Business-Manager im Flirt mit IT-Kollegen

Feature | 19. September 2007 von admin 0

Die starren Grenzen zwischen betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten und IT-Know-how weichen auf. Zumindest in diesem Punkt besteht in allen untersuchten Branchen Einigkeit, hebt Angela Vacca, Autorin der Studie „What Business Managers Want (From IT) − An IDC Western European Vertical Market Survey 2007“, hervor: „Die Prioritäten von Business-Managern und IT-Managern nähern sich allmählich einander an.“ Schließlich muss der Business-Manager den IT-Manager verstehen − und umgekehrt. Folgerichtig sehen Business-Manager die IT zunehmend als Voraussetzung für ihre Geschäftsprozesse an. Die Kosten spielen daher eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sei, so Vacca, dass die IT potenziell dazu beitrage, dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Für die Studie befragte IDC die Verantwortlichen von 413 Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien mit mehr als 20 Mitarbeitern. Im Zentrum der im Januar dieses Jahres durchgeführten Erhebung steht die Rolle des IT-Managers aus der Sicht der Fachbereichsleiter. Zu den untersuchten Branchen gehören Bank- und Versicherungswesen, Fertigungsindustrie, Gesundheitswesen, der TCU-Sektor (Transportwesen, Telekommunikation und Energieversorger), Groß- und Einzelhandel, Bildungswesen und Öffentliche Verwaltung sowie Dienstleister wie Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkanzleien.

Insgesamt zeigen sich die Business-Manager sehr zufrieden mit der Arbeit ihrer IT-Kollegen. Besonders wenn es um Innovation geht, punkten diese. Gut 70 Prozent der Befragten sagen aus, dass IT-Manager in Innovationsprozessen der Unternehmen mitgewirkt haben. Hier fällt einzig das Gesundheitswesen aus der Reihe. Kaum die Hälfte der Fachgebietsleiter gesteht den IT-Managern hier Innovationskraft zu.

Verfügbarkeit steht vor Kosten

Übereinstimmend geben außerdem knapp zwei Drittel der Fachbereichsleiter an, beachtlich viel Zeit aufzubringen, um mit IT-Lösungen verschiedenster Art ihre Geschäftstätigkeit zu unterstützen. Dies gilt besonders für diejenigen Branchen, in denen die Zusammenarbeit zwischen IT- und Fachbereichsmanagern am engsten ist. In der Fertigungsindustrie etwa verwendet jeder Zweite der Befragten 40 Prozent der Arbeitszeit für Prozesse, die von der Informationstechnologie unterstützt werden. Bei Unternehmen der TCU-Branchen beträgt der Anteil immerhin noch 25 Prozent. Am wenigsten Zeit investieren die Leiter im Groß- und Einzelhandel in die IT: 73 Prozent dieser Umfrageteilnehmer opfern weniger als zehn Prozent des Tages solchen Hilfsmitteln.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass Business-Managern die Wirksamkeit (Effektivität) der IT viel wichtiger ist als die Effizienz. Mit anderen Worten: Die Kosten spielen bei der IT keineswegs die wichtigste Rolle. Als vorrangig für die Qualität des IT-Managements gelten die Verfügbarkeit und die Zufriedenheit von Angestellten und Kunden bei der Anwendung der Technologie. Dabei würden 60 Prozent der Business-Manager höhere Investitionen in die interne IT-Abteilung begrüßen. Kostensenkungen dagegen gehören selten zu den Prioritäten der Business-Manager.

In den Augen von IDC offenbart dieser Aspekt eine wichtige Wende in der Beurteilung von Informationstechnologie: Weg von der Prämisse des „das muss aber billiger gehen“, hin zum Ziel „die IT muss Wettbewerbsvorteile bringen“. Eine Wende, die auch für Software-Anbieter Folgen haben kann, wie die Macher der Studie interpretieren. „In diesem Kontext können die Anbieter eine entscheidende Rolle als Mittler zwischen IT- und Business-Managern einnehmen“, ist Vacca überzeugt.

Schlechte Noten für Strategie-Initiative, Support und Datenzugriff

Trotz allen Lobs an die IT-Abteilungen sparen die Fachbereichsleiter auch nicht an Kritik. Defizite sehen sie vor allem im Support. Hier ist der Verbesserungsbedarf am größten, gefolgt vom Zugriff auf Daten und Informationen. Auch die Werkzeuge des Kundenbeziehungsmanagements erhalten keine guten Noten. Wie Vacca erklärt ist dies ein Manko, den viele unterschiedliche Branchen beklagen. Hauptproblem sei hierbei der Datenzugriff in Echtzeit.
Die Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie liegt nach Ansicht der Business-Manager immer im Verantwortungsbereich des Topmanagements. Nur 20 Prozent der Fachbereichsleiter halten die IT-Manager für Initiatoren neuer Strategien. „Das muss noch mehr werden“, beurteilt Vacca. Immerhin meinen 40 Prozent der Business-Manager, dass ihre IT-Kollegen an entsprechenden Strategie-Projekten beteiligt sind. Darüber hinaus glauben 20 Prozent der Fachbereichsleiter, dass die IT-Manager die Strategien dann auch umsetzen.

Unterschiede zwischen den Branchen, Unterschiede in den Anforderungen

Obwohl die Fachbereichsleiter der unterschiedlichen Branchen in etlichen Punkten übereinstimmen, unterscheiden sich ihre Angaben teils erheblich, wenn es um die Bedürfnisse und Anforderungen an die IT geht. Im TCU-Sektor beispielsweise gehört die IT zum Kerngeschäft. Naturgemäß bewerten die Business-Manager den Support als sehr wichtig. Außerdem wünschen sie sich eine größere Vernetzung mit den IT-Managern. Das wichtigste Gut der Banken dagegen sind die Kundeninformationen. Der Zugriff auf diese Daten und Informationen hat daher hier für die Business-Manager oberste Priorität. Zudem fordern sie, dass die Informationstechnologie auf die gesetzlichen Vorschriften abgestimmt ist.

Für die Versicherungen sind zwar die Kundendaten ähnlich wichtig. Dennoch liegt hier das Augenmerk in punkto IT im Support der Versicherungsberater, die für ihre Arbeit von unterwegs aus Zugriff auf diese Informationen benötigen. Ähnlich geht es den Dienstleistern. International operierende Rechtsanwaltskanzleien, Unternehmensberater, Ingenieurbüros und nicht zuletzt auch Anbieter von IT-Services müssen ihre Arbeitnehmer und Partner weltweit vernetzen und den Weg für ungehinderten Datenzugriff frei machen.

Die öffentliche Verwaltung wiederum verlangt vor allem nach besserem Support durch die IT-Abteilung und wünscht sich mehr Freiheit bei der Vergabe von IT-Aufträgen an Fremdfirmen. Den schwierigsten Stand haben die IT-Manager im Gesundheitswesen. Hier bleibt der Geschäftsnutzen der IT aus Sicht der Fachbereichsleiter am unklarsten.

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