtigen Transaktionen auf der Systemkopie aus, wobei sämtliche Transaktionsdaten aufgezeichnet werden. Die temporäre Zwischenspeicherung dieser Daten in der Datenbank (Persistierung) und die konforme Abbildung auf den neuen Datenstrukturen (Mapping) erfolgen entweder über SAP NetWeaver XI oder mit Hilfe der REALTECH-Software Interface Manager IM/3. Während für SAP NetWeaver XI eine eigene Infrastruktur notwendig ist, wird IM/3 als SAP-Add-on in die Anwendung installiert und nutzt die Ressourcen der bestehenden Infrastruktur.
Beim Zurückschalten des Netzwerks auf das Originalsystem werden die aufgezeichneten Daten eingespielt. Die korrekte Verbuchung lässt sich durch Scheduling und umfangreiche Monitoring-Funktionen gewährleisten. Bei SAP NetWeaver XI führt die Runtime Workbench, beziehungsweise das SAP Computing Center Management System (SAP CCMS) das Monitoring aus. Der REALTECH Interface Manager IM/3 dagegen nutzt dafür einen integrierten Monitor. Nach dem Einspielen lassen sich die aktuellen Daten sofort bearbeiten.
Nacharbeiten, zum Beispiel das Erstellen des Upgrade-Leitfadens, der Import von neuen Programmen und das Customizing, sind beim Zero-Downtime-Verfahren nach der Systemoptimierung jederzeit möglich, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Ausführliche qualitative Tests der neuen Anwendung lassen sich am besten durchführen, bevor die Anwender wieder zurückgeschaltet werden.

Zahlreiche Umstellungen stehen an

Aktuelle Studien von RAAD-Consult haben ergeben, dass knapp 70 Prozent der SAP-Kunden im Jahr 2006 beabsichtigen, ein Upgrade ihrer SAP-Anwendungen vorzunehmen. Dieser Entschluss fällt den Unternehmen umso leichter, wenn die kritischen Geschäftsprozesse auch während der Umstellung verfügbar sind. Davon profitieren vor allem Betriebe, die rund um die Uhr tätig sind und bei entsprechenden Projekten bislang stets finanzielle Auswirkungen befürchten mussten.

Dr. Harald Sussek

Dr. Harald Sussek

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