Interview zu Business Intelligence

Feature | 6. Oktober 2009 von Jeff Reich 0

Sanjay Poonen ist Chef der EPM & GRC bei SAP BusinessObjects

Sanjay Poonen ist Leiter EPM & GRC für SAP BusinessObjects

SAP.info: Herr Poonen, Sie haben die neuesten BI-Innovationen als „Demokratisierung der betriebswirtschaftlichen Informationen“ beschrieben. Was meinen Sie damit und welche Bedeutung hat das für SAP-Kunden?

Poonen: Die Unternehmen sind sehr bestrebt, die Benutzerfreundlichkeit von BI-Lösungen stark zu verbessern. Alle Mitarbeiter im Unternehmen sollen Zugriff auf sämtliche Informationen erhalten. SAP führt diese Revolution an. Das angestrebte Ziel erreichen wir mit einem Satz an BI-Werkzeugen wie SAP BusinessObjects Explorer, die den Anwendern Analyseanwendungen oder webähnliche Suchfunktionen in natürlicher Sprache zur Verfügung stellen. Spend Performance Management ist ein weiteres gutes Beispiel: Dieses Werkzeug revolutioniert den Beschaffungsprozess, da es unglaublich einfach zu bedienen ist.

Früher hatten nur ein oder zwei Prozent der gesamten Belegschaft Zugang zu diesen Werkzeugen und Anwendungen. Hier vollzieht sich zurzeit ein Wandel. Das ist es, was ich gerne „Millennium-Benutzerfreundlichkeit” nenne: Selbst Anwender, die keine Ahnung von modernen Analysen haben, können mithilfe von Lösungen Informationen heranziehen, die sie für eine bessere Unternehmensführung benötigen.

SAP.info: Welche Auswirkungen hat es auf ein Unternehmen, wenn Business User auf gewaltige Mengen an Informationen losgelassen werden?

Poonen: Sie werden feststellen, dass die Mitarbeiter schneller Entscheidungen treffen und sich dabei auf Tatsachen und nicht auf ihr Bauchgefühl stützen. Die Mitarbeiter sind viel produktiver und in der Lage, auch andere strategische Probleme anzugehen. Das ist viel besser, so möchte ich hinzufügen, als sich zeitaufwendig durch Daten zu wühlen oder bei der IT-Abteilung einen Bericht anzufordern.

Dank neuer Technologien lassen sich wesentlich größere Datenmengen analysieren. Neue Konzepte wie Risiken lassen sich in die tägliche Entscheidungsfindung einbinden. Dies sind einige der zentralen Aspekte, die sich in der Busines-User-Vision der SAP wiederfinden. Die Vision sieht von der Strategie his zur Ausführung einen „geschlossenen Kreislauf“ vor. Dieser Kreislauf wird durch  SAP-Lösungen gesteuert, die die Mitarbeiterproduktivität erheblich steigern können.

SAP.info: Was treibt diese Innovationen im Bereich BI an?

Poonen: Das eigentliche Ziel ist es, dem Business User BI-Lösungen zur Verfügung zu stellen. Dabei sind drei wichtige Trends maßgeblich:

  • Erstens, die Unternehmen streben mit aller Macht danach, die Benutzerfreundlichkeit von BI-Lösungen erheblich zu verbessern.
  • Der zweite wichtige Trend zeigt sich darin, dass sich die Lösungen lenkend auf die Geschäftsbereiche auswirken.
  • Drittens, wir erleben gerade eine zunehmende Ausbreitung dieser Business-User-Lösungen. Und das nicht nur in unterschiedlichen Geschäftsbereichen, sondern auch in diversen Branchen.

SAP.info: Welchen Fokus setzt SAP bei der Entwicklung ihrer Branchenlösungen?

Poonen: Die SAP ist dabei, viele verschiedene Branchen- und Accelerator-Lösungen weiterzuentwickeln. Nehmen wir zum Beispiel das Gesundheitswesen. Wir haben eine Reihe von Lösungen, die den Krankenhäusern hilft, eine bessere Belegung zu erzielen und die tatsächliche Wirtschaftlichkeit zu messen. Im öffentlichen Sektor entwickeln wir Lösungen, die es den Körperschaften ermöglichen, mit Steuergeldern für Projekte wie das US-Konjunkturprogramm verantwortungsbewusster umzugehen.

Dasselbe gilt auch für Branchen wie Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Energieversorgung. Gleichzeitig richten wir unser Augenmerk auf Branchen, die entweder eine der herkömmlichen SAP-Stärken ausmachten oder die in schwierigen Konjunkturzeiten zu den wachsenden Wirtschaftszweigen zählen.

SAP.info: Die Business User sind eindeutig die Gewinner. Welche Neuigkeiten haben Sie für Anwender in Führungspositionen?

Poonen: Wir betrachten Anwender in Führungspositionen durchaus als Business User. Wir glauben zunehmend, dass CEOs, CFOs und andere Topmanager diese neuen Analyselösungen in Zukunft als Cockpit einsetzen möchten. Zum Beispiel arbeiten wir gerade daran, die BI-Technologie in unsere GRC-Anwendungen einzubetten. Leitende Risikobeauftragte können nun auf einfache cockpitähnliche Dashboards zugreifen, um eine bessere Überwachung des Unternehmensrisikos zu erzielen.

Sie wären überrascht, wie viele Unternehmen immer noch kein eindeutiges Unternehmensbarometer haben. Die Unternehmen müssen wissen, was sie gerade tun, aber sie müssen auch ihre aktuellen Schlüsselkennzahlen und wichtigsten Risikoindikatoren kennen. Mit den Business-User-Lösungen von SAP haben leitende Führungskräfte Zugriff auf Echtzeitdaten. Außerdem können sie Prognosen erstellen und auf Prognosedaten zurückgreifen.

SAP.info: Der BI-Bereich ist zu einem umkämpften Markt geworden. Wie schneidet SAP hier ab?

Poonen: SAP BusinessObjects ist unbestritten die Nummer eins am BI-Markt. Auch in angrenzenden Bereichen wie Enterprise Performance Management (EPM) sowie Governance, Risk und Compliance (GRC) stehen wir an erster Stelle. Außerdem war BusinessObjects die letzten zehn Jahre Nummer eins am BI-Markt. Unser Marktanteil ist 2008 gewachsen – doppelt so schnell wie bei unserem größten Mitbewerber – selbst nach der Übernahme durch SAP.  In den GRC-Markt sind wir als erstes Unternehmen vorgedrungen und sind jetzt Marktführer.

Im EPM-Bereich nahmen wir noch vor wenigen Jahren Rang vier ein. Doch eine klare Ausrichtung und schnelle Innovationen haben uns einen gewaltigen Schritt nach vor gebracht. Laut IDC nehmen wir jetzt Platz eins im Bereich EPM ein und sind im Gartner Magic Quadrant im Quadranten „Visionäre“ zu finden, in den Unternehmen mit den innovativsten und besten Produkten am Markt eingestuft werden.

Unterm Strich war das eine bedeutende Entwicklung. Und die ist nicht einfach nur auf Produktinnovation zurückzuführen, sondern wird vor allem durch viele unserer Kunden getragen. Die Kunden schätzen diese Vision. Und sie beginnen, mit den Lösungen ihre Produktivität zu steigern sowie einen tatsächlichen betriebswirtschaftlichen Nutzen und Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

Alles in allem, stellt SAP den gesamten Bereich der Unternehmensanalyse auf eine höhere Stufe, auf der immer mehr betriebswirtschaftliche Prozesse durch Business User mithilfe von SAP-Lösungen gesteuert werden.

SAP.info: BI, sogenannte Social Media und Web-2.0-Mashups ziehen derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich. Glauben Sie, dass diese Entwicklung den SAP-Kunden einen betriebswirtschaftlichen Nutzen verschafft?

Poonen: In seinem Buch Die Weisheit der Vielen zeigt James Surowiecki auf, inwiefern analytische Informationen heutzutage auf unerwartete, leistungsstarke und neuartige Weise verteilt sind. Große Personengruppen können anhand von Informationen einen schnellen kollektiven Konsens erzielen.  Das ist die Macht der Demokratie.  Das wird deutlich in Twitter, Facebook und anderen Social-Media-Anwendungen. Doch viele dieser Prinzipien finden auch in Unternehmen Anwendung.

Wir stoßen auf Lösungen, die einer großen Anzahl von Menschen helfen, ihre Meinung zu äußern und in einer zunehmen „flachen Welt“ zusammenzuarbeiten. Und dank dem Rat dieser Experten lassen sich optimale Entscheidungen treffen. Die SAP wird diesen kooperativen Ansatz der Entscheidungsfindung weiterhin in ihrem Design und ihrer Strategie der Softwareentwicklung sowie in all unseren analytischen Lösungen für Business User fest verankern.

Die Web-2.0-Konzepte stellen ebenfalls einen wesentlichen Bestandteil der Designgrundsätze für unsere sämtlichen Business-User-Lösungen dar. Nehmen wir zum Beispiel den BusinessObjects Explorer. Dieses Tool hebt sich am Markt ab, da es eine Navigation durch Unternehmensdaten mittels Suchwörtern und Drill-Down-Funktionen ermöglicht. Selbst gelegentliche Anwender, die nicht wissen, wofür die Buchstaben „B-I“ stehen, können es einsetzen.

Andere Lösungen wie Spend Performance Management und die kurz vor der Freigabe stehende Lösung Sustainability Performance Management heben sich ebenfalls durch eine leistungsstarke Web-2.0-Oberfläche ab. Das ist das neue Gesicht der SAP – und ein großer Schritt in Richtung Demokratisierung der Informationen für Business User.

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