Strafe bei dicker Luft

Feature | 25. November 2009 von Brian Wasson 0

Senkung des CO2-Ausstoßes durch Software (Grafik: SAP.info)

Senkung des CO2-Ausstoßes mit Carbon-Impact-Software (Grafik: grasundsterne)

Klimawandel und Nachhaltigkeit scheinen für viele Menschen heutzutage wichtige Themen zu sein. So entscheiden sich Verbraucher beim Autokauf für abgasarme Fahrzeuge und Unternehmen weisen auf ihren Verpackungen den sogenannten CO2-Fußabdruck des Produkts aus. Deshalb versteht es sich zunehmend von selbst, dass Unternehmen der Nachhaltigkeit im Allgemeinen und dem Klimawandel im Besonderen mehr Bedeutung beimessen müssen.

SAP brachte kürzlich in New York mehrere Vordenker zum Thema Nachhaltigkeit an den runden Tisch, um die Auswirkungen der Messung, Verwaltung und Regulierung von Treibhausgasemissionen für Unternehmen jeglicher Größe zu diskutieren.

Eingeladen zu der Veranstaltung hatte Peter Graf, Chief Sustainability Officer und Executive Vice President für Nachhaltigkeitslösungen bei SAP. Zu den Teilnehmern gehörten: Dr. Stephen Stokes von AMR Research; Betsy Atkins, vormals CEO der Softwareschmiede für Lösungen zur Emissionssteuerung Clear Standards (im Mai 2009 von SAP übernommen) und heute CEO bei Baja Ventures, einem unabhängigen Venture-Capital-Unternehmen mit Schwerpunkt in den Bereichen Technologie und Life Sciences; und Anirban Chakrabarti, Vice President und General Manager bei SAP Carbon Impact. Die SAP-Kunden SunPower und Autodesk nahmen ebenfalls am Roundtable-Gespräch teil. Sie waren über Videokonferenz aus Kalifornien zugeschaltet, sodass ihre Teilnahme nur einen minimalen CO2-Fußabdruck hinterlassen hat.

Die Software Carbon Impact listet den Ausstoß auf (Foto: SAP.info)

Die Software Carbon Impact listet den Ausstoß auf (Foto: SAP.info)

 

Software SAP Carbon Impact (Foto: SAP.info)

Software SAP Carbon Impact (Foto: SAP.info)

Weltweite Zunahme an VorschriftenDie im Dezember 2009 in Kopenhagen stattfindende Klimakonferenz der Vereinten Nationen, auch bekannt als COP15, nimmt eine tragende Rolle in der Kohlendioxiddebatte ein. Ziel der Konferenz ist ein neuer Klimaschutzvertrag zur Reduktion der Treibausgasemissionen, eine Nachfolgevereinbarung zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll, das die Industrienationen verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgaben zu senken.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) hat kürzlich eine neue Regelung beschlossen, die vorsieht, dass Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß (mehr als 10.000 Produktionsstätten) ab 1. Januar 2010 ihre Emissionen überwachen müssen. Die EPA verkündete außerdem, dass sie bereit sei, diesen Unternehmen 2010 Grenzen für die Kohlendioxidemission aufzuerlegen, falls der Kongress bis Ende 2009 kein Klimaschutzgesetz verabschiedet. Bei Nichteinhaltung dieser Grenzwerte könnten Strafen von bis zu 37.500 US-Dollar pro Tag auf die Unternehmen zukommen. Derzeit liegen dem Kongress noch weiter reichende Gesetzesentwürfe vor.

Die Europäische Union und Japan fordern eine CO2-Emissionssteuer. Diese könnte auf Importe aus Ländern ausgeweitet werden, die sich an den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung nicht beteiligen. Auch Frankreich hat eine CO2-Steuer angekündigt.

Der Druck auf Gesetzgeber und Wirtschaft wird zweifellos steigen. Die Öffentlichkeit erwartet von den Regierungen strengere Gesetze und von den Unternehmen, dass sie ihren CO2-Ausstoß messen und offenlegen. Unternehmen müssen sich im Vorschriftendschungel der länder- und regionsspezifischen Richtlinien zurechtfinden. Das könnte sich auf die Produktion und den Absatz der Unternehmen auswirken.

Verbraucher üben Druck aus

Druck wird nicht nur von Regierungsseite ausgeübt. Auch von Seiten der Verbraucher werden Forderungen laut. Sie rufen die Unternehmen auf, freiwillig ihren CO2-Fußabdruck offenzulegen und auf der Produktverpackung die Kohlendioxidmenge anzugeben, die bei der Produktion des Produkts erzeugt wurde. Die europäische Konsumgüterindustrie macht auf der Produktverpackung bereits Angaben zur CO2-Emission. Das bedeutet für US-Unternehmen, dass sie dasselbe tun müssen, wenn sie ihre Produkte im Ausland absetzen möchten.

Die lauter werdende Forderung nach Messung und Offenlegung des CO2-Ausstoßes wird global langfristige Auswirkungen auf die Marken der Unternehmen haben. So verlangen zum Beispiel Unternehmen wie Walmart von ihren Lieferanten, dass sie ihre CO2-Emissionen reduzieren. Und die Verbraucher stützen sich bei ihren Kaufentscheidungen auf das tatsächliche beziehungsweise wahrgenommene Umweltbewusstsein der Unternehmen.

Wandel von Unternehmen und Wirtschaft

Der bewusste Umgang mit Themen wie Nachhaltigkeit und Treibhausgasen wird die globale Wirtschaft voraussichtlich stark verändern.

„Wir sehen einem Wirtschaftswandel entgegen, der in den letzten Jahrhunderten seinesgleichen sucht“, sagt Dr. Stokes von AMR Research. „Fließt Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie ein und bildet sie einen Unternehmenswert, dann sorgt sie in vielerlei Hinsicht dafür, dass Unternehmen den Wandel zu dieser neuen, sauberen und effizienten Wirtschaft reibungslos vollziehen können.“

Doch nicht alle Unternehmen sehen die Notwendigkeit, sich mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

„In Bezug auf Nachhaltigkeit lassen sich die Unternehmen in drei Gruppen gliedern”, erläutert Peter Graf. „Die Unternehmen der ersten Gruppe sind vorsichtig und nehmen eine abwartende Haltung ein. Sie sind nur durch Vorschriften zum Handeln zu bewegen und an einer möglichst kostengünstigen Einhaltung der Vorschriften interessiert.“

„In der zweiten Gruppe”, so Graf weiter, „zeigen sich die Unternehmen opportunistisch. Sie möchten zum Beispiel ihre Energieeffizienz steigern, weil sich das auf das Betriebsergebnis auswirkt. Weitere Motive für den Wandel sind die Entwicklung einer grünen Marke oder die Entwicklung noch nachhaltigerer Produkte. Diese Gruppe wächst schnell, denn die Unternehmen wissen, dass Nachhaltigkeit den Unternehmenswert steigert. Damit lässt sich Geld machen. Nachhaltiges Wirtschaften ist kein Hemmschuh, sondern trägt zur Steigerung des Unternehmenserfolgs bei.”

Die Unternehmer in der dritten Gruppe sehen in der Nachhaltigkeit eine strategische Herausforderung, weil sie wissen, dass es um die Zukunft ihrer Unternehmen geht. Sie betrachten Nachhaltigkeit als Thema, das alle angeht, und erkennen die Notwendigkeit, ihre Geschäftsmodelle darauf auszurichten.

Dr. Stokes merkt an, dass Unternehmen früher oder später die Dringlichkeit für nachhaltiges Wirtschaften erkennen werden. „Nachhaltigkeit ist eine neue Zauberformel in der Wirtschaft und eine neue ‚Flucht in die Qualität’. Das ist eine große Herausforderung, birgt aber auch eine große Chance. Nachhaltigkeit liefert ein neues Geschäftsmodell, einen neuen Wert und einen neuen kulturellen und wirtschaftlichen Wandel, der perfekt in die heutige Zeit passt.“

89.000 Kunden leisten 60% der Wirtschaft

Der SAP bietet sich die Chance, auf den globalen Klimawandel einzuwirken und die Ausrichtung der Weltwirtschaft auf Nachhaltigkeit zu beschleunigen. Die mehr als 89.000 SAP-Kunden weisen 60 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus und sind für mehr als ein Sechstel der vom Menschen erzeugten Treibhausgase verantwortlich. Gemeinsam mit Branchenführern, Nichtregierungsorganisationen, Kunden und Partnern entwickelt SAP Lösungen, mit denen Unternehmen ihre Emissionen messen, steuern und reduzieren können. Gleichzeitig gewährleisten die Anwendungen Rentabilität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

„Die SAP rückt ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele und die ihrer Kunden unbeirrt in den Mittelpunkt“, sagt Graf. „Wir haben uns langfristig und strategisch zur Nachhaltigkeit verpflichtet, denn wir glauben, dass dieses Thema für ein ‚Best-Run Business’’ ein wichtiger Aspekt ist – nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden.”

„Man kann sagen, die SAP hat es geschafft, sich bei der Unterstützung von Firmen mit Nachhaltigkeitslösungen ein wohl durchdachtes und ambitioniertes Ziel zu setzen“, sagt Dr. Stokes.

Dabei stützt sich die SAP auf ihre Erfahrungen in Finanzsystemen und die Vorreiterrolle, die sie seit 1972 innehat. Das Unternehmen garantiert seinen Kunden dieselben korrekten und überprüfbaren Nachweise für die Nachhaltigkeitskennzahlen, wie sie von den SAP-Finanzsystemen erwartet werden. Die SAP-Systeme können dabei helfen, CO2-Emissionen und Umweltschutzaspekte sowie soziale Faktoren zu überwachen.

Die SAP weiß aus eigener Erfahrung, was diese Herausforderungen bedeuten, denn das Unternehmen hat sich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um nahezu 50 Prozent auf das Jahresniveau von 2000 zu senken. Außerdem hat sich das Unternehmen der weiteren Entwicklung von Lösungen verschrieben, mit denen Unternehmen ihre gesteckten Zielsetzungen erreichen können. Mit SAP Carbon Impact (vormals Clear Standards) bietet die SAP jetzt beispielsweise eine umfangreiche Lösung zur Überwachung der CO2-Emissionen und der Energieverwaltung.

Software für Kunden 

„Wir sind sehr zufrieden mit SAP Carbon Impact“, sagt Doug Richards, Vice President Human Resources bei SunPower, einem Wegbereiter in der Solarenergie. „Die Software hat unserem Vorhaben eine neue Dimension verliehen. Es war wichtig, dass uns ein System zur Verfügung stand, mit dem wir Realitäten schaffen konnten. Wir haben sehr sorgsam darauf geachtet, dass uns Fakten vorliegen. Die Software hat uns geholfen, eine fundierte Vergleichsbasis aufzustellen und dann Reduzierungsmaßnahmen zu ergreifen, die unternehmensweit erreichbar, erklärbar und einsetzbar sind.“

„Wir möchten beweisen, dass es zwischen den Investitionen in Nachhaltigkeit und unserem Gesamtumsatz einen kausalen Zusammenhang gibt“, sagt Emma Stewart, Leiterin des Nachhaltigkeitsprojekts für den SAP-Kunden Autodesk. „Carbon Impact verfügt über Funktionen, von denen wir heute noch nicht einmal wissen, dass wir sie in ein paar Jahren benötigen werden.“

Ziel sei es, so Graf, Unternehmen dabei zu unterstützen, eine Verbindung zwischen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie und deren Umsetzung herzustellen. „Wir möchten den Kunden die analytischen Fähigkeiten zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um aus den erfassten Bewegungsdaten, Supply-Chain-Informationen und Nachhaltigkeitsdaten aussagekräftige Informationen zu gewinnen. Damit die Nachhaltigkeitsziele langfristig auch wirklich erfolgreich sind, müssen sie eng in die Unternehmensziele und Geschäftsprozesse eingebunden sein.“ „Nachhaltigkeit steht für gute Unternehmensführung“, so Stewart, „und ist weit mehr als nur Umweltschutz.“

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