Schmackhafte Häppchen

Feature | 5. November 2009 von Christoph Zeidler 0

John Schwarz, SAP Executive Board (Foto: SAP AG)

John Schwarz, SAP Executive Board (Foto: SAP AG)

SAP.info: Welche Bilanz ziehen Sie ein Jahr nach der Fusion der beiden Softwarefirmen?

 

John Schwarz: Der Kunde stand bei unserem Zusammenschluss von Anfang an im Mittelpunkt. Uns liegt daran, dass die Anwender unseren Produktplan im Detail verstehen, dass sie ihre Geschäftsbeziehungen zur SAP konsistent weiterführen können und dass wir uns ihrer Anforderungen annehmen. Dieses Ziel haben wir erreicht. Der Markt hat unsere Roadmap gut aufgenommen. Wir verfügen heute über eine gemeinsame Preisliste, einheitliche Geschäftsbedingungen, einen integrierten Vertrieb und eine durchgängige Supportinfrastruktur. Infolgedessen profitieren unsere Kunden vom Besten beider Welten.

SAP.info: Business Intelligence reicht vom Reporting über die Datenanalyse bis zur Geschäftsprognose. Wo liegt nach dem Zusammenschluss der Fokus?

John Schwarz: Wir vertreiben ein Portfolio an BI-Lösungen, mit denen sich Unternehmen über alle Aspekte ihres Geschäfts Klarheit verschaffen und sich intern wie extern vernetzen können. Hierzu trägt eine Systemschicht bei, die Daten aller Quellen konsolidiert und ihre Qualität sichert. Bei den Quellen kann es sich um SAP-Transaktionssysteme handeln, um SAP-BusinessObjects Lösungen oder um sonstige interne oder externe Systeme.

Auf diesen Bestand greifen zahlreiche Werkzeuge zur Abfrage, Auswertung, Visualisierung und Modellierung zu. Der Kunde braucht verlässliche, jederzeit verfügbare, nach den Erfordernissen der jeweiligen Zielgruppe aufbereitete Informationen. Genau dazu verhelfen wir ihm. Mit der Kombination aus SAP-Software und Business-Objects-Lösungen haben wir in der Bereitstellung und Analyse geschäftsrelevanter Daten die Führung übernommen. Da die Informationen zur Auswertung direkt aus dem Quellsystem in den Arbeitsspeicher geladen werden, liegen die Ergebnisse sofort vor.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Der Business User

SAP.info: Der sogenannte Business User wird für die SAP immer wichtiger. Was unterscheidet ihn von anderen Mitarbeitern?

John Schwarz: In der Praxis trifft man zwei Nutzertypen an. Der eine arbeitet nach klar umrissenen, gleichförmigen Routineabläufen. Oft handelt es sich um Nutzer der Business Suite, die zum Beispiel Kunden- oder Fertigungsaufträge abwickeln. Im Gegensatz dazu bewegt sich der Business User, wie wir ihn verstehen, in einem weniger stabilen Umfeld, in dem sich der Prozess mit der Aufgabe ändert. Dazu zählen Führungskräfte und Mitarbeiter mit Kundenkontakt. Sie werden häufig mit unerwarteten Situationen konfrontiert, die schnelles Handeln erfordern. Mit unseren vielseitigen IT-Werkzeugen verschaffen sich diese Entscheider den nötigen Durchblick.

SAP.info: Wie macht sich die Wirtschaftskrise im IT-Sektor und speziell im BI-Geschäft bemerkbar?

John Schwarz: Die Nachfrage hat sich von mittel- und langfristigen Projekten hin zu Maßnahmen verschoben, die schnelle Erfolge versprechen. Unsere Kunden kaufen mit kleineren Zuwachsraten ein und erwarten eine kurzfristige Amortisation. Trotzdem sind sich die Analysten in einem einig: Die Wirtschaft wird auch in Zukunft in Business Intelligence investieren. BI-Software erfreut sich einer stabileren Nachfrage als andere Unternehmensanwendungen, weil sie dem Anwender hilft, Erlöse zu generieren und die Kosten zu senken.

SAP.info: Offenbar scheuen die Kunden derzeit jedes Risiko …

John Schwarz: In der Tat. Umso interessanter werden unsere Lösungen für das Anwendungsfeld Governance, Risk und Compliance, kurz GRC. Mit ihnen können Unternehmen ihre finanziellen und rechtlichen Risiken besser überwachen. Unsere GRC-Kunden möchten zum einen sichergehen, dass ihre Prozesse zur Einhaltung interner und gesetzlicher Vorschriften korrekt funktionieren. Zum anderen legen sie Wert darauf, Ereignisse, die ihre Leistungskraft schwächen könnten, frühzeitig zu erkennen. Mit unseren GRC-Anwendungen blicken Firmen weiter voraus. Sie können genauere Prognosen errechnen und ihre Strategien bei Bedarf sofort ändern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: SAP BusinessObjects Explorer

 

SAP.info: Das neueste Produkt ist der SAP Business Objects Explorer. Was zeichnet ihn aus?

John Schwarz: Der SAP BusinessObjects Explorer ermöglicht eine revolutionär einfache, rasant schnelle Datennavigation und -auswertung. Damit findet der Anwender Antworten auf Fragen, die er sich vielleicht noch nie gestellt hat. Erstmals stehen allen Nutzern auf einer intuitiv bedienbaren Oberfläche in jedem Arbeitskontext aussagekräftige Grafiken, Tabellen, Schalttafeln und Berichtsformate zur Verfügung. So können wir Business Intelligence einem größeren Nutzerkreis zugänglich machen.

SAP.info: Trends wie Mashups, soziale Netzwerke und kooperatives Entscheiden sind in aller Munde. Was tragen sie zur Business Intelligence bei?

 

John Schwarz: Bei der Entwicklung der Business Intelligence stehen zwei Aspekte im Vordergrund: die Daten und der Mensch. Mit Daten meint der Informatiker in erster Linie strukturierte, numerische, organisierte Informationen, die zum Beispiel zu Info-Cubes verdichtet sind. Rund achtzig Prozent des weltweiten Datenbestands sind jedoch unstrukturiert. Dazu gehören E-Mails, Audio- und Videodateien, Blogs und Websites. Letztlich sollen alle diese Informationen in die Business Intelligence einfließen, in wiederverwendbare Häppchen zerlegt und zu Präsentationszwecken aufbereitet werden – unabhängig von ihrer Herkunft, vom Urheber und vom Kontext. Was den Faktor Mensch betrifft, gilt es unter anderem, dessen Vorgehen bei der Lösung eines Problems zu erforschen.

Mitarbeiter und Kunden setzen sich zusammen, prüfen die Optionen und beschließen Maßnahmen. Problemlösung ist demnach ein gemeinsames Unterfangen. Über Mobiltelefone, Netbooks und Taschencomputer werden wir alle zu Business-Usern und Mitgliedern von Netzwerken, in denen wir die meiste Zeit erreichbar sind. Wir müssen den Menschen sowohl als Individuum wie als Teil einer Gruppe betrachten. Deshalb wollen wir es ihm leichter machen, sich mit anderen zusammenzuschließen, einen Konsens herzustellen und auf dieser Basis zu kooperieren.

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