Megatrend intelligentes Stromnetz

4. März 2011 von Frank Völkel 0

Alles vernetzt: Elektroauto, Stromnetz und Haustechnik (Foto: Frank Völkel)

Alles vernetzt: Wohngebäude, Elektroauto, Stromnetz und Energieversorger (Foto: Frank Völkel)

Was wäre nicht alles möglich: Ein Wohnhaus, welches vollkommen autark vom Stromnetz seine Bewohner mit Komfort, Wärme und Energie versorgt. Den dazu notwendigen Strom erzeugen Photovoltaik-Zellen auf dem nach Süden ausgerichteten Dach. Schließlich lässt sich die Sonneneinstrahlung ganzjährig zur Energiegewinnung nutzen. An trüben Tagen wird in Akkus gespeicherter Strom zur Energieversorgung genutzt. Der eigentliche Clou: Überschüssig erzeugter Strom in den Sommermonaten kann zusätzlich in das Stromnetz eingespeist werden, aber erst dann, wenn die Akkus vollständig geladen sind.

Zur Energiespeicherung können auch die Akkus von Elektroautos verwendet werden. Zum Aufladen werden die Fahrzeuge mit dem Stromnetz und der Haustechnik des Wohnhauses verbunden. So kann beispielsweise der Autoakku bei Sonneneinstrahlung direkt ohne Umwege geladen werden, um dann die Energie für bis zu 300 km Reichweite zu liefern. Weitere Details liefert der Artikel E-World 2011: Energie nach Maß.

Über in den Wohnungen platzierte Touchscreens und mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs lassen sich Ladezustände, Verbrauchsdaten und Kosten zu Haushalt, Elektroauto und Stromnetz jederzeit abrufen. In Abhängigkeit von der Tageszeit und dem Wochentag bietet der örtliche Energieversorger Strom zu verschiedenen Preisen an. Das gleiche gilt für die Einspeisung.

Touchscreen: Stromverbrauch und Energiegewinn im Blick (Foto: Frank Völkel)

Touchscreen: Stromverbrauch und Energiegewinn im Blick (Foto: Frank Völkel)

Doch im Zusammenspiel von intelligenten Stromnetzen mit dezentraler Energieeinspeisung (Photovoltaik und Windkraft) ist noch viel mehr möglich: Stromfressende Haushaltsgeräte wie beispielsweise Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler werden nur dann eingeschaltet, wenn Energie zu besonders günstigen Preisen zur Verfügung steht.

Allein dieses angedeutete Szenario zeigt, vor welchen Umwälzungen die Energietechnik-Branche steht. Die Vorreiterrolle übernimmt hier eindeutig die IT-Branche. Schließlich soll in wenigen Jahren die gesamte Datenkommunikation vom Haushaltsstromzähler bis zum dezentralen Energieerzeuger wie Photovoltaik und Windkraft über das IP-Protokoll laufen. Sämtliche Daten laufen über das Internet oder teilweise über das Stromnetz (Datenübertragung per Powerline).

Das hat enorme Folgen für die gesamte Wirtschaft: Die Firma Cisco, die sich auf die Herstellung von Netzwerkkomponenten spezialisiert hat, schätzt beispielsweise das Potenzial des durchstartenden Energietechnik-Marktes auf 20 Mrd. US-Dollar für 2013 – bezogen auf den Umsatz allein mit Smart-Grid-Lösungen. Aus der Sicht von Siemens wird von einem Marktvolumen von 100 Mrd. Euro für 2014 ausgegangen.

Inwieweit die Vorhersagen zutreffen, werden die kommenden Jahre zeigen. Eins scheint jedoch sicher: Nichts bleibt wie bisher. Die kommenden Jahre werden von starkem Wandel geprägt sein. Von dezentralen Strukturen, bidirektionaler Kommunikation und flexibler Steuerung bei Erzeugung, Verbrauch und Speicherung von Elektroenergie.

Smart Metering: Stromverbrauchsdaten am Notebook (Foto: Frank Völkel)

Smart Metering: Stromverbrauchsdaten am Notebook (Foto: Frank Völkel)

So gibt es auf der CeBIT in diesem Jahr auch Fach-Veranstaltungen wie “IT meets Energy“ zu diesem Thema. In den verschiedenen Hallen verstreut sind Firmen anzutreffen, die Konzepte, Exponate und teilweise fertige Produkte zur Vernetzung anbieten.

Sind mittlerweile Pflicht: Intelligente Stromzähler

Sind mittlerweile Pflicht: Intelligente Stromzähler

Waschmaschine für variable Stromtarife auf der CeBIT

Muster: Waschmaschine für variable Stromtarife auf der CeBIT

Erprobungsphase von vernetzten Elektroautos: SAP-Projekt Future Fleet

Erprobungsphase von vernetzten Elektroautos: SAP-Projekt Future Fleet

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