CeBIT 2010: SAP im Alltag

Feature | 9. März 2010 von Benjamin Blaume 0

Geschäftstipps? Jim Hagemann Snabe trifft Spaza-Shop-Inhaberin Christina Marule (Foto: SAP AG)

Geschäftstipps? Jim Hagemann Snabe trifft Spaza-Inhaberin Christina Marule (Foto: SAP AG)

Entwicklungshilfe per Software

Mit dem Projekt „Collaboration@Rural“ unterstützt SAP Kleinsthändler in ländlichen Gebieten im Nordosten Südafrikas. Die Spaza-Shops, vergleichbar mit den Tante-Emma-Läden der 1950er, bilden für die Bewohner in den kaum erschlossenen Gebieten die einzige Möglichkeit für den Bezug von Alltagswaren. Für die Ladeninhaber ist die Beschaffung von Waren äußerst mühsam. Sie müssen meist eine Tagesreise in Kauf nehmen, um im nächstgelegenen Großmarkt einkaufen zu können. Das kostet sowohl Zeit als auch einen Großteil des mit den Shops erwirtschafteten Geldes.

Hier setzt das SAP-Projekt an. Da es kaum Infrastruktur gibt und auch die Stromversorgung häufig ausfällt, bildet das gut ausgebaute GSM-Netz die Basis für eine mobile Infrastruktur, über die Shop-Besitzer ihre Waren per SMS ordern können. Die Bestellungen der einzelnen Händler laufen im bereitgestellten SAP-System auf und werden gebündelt. Durch den Zusammenschluss mehrerer Händler aus einem Gebiet können die Spaza-Inhaber bessere Preise aushandeln. Dank des größeren Auftragsvolumens lohnt es sich im Gegenzug auch für die Waren-Produzenten entlegene Gebiete per LKW anzufahren und ihre Produkte direkt an die Spaza-Shops zu liefern. Eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

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Thomas Ziegert, SAP, zeigt Katastrophenschutz von Morgen (Foto: Benjamin Blaume)

Thomas Ziegert, SAP, zeigt Katastrophenschutz von Morgen (Foto: Benjamin Blaume)

Leitstelle der Zukunft

In einem Forschungsprojekt zeigte SAP wie vernetzte Software beim Katastrophenschutz in Zukunft der Einsatzleitung behilflich sein wird. Die “Urban Management Plattform” wird gemeinsam von SAP Research, dem Integrator von Sicherheitslösungen TZS und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt.

Im auf der CeBIT vorgestellten Katastrophenszenario einer Sturmfront mit heftigen Unwettern in Berlin laufen alle Informationen in einer fiktiven Leitstelle zusammen. Dort haben die Einsatzkräfte unter anderem Zugriff auf Wetterdaten. Durch Simulationsmodelle kann die Bevölkerungsdichte und die Verkehrssituation in einem bestimmten Gebiet berechnet werden. Dies ermöglicht es schon im Vorfeld eines Unwetters, Gebiete mit den höchsten Schäden vorauszusagen und Präventivmaßnahmen einleiten zu können.

Im Testszenario führte das Unwetter unter anderem zu mehreren schweren Unfällen. Die Leitstelle kann dank Softwareanbindung an die Berliner Krankenhäuser entscheiden, welche Rettungskräfte wie viele Patienten zu welchen Krankenhäusern transportieren sollen. Auch den kürzesten Weg zum nächsten Krankenhaus mit freien Kapazitäten, unter Beachtung der aktuellen Verkehrslage, zeigt die Software an. Als Software-Basis dient SAP Investigative Case Management. Die Spezial-Lösung kommt normalerweise in Polizeidienststellen zum Einsatz und basiert auf SAP CRM. Rund zwei Jahre könnte es dauern, bis die Software auch im realen Leitstellenalltag Einzug erhalten wird.

Piraten unter Beschuss

Produktpiraterie ist eine Gefahr für immer mehr Unternehmen. Durch Plagiate entsteht allein in Deutschland ein Schaden von rund 30 Milliarden Euro.  Der weltweite Schaden liegt laut aktuellen Schätzungen zwischen 200 und 600 Milliarden Euro jährlich. Mit dem Joint Venture „Original1“ sagen nun SAP, der finnische Handy-Hersteller Nokia und die Sicherheitsexperten von Giesecke & Devrient (Das Unternehmen liefert unter anderem die Banknoten für die Deutsche Bundesbank) Produktfälschern den Kampf an.

Dank ausgeklügelter Technik lassen sich Markenprodukte entlang der gesamte Produktions- und Lieferkette mit fälschungssicheren Produktcodes verfolgen. Zum Einsatz können sowohl RFID-Chips als auch Barcodes kommen, die mit einem Nokia-Handy zunächst ausgelesen und mit den im SAP-System hinterlegten Produktdaten verglichen werden.

So können auch schwierig zu überprüfende Produkte wie Medikamente oder Chemikalien eindeutig als Fälschung erkannt werden. Zunächst liegt der Fokus auf Markenartikel-Herstellern und öffentliche Institutionen wie dem Zoll. In absehbarer Zukunft könnten aber auch Endkunden in der Lage sein, den Weg eines Produktes von der Fabrik bis zum Geschäft nachzuverfolgen.

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