Soccer team in a huddle

Chancen verwandeln – nicht nur auf dem Fußballplatz

Feature | 29. Juli 2016 von Corinna Machmeier 0

Kicken und Coden: Jungen Menschen Chancen aufzeigen und sie für IT begeistern – das war der KickApp Fußball Cup.

Fußballsommer in Frankreich. Nicht nur der frisch gekürte portugiesische Europameister liegt im Siegestaumel. Auch Brasilianer, eine indische Mannschaft sowie Teams aus Israel, Ungarn, USA und Deutschland können sich verdientermaßen wie Gewinner fühlen. Sie alle hatten sich zum Finale des KickApp Cup qualifiziert und durften deshalb die Reise nach Heidelberg und Lyon antreten. Die gleichnamige Corporate-Social-Responsibility-Initiative von SAP begann vor genau einem Jahr, führte durch sechs SAP-Entwicklungsstandorte rund um den Erdball und wurde allerorts mit Begeisterung zelebriert.

Junge Menschen erreichen, soziale Projekte unterstützen

Und wie sah nun die Taktik aus? Man nehme 180 hochmotivierte SAP-Entwickler und Design-Thinking-Coaches, eine Aufgabe in Gestalt einer Hackathon-Challenge und nicht zuletzt einen starken Partner. Die Herausforderung: Ideen für eine App zu entwickeln, die die Jugendarbeit von Nichtregierungsorganisationen, Sportvereinen und deren Mitgliedern technologisch unterstützen und damit effektiver machen soll.

Der Partner heißt streetfootballworld und ist eine gemeinnützige Organisation mit der Mission, benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durch Fußball anzusprechen und ihnen Zukunftschancen aufzuzeigen. Als Dachorganisation verbindet streetfootballworld mehr als 110 lokale football4good-Organisationen auf der ganzen Welt.

Motivation fürs Leben

KickApp3_2

Austausch der Teams Brasilien und Ungarn.

Während der Hackathons arbeiten 180 junge Teilnehmer aus den football4good-Organisationen eng mit SAP-Kollegen zusammen. Es wird programmiert, gelacht, gefeiert und natürlich auch Fußball gespielt. Wie sie persönlich dazu beitragen, dass innerhalb kürzester Zeit ein App-Prototyp entsteht, ist für die Teilnehmer eine einzigartige Erfahrung. „Ich kann den Kindern und Jugendlichen zu Hause von den Begegnungen und Erlebnissen beim KickApp Cup berichten und sie so motivieren, am Ball zu bleiben. Jeder hat eine Chance“, ist sich Flavio Souza aus Brasilien sicher.

Wie für meisten der jungen Teilnehmer war der Ausflug in die beiden europäischen Städte auch für ihn die erste große Reise seines Lebens. Der 21-Jährige muss seit seinem zehnten Lebensjahr zum Unterhalt seiner Familie beitragen. Oft versorgt er seine Eltern und jüngeren Geschwister ganz allein, weil diese dazu nicht in der Lage sind. Trotz Nachtarbeit auf Baustellen schloss er die Schule als Jahrgangsbester ab.

Flavio arbeitet heute als Coach bei Fundação EPROCAD – der Organisation, die ihm schon als Kind viel Halt gab. „Bildung ist wichtig, und wenn man ein Ziel vor Augen hat, vielleicht sogar einen konkreten Berufswunsch, dann gibt man nicht so leicht auf“, sagt Flavio.

KickApp1_2

Flavio Souza und Bárbara Reis beim Design Thinking Workshop.

Für Design-Thinking-Coach Bárbara Reis ist der KickApp Cup das erste soziale Projekt bei SAP. Die studierte Architektin arbeitet im SAP Partner Support. „Es ist unglaublich, wie schnell sich die Gruppen vermischen und die Leute Kontakte knüpfen. Fußball ist einfach die gemeinsame Leidenschaft, die uns alle verbindet. Dass die jungen Menschen noch dazu erleben, welch spannende Möglichkeiten ein Job in der IT bietet, macht die Erfahrung noch wertvoller“, sagt sie. Bárbara ist mit den Jugendlichen seit dem KickApp Cup in Brasilien im November 2015 in engem Kontakt und spricht aus tiefstem Herzen von Freundschaften, die seither entstanden sind. Voller Motivation, sich sozial zu engagieren, plant sie noch weitere Jugendliche in die SAP Labs Sao Leopoldo einzuladen.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende von streetfootballworld, Jürgen Griesbeck, ist von dem Ansatz ebenfalls überzeugt: “Der KickApp Cup ist ein Beispiel für die perfekte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und sozialen Organisationen.“

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Beim Endspiel in Heidelberg und Lyon traten die Teams übrigens nicht gegeneinander an. Sie kombinierten das Beste aus jeder App-Idee zu der ultimativen football4good-App. Die wurde anschließend auf dem streetfootballworld Festival 16, einem offiziellen CSR-Event der UEFA EURO 2016, vorgestellt.

Die football4good-App

Viele der jungen Teilnehmer mussten schon früh schwierige Situationen meistern. Beim KickApp Cup tauschen sie ihre persönlichen Erfahrungen aus und sprechen über die Probleme, die ihr soziales Umfeld unmittelbar beeinträchtigen. Die App könnte football4good-Organisationen weltweit dabei helfen, diese Probleme anzugehen. Die einzelnen Organisationen sollen bewährte Methoden einfacher austauschen und auf einer gemeinsamen Plattform nutzen können. Einblicke, wie viele Jugendliche, in welchen Regionen erreicht werden, steigern zudem die Transparenz und Skalierbarkeit der Organisationen.

Auf einen Blick:

  • im Online- sowie im Offline-Modus einsetzbar
  • unterstützt Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Organisationen
  • misst, wie viele junge Menschen erreicht werden können und wo noch Ressourcen benötigt werden, um noch mehr Hilfe anzubieten

Zu diesem Anlass lud streetfootballworld 30 football4good-Organisationen ein. Die Resonanz war bemerkenswert. „Das ist genau die Lösung, nach der ich die letzten sechs Monate gesucht habe“, meldete sich eine Delegierte aus den USA zu Wort. Mit der App ließen sich Spiele von Trainern zentral anlegen und steuern. Die jugendlichen Teilnehmer können sich untereinander und mit dem Trainer vernetzen. Ein Dashboard misst für die Organisationen, wie viele Jugendliche erreicht werden können und wo noch Ressourcen benötigt werden. Die App wäre im Online- sowie im Offline-Modus einsetzbar und könnte außerdem durch verschiedene Zusatzfunktionen gezielt an den Bedarf der lokalen Hilfsorganisation angepasst werden. „Eine klasse Idee. Seit ich hörte, dass die Anwendung auch ohne Internetverbindung funktioniert, bin ich total aus dem Häuschen“, so eine weitere Stimme aus dem Publikum.

So feierte der KickApp Cup ein spektakuläres Finale. Ob die App nun zu einem marktreifen Produkt weiterentwickelt wird, ist noch nicht entschieden. Insofern wissen die Kick-App-Teilnehmer noch nicht, ob es für ihre Idee in die Verlängerung geht oder nicht. Doch wie heißt es so schön im Fußball: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Fotos: Brice Blondel and Kircher Photography

Tags: ,

Leave a Reply