Interview Oliver Bussmann: Selbst erster Kunde

Feature | 16. September 2010 von Christoph Zeidler 0

CIO Bussmann: "Als IT-Abteilung in alle Produktenwicklungen eingebunden."(Foto: SAP)

CIO Bussmann: Neueste Produkte auch intern im Einsatz.

SAP.info: Herr Bussmann, zuletzt waren Sie bei der Allianz IT-Leiter für Nordamerika. Was hat Sie an dem Job bei SAP gereizt?

Oliver Bussmann: Also das waren hauptsächlich zwei Punkte. Zum einen das Thema Innovation und vor allem die Innovationskraft der SAP. Wir sind in der Softwareentwicklung absolut innovativ und marktführend, sodass sich hier die Chance bietet, frühzeitig neue Erkenntnisse, neue Trends und neue Möglichkeiten intern zu absorbieren, also der erste Kunde zu sein. Und das hat mich unwahrscheinlich gereizt, technologisch immer wieder Neuland betreten zu können. Das ist der eine Aspekt.

Der andere ist die globale Aufstellung, denn SAP ist ja, wie es so schön heißt, eine truly global company, mehr als ich das bei der Allianz wahrgenommen habe. Das heißt, die Geschäftsbereiche und -funktionen sind komplett global aufgestellt, womit auch die IT eine starke globale Rolle spielt. Wir operieren rund um die Uhr, so wie das auch die Geschäftsbereiche tun, und wir bieten ihnen Service wann und wo sie ihn brauchen.

SAP.info: Was bedeutet das denn konkret, Neuland zu betreten und selbst der erste Kunde zu sein?

Oliver Bussmann: Das heißt wir schauen systematisch, dass wir als IT-Abteilung in alle neuen Produktentwicklungen mit eingebunden werden und wirklich der erste oder zumindest Ramp-up-Kunde sind, bevor eine neue Lösung allgemein verfügbar wird.

Neue Ideen im eigenen Haus zu überprüfen, zu schauen, klappt das alles so wie geplant, das versuchen wir. Und diese Lernkurve zu durchschreiten und diese Erkenntnisse dann an die Entwicklung und die Kollegen im Service- und Supportbereich zurückzuspielen, das kommt letztlich dann allen SAP-Kunden zugute. Wir nennen das SAP runs SAP.

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SAP.info: Nun werden viele unserer Leser denken, dass das doch eigentlich selbstverständlich ist…

Oliver Bussmann: Natürlich hat die SAP immer schon ihre eigenen Lösungen eingesetzt, keine Frage, zum Beispiel unser NetWeaver Portal, das hervorragend zeigt, wie man 50.000 Mitarbeitern rollenbasierten Zugriff bieten und sie informieren kann. Doch wir tun das jetzt strukturierter, gehen das Innovationstempo mit und sind so als IT-Abteilung ganz vorne mit dabei.

Mir ist es wichtig, diese Informationen dann auch zügig an meine Kollegen, die IT-Leiter unserer Kunden, weiterzugeben und unsere intern gesammelten Erfahrungen weiterzureichen. Was ist zu beachten, wo liegen Herausforderungen, was sind Tipps und Tricks, darüber tausche ich mich mit anderen CIOs aus.

Letztlich wissen wir alle als Betreiber diverser SAP-Systemlandschaften, wovon wir sprechen und woran wir jeden Tag arbeiten, und da bin ich auch nur einer von vielen, der seine Erfahrungen sammelt; im Gegensatz zu unseren Kunden kann ich sie aber direkt auch an die Entwicklung weitergeben.

SAP.info: Dieser Berateraspekt nach innen wie nach außen ist also großer Bestandteil Ihrer Arbeit. Was ist darüber hinaus für einen CIO wichtig?

Oliver Bussmann: Die Rolle des CIOs hat sich gewandelt, vom Bereitsteller technischer Infrastruktur zum Begleiter und Berater. Die IT unterstützt das Business nicht nur, sie gestaltet bestimmte Dinge heute mit. Was sind Prioritäten, wie sehen Roadmaps aus, welche strategischen Ziele verfolgen die Geschäftsbereiche, das alles muss in eine Enterprise-Architektur abgebildet werden, wir sprechen also von einer gemeinsamen Business- und IT-Planung.

IT-Projekte müssen weg vom technischen Silodenken hin zu den Geschäftsplänen, sie müssen Mehrwert bringen und einen Beitrag zur Erreichung der Geschäftsziele leisten. Das heißt, der CIO spielt eine starke strategische Rolle. An der Stelle hilft es uns ungemein, dass wir auf die Best Practices und Innovationen unserer eigenen Software setzen, so dass der Schwerpunkt meiner Arbeit mehr auf der Interaktion mit dem Business liegt als auf sehr technisch orientierten Fragestellungen.

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SAP.info: Stichwort Innovationen: Viele unserer Kunden investieren nach der Finanzkrise nun wieder verstärkt in IT, um zukunftsfähig zu bleiben. Wo liegen Ihre Schwerpunkte, worin investiert der CIO der SAP?

Oliver Bussmann: Unsere Investitionsschwerpunkte liegen im Customer Relationship Management, wir haben gerade das Upgrade auf SAP CRM 7.0 abgeschlossen, um global über alle Vertriebskanäle, alle Touch Points hinweg einen durchgängigen Überblick über unsere Kunden- und Partnerlandschaft zu bekommen.

Darüber hinaus investieren wir stark im Bereich Enterprise Information Management und harmonisieren weiter unsere Datenlandschaft. Wir schaffen einen einheitlichen Enterprise Data Management Layer, eine „Single Source of Truth“ über alle Datenbestände, die wir mittels Tools aus dem SAP-BusinessObjects-Portfolio dann den Business Users als Self-Services zur Verfügung stellen. Auch sind wir nach wie vor dabei, intern größeren Nutzen aus den BusinessObjects-Anwendungen zu ziehen und haben beispielsweise 360°-Dashboards in unser CRM integriert.

Der dritte Punkt, ein starker Trend, liegt darin, diese Informationen, diese analytischen Aufbereitungen, auf mobile Endgeräte zu bringen. Neben den 17.000 BlackBerrys führen wir jetzt verstärkt iPhones und iPads ein und integrieren sie in unsere Landschaft. Mit dem Rollout von 1.500 iPads sind wir im Enterprise-Umfeld führend, wie auch Analysten bestätigen.

Mit dem SAP BusinessObjects Explorer fürs iPhone oder iPad haben wir die ersten Anwendungen, die Daten und Analysemöglichkeiten dem Nutzer mobil bereitstellen. Mobile Geräte und die entsprechenden Anwendungen werden zum integralen Bestandteil unserer IT-Landschaft.

SAP.info: Mit der Übernahme von Sybase hat die SAP ja auch gerade deutlich gemacht, wie wichtig das Thema Mobilität ist. Was bedeutet denn eine solche Übernahme aus Sicht der internen IT?

Oliver Bussmann: Übernahmen sind zunächst einmal jede Menge Arbeit. Es kommen neue Systeme, neue RZ- und neue Desktop-Landschaften hinzu, Mitarbeiter kommen hinzu, brauchen System- und Ressourcenzugriff, da ist viel zu tun. Als ich zur SAP kam, war die Business-Objects-Transaktion abgeschlossen, und da habe ich als erstes geschaut, welche Erfahrungen IT-seitig gesammelt wurden und was wir verbessern können.

Wir gehen wie das Business organisiert und strukturiert an Akquisitionen heran: Was sind Vorgehensmodelle, welche Welten treffen aufeinander, welche Übertragungswege nutzen wir, welche Ressourcen brauchen wir, aber auch, was ist zu welchem Zeitpunkt überhaupt erforderlich. So verfahren wir auch in diesem Fall.

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