CeBIT-Rundgang I: Highlights 2010

Feature | 2. März 2010 von Benjamin Blaume, Christiane Stagge, Frank Völkel 0

Mietsoftware, Cloud-Rechenzentren und 3D-Bildschirme liegen im Trend. (Foto: Frank Völkel)

Mietsoftware, Cloud-Rechenzentren und alles rund um 3D liegt im Trend. (Foto: Frank Völkel)

Die weltgrößte IT-Messe in Hannover ist nach wie vor der internationale Treffpunkt für Hersteller von Hard- und Software. Die CeBIT ist auch der Gradmesser dafür, wie es allgemein um die IT-Branche bestellt ist. Gegenüber der Situation vor einem Jahr zeigen sich viele Hersteller beim Gespräch mit SAP.info verhalten optimistisch. Neben den offiziell kommunizierten Themen wie “Vernetzung” und “Effizienzsteigerung” taucht vor allem ein Schlagwort beim Rundgang durch die Gänge auf: 3D und alles was damit zusammenhängt. Brillen, Videos, Bildschirme und Speichermedien. Dazu gehört auch zukünftiges Internet auf Basis von XML3D.

Immer mehr Software-Programme sind neben ihrer Desktop-Installation auch als Web-Dienst und als App für Smartphones verfügbar. Einzige Voraussetzung ist die Netzanbindung für das Zusammenspiel mit Backend-Servern. Bei typischen Unternehmensanwendungen gewinnen Web-Server und die vielfach gepriesene Internet-Wolke an Bedeutung. Für viele Aufgaben offerieren Dienstleister die Performance ihres Rechenzentrums. Geschäftsdaten landen somit in der Cloud. Und je nach Bedarf bekommt die Anwendung mehr Hardware-Ressourcen zugewiesen, wenn das Volumen der Daten ansteigt – so zumindest der Idealfall. Doch alles der Reihe nach. Im ersten Teil unserer CeBIT-Berichterstattung liegt der Fokus auf aktueller Business-Hardware, bei der das Trendthema 3D wie im Consumer-Bereich zu spüren ist und den neuesten Versionen von SAP Software.

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Diebstahlsicher: Fujitsus neues Tablet T900 verfügt über Intel AT (Foto: Benjamin Blaume)

Diebstahlsicher: Fujitsus neues Tablet T900 verfügt über Intel AT (Foto: Benjamin Blaume)

Prozessor und Grafik auf einem Chip

Intel bringt 2010 seine im Desktop- und Server-Bereich bereits seit letztem Jahr verbauten Core i-Prozessoren nun auch ins Notebook. Damit neigt sich die erfolgreiche Core-2-Duo-Ära langsam aber sicher dem Ende. Die auf der Nehalem-Architektur basierenden Dual-Core-Prozessoren Core i3, i5 und Core i7 mit dem Codenamen Arrandale vereinen CPU und Grafikeinheit auf einem Die. Den Core i7 gibt es auch als Vier-Kerner (Clarksdale), der die Leistungsspitze übernimmt, jedoch ohne integrierte Grafikeinheit daherkommt. Fujitsu zeigt auf der CeBIT Core i-Notebooks mit Intels Anti-Diebstahl-Funktionalität (Intel AT). Diese können per Killswitch nach einem Diebstahl aus der Ferne deaktiviert oder der Inhalt der Festplatte gelöscht werden. Das Fujitsu Lifebook T900 kommunziert dafür mindestens einmal täglich über GSM, GPS oder Netzwerkverbindung mit der Firmen-IT und sendet zusätzlich seinen Standort. Mit großer Verfügbarkeit ist ab April zu rechnen.

Am unteren Ende des Leistungsspektrums hat Intel seine Atom-Prozessoren generalüberholt. Wer sich davon Leistungssprünge erhofft, wird jedoch enttäuscht. Beim aktuellen Atom N450 (Codename Pine Trail) hat Intel die Taktrate nur minimal von 1,6 GHz auf 1,66 GHz angehoben. Die Veränderungen sind eher unter der Oberfläche verborgen. Wie bei den „großen“ Nehalem-Brüdern sind CPU und GPU jetzt auf einem Chip  vereint. Das senkt den Stromverbrauch (5,5 Watt TDP) deutlich, so dass neue Netbooks, wie der ASUS  EeePC 1018P mehr als einen vollen Arbeitstag im und außerhalb des Büros ohne Steckdose auskommen. Zudem sind die neuen Atoms vollwertige 64-Bit-Prozessoren, die auch SSE-Befehlssätze ausführen können. Das 1018P ist zudem eines der ersten Netbooks mit USB 3.0-Port.

Schlaue Notebooktechnik

Passend zur neuen Atom-Generation bietet Chiphersteller Nvidia die zweite Version des ION-Chipsatzes an. Dieser hilft dank integrierter GT218-Grafiklösung beim Decodieren von rechenintensiven HD-Videos, die ohne ION auf Atom-Systemen ruckeln würden. Da die neuen Atoms ohne Northbridge auskommen, ist die ION GPU per PCI-Express angebunden. Die ersten ION-2-Netbooks, die auf den Markt kommen werden sind das 12-Zoll-Gerät ASUS 1201PN und das 10-Zoll Acer 532G, das Ende März auf den Markt kommen soll, aber auf der CeBIT 2010 nicht gezeigt wird.

Neben dem ION-2-Chipsatz kommt beim Acer 532G auch Nvidias zweite große Neuentwicklung im Notebookbereich zum Einsatz: Nvidia Optimus. Notebooks mit Optimus schalten dynamisch zwischen dediziertem und integriertem Grafikchip um und bieten so Grafik-Rechenleistung, wenn sie benötigt wird, etwa beim Abspielen von HD-Video. Ist keine grafisch anspruchsvolle Anwendung aktiv, kommt die integrierte Chipsatzgrafik zum Einsatz. Das hilft beim Stromsparen. Das Umschalten geschieht, ohne flackern oder Verzögerung, unbemerkt im Hintergrund.

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Video-Installation von Hyundai: 3D im Business-Umfeld (Foto: Benjamin Blaume)

Video-Installation von Hyundai: 3D im Business-Umfeld (Foto: Benjamin Blaume)

3D liegt in der Luft

3D ist auch auf der CeBIT eines der großen Trendthemen. Neben Fernsehern hält die „neue“ Technik auch Einzug in Monitoren, Notebooks und Beamern. Wir erklären kurz die Unterschiede zwischen den eingesetzten 3D-Techniken und präsentieren die interessantesten Geräte.

Die vorgestellten Geräte lassen sich in zwei Gruppen aufteilen, die auf unterschiedliche Art und Weise 3D-Effekte erzeugen: Polarisation und Shutter. Bei beiden Verfahren müssen Benutzer eine spezielle Brille aufsetzen, um in 3D-Welten eintauchen zu können. Es gibt auch alternative Verfahren, bei denen keine Brille getragen werden muss, doch diese sind noch lange nicht marktreif.

Beim aufwendigeren der zwei Verfahren (Shutter) wird ein Monitor mit einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz zwingend benötigt. Zudem muss die Grafikkarte per Treiber eine 3D-Darstellung unterstützen. Beinahe alle PC- und Notebook-Hersteller setzen derzeit auf ein System aus Nvidia-Grafik plus 3D-Vision-Shutterbrille aus dem gleichen Hause. So zeigen etwa Acer  (GD245HQ) und LG (W2363D) Monitore, die mit dem Nvidia-System zusammenarbeiten.

Da die Brille synchron zum Bildschirm jeweils eins der beiden Augen verdunkelt (nur so kann ein 3D-Effekt entstehen), muss sie per Funk oder Kabel mit dem PC verbunden sein. Aufgrund der aufwendigen Technik sind Shutterbrillen rund 100x so teuer wie Polarisationsbrillen. Das Shutterverfahren hatte schon einmal in den 1990ern eine erste Blütezeit. Niedrigere Auflösungen und Bildwiederholungsraten als heute führten jedoch bei vielen Nutzern damals nach kurzer Zeit zu Kopfschmerzen.

Beim Polarisationsverfahren, dass auch in 3D-Kinos zum Einsatz kommt, besitzt die Brille zwei unterschiedlich beschichtete Gläser. Diese lassen jeweils nur die fürs rechte, respektive linke Auge bestimmten Bildinformationen durch. Diese Technik ist vor allem bei Fernsehern und Beamern anzutreffen. Acer zeigt auf der CeBIT 2010 aber mit dem Aspire 5740DG auch ein Notebook, das auf die Polarisationstechnik setzt. In der kleinsten Konfiguration kostet das 3-D-Aspire 799 Euro. Im Kaufpreis sind eine Brille und ein Aufsatz für Brillenträger enthalten.

Acer: 3-D-Polarisationstechnik im Notebook für 800 Euro (Foto: Benjamin Blaume)

Acer: 3-D-Polarisationstechnik im Notebook für 800 Euro (Foto: Benjamin Blaume)

Consumer vs. Business

Auf der CeBIT sind gerade im Consumer-Bereich viele 3D-Neuheiten zu sehen. Doch auch im Business-Bereich gehen Aussteller dem 3D-Trend nach. So zeigt Hyundai eine Multi-Monitor-Videowand für Digital Signage mit mehr als zwei Metern Diagonale. Hyundai hat aber auch kleinere Displays zwischen 23 und 50 Zoll im Angebot. Der Hersteller setzt dabei ganz auf die Polarisationstechnik, die laut Europa-Chef Young Hoon Shin dank günstiger Brillen und geringerer Kopfschmerzgefahr für Business-Anwendungen besser geeignet ist.

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Neue Version: Business One 8.8 

Komplettpakete: SAP All-in-One für Metallverarbeiter (Foto: Frank Völkel)

Komplettpakete: SAP All-in-One für Metallverarbeiter (Foto: Frank Völkel)

Auf der Messe zeigt SAP die neue Version 8.8 von Business One.  Wer bereits mit der älteren Version von Business One arbeitet, dem wird sofort das überarbeitete Design auffallen: Durch eine neue, übersichtlichere Bedienoberfläche soll die Software noch einfacher zu benutzen sein. Praktisch: Wem das neue Design nicht gefällt, kann wieder auf die Darstellung der Vorgänger-Version umschalten.

Die zweite Neuerung ist die integrierte Analysefunktion aus dem BusinessObjects Portfolio. So läuft auf Business One 8.8 Software wie Crystal Reports und Crystal Reports Viewer oder Tools wie XL Reporter. Damit können Daten ausgewertet und entsprechend grafisch aufbereitet werden. Mit Xcelsius Software, die separat erhältlich ist, lassen sich interaktive Dashboards erstellen.

Außerdem enthält die neue Version von Business One Funktionen zur Datenarchivierung. Zusätzlich lassen sich  OnDemand-Webservices wie beispielsweise Internetshops anbinden. Für Lohnbuchhalter interessant: SAP Business One 8.8 verfügt über eine DATEV-Schnittstelle für die Gehaltsabrechnung in Deutschland.

Über einen Upgrade Wizard können Kunden laut SAP schnell und einfach auf die neue Version von Business One umrüsten, ohne dass der Betriebsablauf im Unternehmen nennenswert unterbrochen werden muss.

Schwerpunkt:  Cloud Computing und Mobile

In Zukunft plant SAP weitere Neuerungen bei Business One. Dazu gehören beispielsweise die Integration von cloud-basierten Anwendungen, Mash ups sowie weitere Anbindungsmöglichkeiten an Mobilgeräte wie Blackberry und iPhone. Auch soziale Netzwerke sollen künftig mehr integriert werden.

SAP Business One 8.8 soll Ende April verfügbar sein. Die Anwendung ist in 40 Länderversionen erhältlich und unterstützt neben unterschiedlichen Sprachversionen und Zeitzonen auch die im jeweiligen Land geltenden gesetzlichen Vorschriften. Wer selbst einen Blick auf die neueste Version von Business One werfen möchte, kann sich auf der CeBIT in Halle 5, Stand A04 oder auf der SAP World Tour in Halle 19 und 20 informieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Business ByDesign Feature Pack 2.5

Mächtig: SAP ist zum ersten Mal in 5 Hallen vertreten. (Foto: Frank Völkel)

Mächtig: SAP ist zum ersten Mal in 5 Hallen vertreten. (Foto: Frank Völkel)

Business ByDesign Feature Pack 2.5

Zum Anfassen: SAP setzt auf Kundennähe in verschiedenen Ständen (Foto: Frank Völkel)

Zum Anfassen: SAP setzt auf Kundennähe in verschiedenen Ständen (Foto: Frank Völkel)

Seit letztem Jahr unterstützt die Mietsoftware Business ByDesign dank Feature Pack 2.0 Webservices wie GoYellow oder Map24 und zeigt News von diversen Online Business Portalen an. Mit dem Feature Pack 2.5 kommen einige Neuerungen hinzu: Die Software unterstützt RIA-Client (Rich Internet Architecture) Microsoft Silverlight. Durch das Browser Plug-In können weitere Anwendungen wie Groupeware, Microsoft Office oder Lotus Sametime angebunden werden.

Ähnlich wie Business One kann jetzt auch über die Bedienoberfläche von Business ByDesign die DATEV-Schnittstelle gepflegt werden. Auch können andere wichtige Daten aus Business One und Business ByDesign, beispielsweise Personaldaten, über die DATEV-Schnittstelle direkt an das Steuerbüro weitergegeben werden. Ist der Buchungsvorgang abgeschlossen, wird dieser wieder zurück im SAP-System vermerkt.

Künftig soll Business ByDesign auch auf dem iPhone laufen. Durch die Touchoberfläche des Smartphones  ist die Software einfach zu bedienen. Die Bildschirmdarstellung passt sich automatisch an, je nachdem ob das iPhone waagerecht oder senkrecht in der Hand gehalten wird. Mit der mobilen Variante kann man Business ByDesign auch unterwegs nutzen und Kundendaten verwalten, Statistiken berechnen oder Projekte planen. Praktisches Highlight: Wenn man das iPhone kräftig schüttelt, aktualisiert sich automatisch die Aufgabenliste.

SAP NetWeaver Business Client 3.0

Auf der CeBIT stellt SAP einen rich desktop Client, den SAP NetWeaverBusiness Client 3.0 Software vor, der speziell für die Nutzer von Business All-in-One geeignet ist. Mit dem Business Client können Unternehmen, bei denen die Mittelstandssoftware Business All-in-One im Einsatz ist, auch andere Applikationen integrieren. Egal ob branchenspezifische Software, speziell programmierte Analysefunktionen oder Webservices: durch den NetWeaver Business Client 3.0 greifen alle Anwender auf eine einheitliche Bedienoberfläche zu.

Business Suite auf iPhone

Die Zusammenarbeit zwischen SAP und Sybase, einem Anbieter von Software für Mobilgeräte, ist nichts Neues. Auf der Messe präsentieren beide Unternehmen zwei neue Lösungen für das iPhone und für Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Mobile. Sybase Mobile Sales for SAP CRM ist speziell für Vertriebsmitarbeiter konzipiert, die häufig unterwegs sind und auch auf ihrer Dienstreise auf Daten aus SAP CRM 2007 zugreifen wollen.

Mit Sybase Mobile Workflow for SAP Business Suite können Mitarbeiter ihre Geschäftsprozesse unterwegs bearbeiten. Sie erhalten beispielsweise  ein geschütztes E-Mail-Postfach, in dem sie ihre Arbeitszeit erfassen und Reisekosten abrechnen können. Die beiden Softwarelösungen sind ab sofort verfügbar. Sie  laufen auf der Sybase Unwired Platform und auf der SAP NetWeaver Plattform. Dadurch können auch andere Aplikationen, die nicht von SAP stammen, eingebunden werden, wie beispielsweise Datenbanken oder Webservices. Ende 2010 sollen Sybase Mobile Sales for SAP CRM und Sybase Mobile Workflow for SAP Business Suite auch auf dem Blackberry laufen.

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