5.000 PS beim CRM-TÜV

Feature | 17. Februar 2010 von admin 0

Klassischer deutscher Maschinenbau: MTU in Friedrichshafen (Foto: MTU Friedrichshafen)

Klassischer deutscher Maschinenbau: MTU in Friedrichshafen (Foto: MTU Friedrichshafen)

Eine High-Speed-Fähre liegt zur routinemäßigen Wartung in einem griechischen Hafen. Der verantwortliche Techniker liest im Maschinenraum auf einem der vier 5.300-PS-starken Dieselmotoren die Seriennummer vom Typenschild ab. Ein zeitaufwendiges, aber notwendiges Unterfangen. Denn anders kann er den Motor und die einzelnen Bauteile nicht genau identifizieren. „Auch um solche Wartungsarbeiten künftig zu vereinfachen und schon im Büro vorbereiten zu können, haben wir die zentrale Datenbank eingeführt, in der Informationen zu all unseren Produkten abgelegt sind“, sagt Stefan Keldenich, Senior Manager Information Logistic Technical Information Management bei der Tognum-Tochtergesellschaft MTU Friedrichshafen.

Das Unternehmen ist auf enorm leistungsstarke Antriebstechnologien spezialisiert. Verbaut werden Motoren, Automations- und komplette Antriebssysteme in ganz unterschiedlichen Anwendungen. Die Palette reicht von Schiffen über landwirtschaftlich, industriell und militärisch genutzte Vehikel bis hin zu Energieversorgungseinheiten für Krankenhäuser, Bohrplattformen und Kraftwerken.

Im Jahr 2008 erreichte die Tognum-Gruppe einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro – 696 Millionen Euro allein mit After Sales im Geschäftsbereich Engines. Das liegt im Trend. Peter Thomin, Referent in der Abteilung Betriebswirtschaft des VDMA: „In den letzten zehn Jahren haben viele Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau ihr After Sales sukzessive professionalisiert und stetig ausgebaut. Unsere aktuelle Befragung ergab, dass 2008 der Umsatzanteil in diesem Bereich auf 18,7 Prozent gestiegen ist. Voraussetzung dafür sind Geschäftsmodelle, bei denen der Kunde im Mittelpunkt steht.“

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Klassischer deutscher Maschinenbau: MTU in Friedrichshafen (Foto: MTU Friedrichshafen)

In Friedrichshafen werden Schiffsmotoren gefertigt (Foto: MTU Friedrichshafen)

Wachstum durch After-Sales-Produkte

An solchen Modellen arbeitet auch die MTU Friedrichshafen GmbH. In den nächsten Jahren soll mit dem Verkauf von Ersatzteilen, dem Abschluss von Wartungsverträgen, der Erweiterung des Reparaturgeschäfts und dem Verkauf von wiederaufbereiteten Teilen, Baugruppen und grundüberholten Motoren stetig mehr umgesetzt werden. Stefan Keldenich: „Um dieses Wachstumsziel zu erreichen, müssen wir vor allem passende After-Sales-Produkte entwickeln und anbieten. Wichtig ist aber auch, dass wir unsere Servicequalität weiter verbessern und die Kundenbindung erhöhen. Basis für all das sind möglichst vollständige und hochwertige Daten zu sämtlichen MTU-Produkten, die die Kunden einsetzen.“

Produktdokumentation war nicht zufriedenstellend

An dieser Stelle hakte es bislang. Waren die Motoren und Generatoren einmal in Schiffen, Eisenbahnen oder Ölplattformen verbaut, wurden Informationen zu Umbauten oder Reparaturen von den eigenen Servicemitarbeitern oder den Technikern der OEMs und der Kunden nur sporadisch an MTU zurückgemeldet. Auf das bereits bestehende Portal griffen die verschiedenen Nutzergruppen nur selten zu. Außerdem war die Produktdokumentation „motorenzentriert“, die einzelnen Komponenten waren nur unzureichend im Systemzusammenhang abgebildet.

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Datenbank für die Marine

Daher entschieden sich die Verantwortlichen bei MTU im Frühjahr 2007, zunächst für das Marktsegment Marine eine neue Portal-Lösung samt Datenbank einzuführen, die dem unterschiedlichen Informationsbedarf der verschiedenen Nutzergruppen gerecht wurde. In einem ersten Schritt wurde dazu die Prozess- und IT-Beratung Mieschke Hofmann und Partner (MHP) beauftragt, im Rahmen einer Vorstudie ein Lösungskonzept zu entwickeln. Im zweiten Schritt arbeiteten dann ab Sommer 2007 MTU-Mitarbeiter aus den verschiedenen Fachbereichen und die MHP-Berater in mehreren Workshops eng zusammen und realisierten auf Basis von SAP-Technologien die After Sales Object (ASO) Database, die sich aus einem Back-End und dem Portal zusammensetzt. Schwierig war dabei zum einen sicherzustellen, dass die Stammdaten aus den komplexen Produktionsprozessen sauber übernommen werden. Zum anderen galt es, die Portalanwendungen möglichst benutzerfreundlich zu gestalten, um so die Anzahl der Rückmeldungen deutlich zu erhöhen. Seit Sommer 2008 ist die ASO Database im Einsatz.

Produktdaten übersichtlich aufbereitet

Die Servicemitarbeiter können jetzt – entweder schon vom Büro aus oder vor Ort – über das Portal das gewünschte Objekt mithilfe von verschiedenen Suchkriterien, etwa dem Schiffsnamen, auswählen und auf sämtliche Informationen zugreifen. Dazu zählen neben den Basisdaten zum Produkt auch Angaben zum Bauzustand, den Ersatzteilen oder Informationen zu Garantie- und Wartungsvereinbarungen. Zudem werden die Einzelbauteile im Systemzusammenhang dargestellt. Es lässt sich so wesentlich leichter erkennen, wie beispielsweise der Schiffsmotor mit den anderen Komponenten zusammenhängt. Neben der Bereitstellung der vorhandenen Informationen wurde auch die Rückmeldung von Daten aus dem Feld optimiert. Mithilfe eines individuell erstellten interaktiven PDF-Dokuments (iPDF) lassen sich die unterschiedlichen Serviceaktivitäten ohne großen Aufwand melden.

Dass die neue Technologie die Erwartungen von MTU erfüllt, war bereits nach kurzer Zeit deutlich zu erkennen. So beschleunigten sich durch die eindeutige Zuordnung von Systemen und Komponenten die Datenzugriffe um bis zu 25 Prozent. Außerdem nutzen heute mehr als doppelt so viele Anwender pro Woche das Portal wie zuvor. Die Zahl der wöchentlichen Datenzugriffe verfünffachte sich sogar. Gleichzeitig nahmen die Rückmeldungen aus dem Feld zu, sodass sich die Datenqualität kontinuierlich erhöht. Aussagekräftige Auswertungen und damit die Entwicklung neuer After-Sales-Strategien und -Produkte werden so möglich.

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