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Zehn Jahre Business Women’s Network bei SAP

Feature | 28. Juli 2017 von Sarah Buerkle 0

Nur für Frauen? Keinesfalls! Seit nunmehr zehn Jahren gibt es bei SAP ein Netzwerk mit unkonventionellen Wurzeln, das Frauen auf ihrem Karriereweg unterstützt.

Marleen Verhaag

Das SAP Business Women’s Network (BWN) feiert 2017 sein zehnjähriges Bestehen. Einst aus einer reinen Mitarbeiter(innen)-Initiative entstanden, ist es das Ziel dieses Netzwerks, Frauen auf ihrem erfolgreichen Karriereweg bei SAP zu unterstützen.

„Frauen sind wichtig für die Innovationskraft der SAP“, erklärt Marleen Verhaag, Industry Value Engineer und Globale Leiterin des Frauennetzwerks (in dem übrigens auch Männer willkommen sind!). Die Arbeit und Expertise des Netzwerks trage dazu bei, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, die besten Talente am Markt für SAP zu gewinnen und das Unternehmen als „Employer of Choice“ für potenzielle Bewerberinnen zu positionieren, so Verhaag weiter. Die Sichtweise von Frauen sei außerdem enorm wichtig für die optimale Reflexion der Kundenbedürfnisse.

„Vielfalt muss man unter ‚vielfältigen‘ Gesichtspunkten betrachten“

Mit über 10.000 Mitgliedern und 60 sogenannten Chaptern (lokale Netzwerken) ist das Business Women’s Network die größte Gemeinschaft bei SAP, die jemals aus einer Grassroots-Initiative heraus entstanden ist. Es agiert auf internationaler Ebene und setzt sich mit spezifischen Fragestellungen von Frauen bei SAP auf der ganzen Welt auseinander. „Das Globale Business Women’s Network ist hierfür die Dachorganisation, die die verschiedenen Chapter zusammenführt, die strategische Richtung vorgibt und die lokalen Netzwerken beim Wachsen und beim Austausch von Best Practices unterstützt“, so Verhaag.

Jedes Chapter hat andere Herausforderungen zu meistern, denn in jedem Land und in jedem Kulturkreis gibt es andere Bedürfnisse. Auch damit muss das Business Women’s Network umgehen. „Vielfalt muss man unter ‚vielfältigen‘ Gesichtspunkten betrachten, es gibt keine Lösung, die für alle passt“, so Christine Regitz, Gründungsmitglied des BWN und Mitglied des SAP-Aufsichtsrats. Allerdings stehen die Chapter untereinander im engen Kontakt und unterstützen sich gegenseitig in ihrer Entwicklung – durch Austausch von Erfahrungen und finanzielle Hilfe für Neugründungen.

Der Geist des BWN in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Faranak Farahmand Pour

Allein in diesem Jahr wurden zwanzig neue Chapter gegründet, darunter das der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) unter Leitung von Faranak Farahmand Pour. Als Early Talent stieg die junge Frau aus dem Iran 2013 bei SAP in den Niederlanden ein und entdeckte dort das Business Women’s Network für sich. Die Unterstützung des Netzwerks habe ihr geholfen, sich schnell in ihrer neuen Rolle einzufinden und neue Kontakte zu knüpfen. In einem zehnmonatigen Programm des BWN zur Förderung von Frauen in Führungspositionen wurde sie mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert, die eine Managementrolle mit sich bringt. „Damit wir die Herausforderungen besser meistern und daran wachsen können, wurden uns Mentoren zur Seite gestellt, die uns in unserer Entwicklung berieten. Es war das beste Programm, an dem ich je teilgenommen habe“, erklärt Faranak. „Durch die Unterstützung des Netzwerks und durch das Programm habe ich gelernt, meine Komfortzone zu verlassen und aus gewohnten Mustern auszubrechen.“ Es sei entscheidend, so Faranak, Menschen um sich zu haben, die andere in ihrer Entwicklung unterstützen – egal ob Frau oder Mann.

Als Faranak schließlich die Entscheidung traf, nach Dubai zu ziehen, nahm sie sich vor, auch dort den Geist des Business Women’s Network zum Leben zu erwecken. Als Leiterin des Chapters will sie nun eine Veränderung für die Frauen in UAE bewirken und zurückgeben, was sie selbst durch das Netzwerk erfahren hat. Seit Anfang des Jahres wurden so bereits zahlreiche Workshops, Schulungen und Veranstaltungen angeboten. „Unser aktuelles Ziel für UAE ist es, Frauen auf Führungspositionen vorzubereiten und sie zu motivieren, sich auch darauf zu bewerben. Das internationale Arbeitsumfeld in Dubai unterstützt das. Dennoch ist der Arbeitsmarkt hier immer noch stark von Männern dominiert.“

Damals war das Thema noch nicht salonfähig

Dr. Natalie Lotzmann

Vor vierzehn Jahren war es allerdings nicht selbstverständlich, auch nur an ein Frauennetzwerk bei SAP zu denken. „Das Business Women’s Network steht auf den Schultern von Frauen, die den Mut hatten, mit dem Thema sichtbar zu werden – gegen die damalige Meinung im oberen Management, dass der geringe Anteil von Frauen in Führung kein Problem sei“, so Dr. Natalie Lotzmann, Leiterin von SAP Global Health Management.

„Mir war aufgefallen, dass viele talentierte Frauen in ihren Teams mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpften. Das begann mich zu interessieren“, erklärt Dr. Lotzmann. Die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen führte sie schließlich zu der Annahme, dass hier kulturelle Unterschiede zu Grunde lägen, von denen SAP aber auch profitieren könnte. 2003 plante Natalie eine große Veranstaltung, für deren Vorbereitung sie die damaligen zehn einflussreichsten Führungsfrauen bei SAP in Deutschland ins Boot holen wollte. Entgegen ihrer Annahmen wurde ihr Vorhaben jedoch gar nicht positiv aufgenommen. „Die Kolleginnen hatten große Angst, es gegenüber ihren männlichen Kollegen noch schwerer zu haben, wenn sie nur irgendwie mit einem ‚Frauenthema‘ in Verbindung gebracht würden“, erinnert sie sich.

Um die Kolleginnen doch für das Thema zu gewinnen, bot sie schließlich einen als „privat“ markierten Zweitages-Workshop zum Thema „Women in Leadership“ an, an dem alle teilnahmen. Die Teilnehmerinnen dieses Workshops bildeten die Keimzelle des ersten Frauennetzwerks bei SAP. Sie schrieben einen Business Case, schlugen Maßnahmen vor und nominierten nach einem Schneeball-Referral-System immer weitere Frauen für „private“ Workshops, bis eine kritische Netzwerkmasse erreicht war. Erst dann wurde die Bewegung bekannt gemacht. Zusätzlich wurden Workshops zum Thema „Gender Differences in Business“ für männliche Führungskräfte angeboten, an denen auch der damalige Finanzvorstand Dr. Werner Brandt mit seinem Team teilnahm. „Im Nachhinein gesehen war es genau das richtige Vorgehen. Der Weg musste erst bereitet werden“, stellt Natalie heute fest. Die Trainings und das Thema waren schließlich zum Selbstläufer geworden.

Stagnation … und beharrlicher Fortschritt

Christine Regitz

An einem dieser Workshops nahm auch Christine Regitz teil. „Ich habe mich schon immer für das Thema interessiert“, erklärt sie. In den ersten Workshops, als es das Frauennetzwerk noch gar nicht gab, habe sie gelernt, wie wichtig Selbstreflexion ist. „Wir lernten, wie wir auf andere wirkten, behandelten Stereotype und prüften, wo wir uns eventuell selbst in solchen stereotypen Denkmustern bewegten. Außerdem war das Feedback der anderen Teilnehmerinnen unglaublich wertvoll für mich.“ Bis heute hat sie die Erkenntnis aus dem Workshop verinnerlicht: „Frauen sollen sich gegenseitig unterstützen, nicht gegenseitig schwächen!“

Zusammen mit Carolin Dieter öffnete Christine Regitz 2007 das Netzwerk schließlich für alle Frauen bei SAP.
Die Organisatorinnen führten viele Diskussionen mit dem Vorstand und boten Workshops und andere Veranstaltungen an. „Trotzdem gelangten wir irgendwann an einen Punkt, an dem wir merkten, dass wir nicht mehr weiterkamen“, erinnert sich Regitz. „So entschieden wir uns, einen Fahrplan mit unseren Zielen für die nächsten Jahre aufzustellen. Keine von uns glaubte wirklich daran, dass diese Ziele realistisch waren, aber dennoch versuchten wir es. Bis 2010 wollten wir mindestens eine Frau im Vorstand haben. Irgendwie schafften wir es dann, einen Termin bei Hasso Plattner zum Thema „Frauen bei SAP“ zu bekommen. Danach setzte sich Einiges in Bewegung.“

Zukunft voller neuer Möglichkeiten

„Heute eröffnet das Netzwerk ganz neue Möglichkeiten“, versichert Verhaag. „Man steht im aktiven Austausch mit anderen Frauen, was manche Entscheidung erleichtert, man spricht mit Menschen, mit denen man sonst nie sprechen würde und man hat die Chance, bei SAP wirklich etwas zu bewegen. Aber nicht nur intern bei SAP – unser Netzwerk diskutiert auch mit Kunden und bringt dadurch wertvolle externe Perspektiven mit in das Unternehmen.“ Christine ergänzt: „Viele andere Unternehmen wenden sich auch an uns als Frauennetzwerk, um an unseren Erfahrungen teilzuhaben.“ Dennoch gebe es immer noch ein großes Verbesserungspotenzial, so Regitz.

Auch wenn sich bei SAP in puncto Vielfalt in den letzten Jahren Vieles getan hat. Die jüngsten Veränderungen in der Zusammensetzung der Geschäftsführung sind nur ein Beispiel. „Jennifer Morgan und Adaire Fox-Martin im Vorstand zu haben, ist bereits ein riesiger Schritt in die richtige Richtung“, meint Regitz. „Das zeigt anderen Frauen, dass es möglich ist, in eine solche Position zu gelangen – es motiviert!“

Rückblickend zieht Dr. Lotzmann ein positives Fazit: „Ich bin sehr stolz darauf, was aus dieser Bewegung geworden ist. Dass dieser Geist erhalten geblieben ist, finde ich ganz toll. Dass sich hier einfach eine Dynamik entwickelt hat, die Teil unserer Kultur geworden ist.“

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