Chancen erkennen, Risiken vermeiden

Feature | 23. Juni 2004 von admin 0

Welchen Stellenwert hat Ihrer Ansicht nach das Thema IT-Outsourcing derzeit bei SMBs?

Eine Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen ist gerade erst dabei, Outsourcing als Chance zu erkennen. Hier ist sicherlich noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Am besten lässt sich meiner Meinung nach die derzeitige Situation mit dem englischen Begriff der „Awareness“ umschreiben. Das bedeutet: Wir müssen ein Bewusstsein für die Chancen, aber auch für die Risiken von Outsourcing schaffen.

SMBs tun sich oft schwer, die Kontrolle über Teile der IT an einen externen Dienstleister abzugeben. Wo liegen denn die Hauptvorbehalte und -probleme?

Allgemein gesprochen fürchten vor allem deutsche Manager, die Kontrolle über die ausgelagerten Funktionen zu verlieren. Zusätzlich stellen überschätzte Kostenerwartungen für das Outsourcing ein Hindernis dar. Viel wichtiger ist jedoch das häufig geäußerte Argument, dass Outsourcing als Alternative an Bedeutung verliert, je größer das unternehmensspezifische Wissen der von der Auslagerung betroffenen Funktionen oder Prozesse ist. Ein Unternehmen muss seine Kernprozesse erkennen und selbst managen; mögliche Ansatzpunkte für ein Outsourcing sollten lediglich die Supportprozesse sein.

Was sollten SMBs beim Outsourcing unbedingt beachten?

Stellvertretend greife ich zwei Aspekte heraus: Unternehmen sollten sich professionelle Outsourcing-Dienstleister suchen. Entsprechende Referenzen des künftigen Outsourcing-Partners helfen den Betrieben in jedem Fall bei der Auswahl unter den verschiedenen Angeboten. Der Prozess der Auslagerung sollte darüber hinaus im Rahmen eines zeitlich begrenzten Projekts durchgeführt und überwacht werden.

Wo sehen Sie die größten Probleme bei der Umsetzung von IT-Outsourcing-Maßnahmen in mittelständischen Unternehmen?

Besonders sind die Ängste der Manager vor Kontroll- und somit Machtverlust zu nennen. Hier gilt es, die scheinbar „Betroffenen“ zu „Beteiligten“ zu machen und die fachlichen Aspekte einer möglichen Arbeitsentlastung zu kommunizieren.

Gibt es Teile der EDV, die Mittelständler leichter beziehungsweise schneller aus der Hand geben als andere?

Hier ist sicherlich die Bereitstellung und Wartung der Hardware durch den Dienstleister zu nennen – vermutlich spielt der Trend zum Anlagenleasing mit Full-Service-Verträgen eine Rolle. Aber auch die Erstellung und Pflege der Internetpräsenz kann erwähnt werden. Der Trend zum Outsourcing der Anwendungssoftware, wie beispielsweise ERP-Systeme (Enterprise Ressource Planning), ist jedoch unverkennbar. Aus Kostengründen gehen Mittelständler dabei von den maßgeschneiderten Firmenlösungen in Richtung Standardsoftware, deren Anbieter in der Regel Wartungsverträge mit Softwareaktualisierungen anbieten, die auch für kleine Mittelständler erschwinglich sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die von der SAP angebotene Mittelstandssoftware SAP Business One.

Der vergleichsweise geringe Auslagerungsanteil bei der Funktion Telekommunikation/Netzwerke ist meiner Ansicht nach auf die größenbedingte Situation des Mittelstandes im Hinblick auf diese neueren Technologien zurückzuführen. Die Kosten für Telekommunikation und Netzwerke steigen in der Regel in jenen Unternehmen überproportional an, die eine große Verwaltung und mehrere Fertigungs- und Vertriebsstandorte haben.

Werden von mittelständischen Firmen bestimmte Gründe für die, sagen wir unterschiedliche Auslagerungswilligkeit genannt?

Im Allgemeinen herrscht noch immer die Befürchtung vor, dass – gerade beim IT-Outsourcing – sensitive und unternehmenskritische Daten unkontrolliert die Unternehmensgrenzen verlassen könnten oder gar manipuliert oder vernichtet werden. Man denke nur an die Fernwartung und -installation über Datenfernübertragung (DFÜ) sowie die damit verbundene Hacker- und Virenproblematik. Gerade was den Aspekt der IT-Sicherheit betrifft, gibt es unter Mittelständlern noch sehr viele Vorbehalte gegen eine Auslagerung der IT. Diese sind allerdings oft unbegründet, da die Sicherheitsmaßnahmen in Rechenzentren in der Regel besser sind als in den betreffenden Unternehmen selbst.

Das BF/M hat das Outsourcing-Verhalten deutscher und US-amerikanischer SMBs untersucht. Welche Hauptunterschiede konnten Sie bei den SMBs beider Länder feststellen?

Das muss ich zunächst etwas eingrenzen. Wir haben in unserer Untersuchung deutsche und US-amerikanische Mittelständler aus den Branchen Maschinenbau und Finanzwesen verglichen. Wir haben uns dabei auf die Eigenfertigung beziehungsweise den Fremdbezug (Outsourcing) bei der Gestaltung und Wartung von Anwendungssoftware konzentriert. Ich möchte an dieser Stelle stellvertretend nur drei wichtige Ergebnisse hervorheben:

Die von uns befragten SMBs in den USA beziehen bei einer Outsourcing-Entscheidung weit mehr strategische Aspekte, also etwa die Frage nach einer langfristigen Erfolgswirkung, als wichtige Kriterien mit ein als die deutschen. Hingegen scheint für deutsche Manager der Aspekt der Kontrolle über die auszulagernden Funktionen sowie deren Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg maßgeblich zu sein. Höchst überraschend war dagegen die Erkenntnis, dass im betrachteten Untersuchungsfeld der Outsourcing-Anteil in den deutschen Unternehmen höher war als in amerikanischen.
Dieses Ergebnis steht ja der vorherrschenden Meinung diametral entgegen und zeigt, dass wir gewisse, gern gepflegte Urteile beziehungsweise oft auch Vorurteile bezüglich des Outsourcing-Verhaltens eventuell revidieren müssen. Hier können weiterführende Untersuchungen aber sicher noch differenziertere Ergebnisse liefern.

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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