Baustelle Cloud Computing

Feature | 8. Dezember 2009 von Benjamin Blaume 0

Sicherheit und andere Probleme (Grafik: grasundsterne)

Sicherheit in der Cloud: Bitkom- und RSA-PDFs zum Download (Grafik: grasundsterne)

Das Cloud Computing nicht nur ein reines Modewort ist, zeigen die stetig steigenden Umsätze – auch in Deutschland. Mit einem prognostiziertem Wachstum von durchschnittlich 37 Prozent in den kommenden drei Jahren, ist Cloud Computing der am stärksten wachsende Sektor im ITK-Bereich. Der weltweite Umsatz lag 2008 laut den Analysten von Gartner bei über 46 Milliarden US-Dollar und soll bis 2013 auf über 150 Milliarden anwachsen. Doch welche IT-Services sind aus der Wolke überhaupt verfügbar?

IaaS, PaaS, SaaS

Dienstleistungen aus der Cloud lassen sich in drei Bereiche unterteilen: IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as a Service) und SaaS (Software as a Service). Gemeinsam ist allen drei, dass die IT-Dienste als Leistung über das Internet angeboten werden und typischerweise nutzungsabhängig abgerechnet werden. Als IaaS wird die Bereitstellung von virtueller Hardware und Basisinfrastruktur bezeichnet. Beispiele hierfür sind Amazons EC2-Service oder „HP Cloud Enabling Computing“. Der Kunde nutzt virtuelle Serverkapazitäten aus der Wolke und bezahlt nur soviel, wie er verbraucht.

PaaS bietet Software-Herstellern eine Entwicklungs-Plattform mit direkter Anbindung zur Cloud. Anbieter wie Microsoft (Windows Azure) liefern technische Frameworks (Datenbanken, Middleware) und ermöglichen Kunden die Entwicklung von Software, die über standardisierte Schnittstellen in Kontakt mit anderen Technologieplattformen tritt.

Bei SaaS liefert der Software-Anbieter sein Produkt über das Internet an den Kunden aus. Der Nutzer braucht keine eigene Hardware, er mietet die Applikationen und führt sie im Browser aus. Ein Beispiel für SaaS im Business-Umfeld ist SAP Business ByDesign, das 2010 auf breiter Fläche verfügbar sein wird. Im Consumer-Segment sind Webmail- oder Fotodienste häufig genutzte SaaS-Anwendungen.

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Dr. Martin Reti: Cloud Computing erfüllt derzeit nicht alle Unternehmensansprüche (Foto: Benjamin Blaume)

Dr. Martin Reti: Cloud Computing erfüllt derzeit nicht alle Unternehmensansprüche (Foto: Benjamin Blaume)

Problemzonen der Cloud

Neben dem Thema Sicherheit gibt es laut Dr. Martin Reti, Marketing Manager der Telekom-Tochter T-Systems und Mitautor des empfehlenswerten Gratis-Leitfadens zum Thema Cloud Computing des BITKOM noch weitere problematische Aspekte beim Einsatz von Cloud Computing. So verstößt ein deutsches Unternehmen beispielsweise gegen geltendes Recht, wenn Personaldaten außerhalb des EU-Rechtsraumes gespeichert werden.

Was passiert mit den Unternehmensdaten, wenn die Firma den Anbieter wechselt. Wer garantiert hier den reibungslosen Ablauf und die komplette Löschung der Daten? Die Sicherheitsexperten von RSA haben einen lesenswerten Leitfaden zum Thema „Datenschutz in der Cloud“ veröffentlicht, der auf der RSA-Homepage kostenlos runtergeladen werden kann.

Prof. Dr. Jakob Rehof vom Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik erforscht die Cloud (Foto: Benjamin Blaume)

Prof. Dr. Jakob Rehof vom Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik erforscht die Cloud (Foto: Benjamin Blaume)

Evolution statt Revolution

Der Gedanke von Anwendungen aus dem Netz ist nicht neu. Schon in den 1960ern prognostizierten Forscher, dass eines Tages IT-Services wie Strom aus der Steckdose in Büros erhältlich sein würde. „Der Durchbruch für Cloud Computing ist die immer weiter voranschreitende Vernetzung“, meint Professor Dr. Jakob Rehof vom Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik ISST. „Nur aufgrund der guten Infrastruktur sind Cloud Services zuverlässig und kostengünstig möglich.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Public vs. Private Cloud

Christian Tüffers: "Die Hybrid Cloud wird sich durchsetzen!" (Foto: Benjamin Blaume)

Christian Tüffers: "Die Hybrid Cloud wird sich durchsetzen!" (Foto: Benjamin Blaume)

Public vs. Private = Hybrid

Im Consumer-Bereich werden Cloud-Services täglich milliardenfach genutzt. Egal ob GMX, Flickr oder Xing: Die Anwenderdaten liegen auf unbekannten Servern und sind über den Internet-Browser an jedem Rechner mit Netzzugang verfügbar. Hier spricht die Fachwelt von der Public Cloud. Doch welcher CEO kriegt keine Albträume bei der Vorstellung, dass wichtige Geschäftsdaten auf irgendeinem Server rumschwirren?

In einer Private Cloud, auch Enterprise Cloud genannt, liegen die Daten in einer vom Unternehmen selbst betriebenen Cloud-Umgebung. Der Zugang ist beschränkt und erfolgt in der Regel über das Intranet oder eine VPN-Verbindung. Die technischen Vorzüge der Cloud bleiben erhalten. Laut Dr. Martin Reti gehört die Zukunft der Hybrid Cloud. Diese Mischform verbindet die Vorteile von traditioneller IT-Umgebung, Public und Private Clouds.

Trotz aller offenen Fragen rät der BITKOM Unternehmen, sich mit dem Thema Cloud Computing intensiv zu beschäftigen. Laut Christian Tüffers, Senior Manager von Accenture, stelle Cloud Computing aus der Business-Perspektive eine Revolution dar: „In zehn bis fünfzehn Jahren wird es möglicherweise Unternehmen ohne eigene IT-Infrastruktur geben.“ Cloud Computing sei ein Trend, mahnt Professor Doktor Rehof vom Fraunhofer ISST, den man nicht verschlafen darf.

Dass ein großes Interesse am Thema herrscht, zeigte sich während der Cloud Computing Tage. Bernhard Klier, Geschäftsführer des Veranstalters Deutsche Kongress: „Alle drei Veranstaltungen waren komplett ausgebucht. Wir hatten mehr Interessenten als Plätze.“ Aufgrund der großen Resonanz plant Klier bereits die nächsten Cloud Computing Tage, die im April 2010 stattfinden sollen.

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