Das Auto Plus

Blog | 9. April 2014 von Andreas Schmitz 0

Foto: Shutterstock

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Ihre Insassen von A nach B zu bringen, ist künftig nur noch eines von vielen Dingen, die Autos leisten. Wer zum Einkaufen fährt, dem könnte sein Fahrzeug etwa über den Bordcomputer oder über Apps Rabatt-Coupons anbieten, verknüpft mit einem dafür reservierten Parkplatz in der Nähe des Geschäfts.

Mitte 2012 begannen Heino Kantimm und Alexander Braun von SAP damit, zusammen mit der BMW Forschung und Technik GmbH solche Mehrwertdienste zu erdenken und die technische Basis dafür zu entwickeln . Ein Ziel ist ein Marktplatz für Autofahrer  – „fahrzeugnahe Dienstleistungen im Auto integrieren“, nennt das Kantimm, Chief Expert Sustainable Industries bei SAP. Ein „Prototyp einer flexiblen Infrastruktur für umfassende Mobilitätsdienste“ ist inzwischen geschaffen. Zwei Anwendungen haben SAP und die BMW Forschung und Technik GmbH auf Basis der SAP-HANA-Technologie bereits prototypisch realisiert – das Parken und Couponing. Und das funktioniert so: Auf einem virtuellen Marktplatz finden sich Servicedienstleister wie Parkhäuser, Tankstellen und Restaurants. Befindet sich der Fahrer in deren Nähe, bekommt er automatisch auf ihn zugeschnittene, lokalisierte Angebote zur Verfügung gestellt. Hat sich der Fahrer entschieden, sucht das System auf Wunsch einen freien Parkplatz in der Nähe und navigiert ihn dorthin. Den Coupon bekommt er auf sein Smartphone gesendet, um ihn später an der Kasse einzulösen. Auf diese Weise lassen sich Rabattaktionen umsetzen.

 

Mehrwertdienste durch Connected Cars: “Wie bringe ich es in die reale Welt?”

Soweit die Theorie. In der Praxis sind viele Fragen noch offen. „Wie bringe ich es in die reale Welt?“ stellt Research Expert Braun die zentrale Frage. Bei weitem nicht alle Parkhäuser sind mit Sensoren ausgestattet, die dem Betreiber auf elektronischem Wege mitteilen, welche Parklücke frei ist und welche nicht. Manche Parkhäuser stellen eigene Lösungen für komfortables Ein- und Ausfahren zur Verfügung, die allerdings bei anderen Parkhausbetreibern nicht funktionieren. „Wer möchte schon ein Dutzend RFID-Transponder in der Scheibe kleben haben?“ fragt Braun. Mal ganz abgesehen davon, dass die Reservierungsidee eines Parkplatzes teilweise auch mehrere Zufahrten in Parkhäuser erfordert. Das ist allerdings nicht immer der Fall.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Neue Geschäftsmodell und Co-Innovationen mit Dienstleistern müssen her

Nächste zu klärende Frage ist, wer an den neuen Möglichkeiten bares Geld verdient. Softwarekonzern SAP bringt gute Voraussetzungen mit, denn viele große Autohersteller und –zulieferer sind SAP-Kunden, auch Mineralölkonzerne gehören zum Kundenportfolio der Walldorfer. Allein mit einem einzigen Servicebaustein lässt sich noch kein Geschäft machen. Im nächsten Schritt allerdings schon: „Wir erhoffen und erwarten uns auch einen Schneeballeffekt unter den Dienstleistern“, erläutert Kantimm. Rüstet also ein Parkhausbetreiber seine Parkplätze mit Sensoren aus und stellt die Informationen über freie Kapazitäten online zur Verfügung, ist der Schritt auf den Markplatz nicht weit. „Wettbewerber werden über kurz oder lang gezwungen sein, technologisch mitzuziehen, um auf dem Markplatz mit dabei sein zu können“, ist Kantimm überzeugt. Erst dann dürfte die Schwelle erreicht sein, ab der Dienstleister für den Service Geld ausgeben wollen. „Natürlich haben Autohersteller viel längere Innovationszyklen als wir in der Softwarebranche“, gibt Kantimm zu bedenken. Selbst wenn der Forschungsprototyp Befürworter findet, wird es noch einige Jahre dauern, bis entsprechende Services in der Bordelektronik oder auf dem Smartphone integriert sind und genutzt werden können.

Ganz wichtig: Die Co-Innovationen durch Dienstleister. „Neue Geschäftsmodelle müssen her“, fordert Wirtschaftsinformatiker Kantimm, der sich allerdings sicher ist, dass sich die Dienstleister hier einiges einfallen lassen werden. SAPs Hauptfunktion im Zusammenspiel des Marktplatzes, der Autohersteller und Zulieferer und der Dienstleister ist es, die technischen Voraussetzungen für derartige Transaktionen zu schaffen. Dem SAP-Mann Kantimm schwebt ein De-Facto-Standard vor, „nicht nur für große, sondern gerade auch für kleine Dienstleister, die sich ohne großen Aufwand an dem Marktplatz beteiligen können“. Schon im kommenden Jahr, so Kantimms Prognose, werden die Transaktionssysteme marktreif sein. Dann sind die Hausaufgaben von Softwareseite gemacht. „Sobald eine ordentliche Schwungmasse da, wird sich auch SAP HANA bezahlt machen“, ist Kantimm überzeugt.

Das Ziel ist das autonome Fahren

Auf der diesjährigen CeBIT zeigte SAP auch anhand einer Simulation, wie die Vision der Connected Cars bei SAP aussieht. SAP erfasste diverse Parameter von über 120.000 Autos, die auf Deutschlands Straßen unterwegs waren. Wie offensiv oder defensiv ist der Fahrer unterwegs? Wie stark fährt er auf der Autobahn auf? Ist er stehen geblieben oder in einen Unfall verwickelt? Wie energieeffizient ist die Fahrweise? Nicht nur die Kfz-Versicherung wird sich für die Zahlen interessieren. Auch der Fahrer selbst, denn er wird über das System frühzeitig informiert, wenn ein Stau zu erwarten ist, ein Unfall passiert oder ein Auto liegen geblieben ist. „Natürlich muss jeder einzelne Fahrer damit einverstanden sein, dass die Daten des Fahrzeugs genutzt werden dürfen“, meint Bernd Huwe von SAP. Das erklärte Ziel ist das autonome Fahren, also im Prinzip die Möglichkeit, fahrerlos im Verkehr unterwegs sein zu können. 2020 soll das so weit sein.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Anzeige von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge – direkt im Display

Auch für die konzernweit eingesetzte Fahrzeugflotte lässt sich eine solche Plattform nutzen, etwa für den Logistikdienstleister Deutsche Post DHL, der täglich mit tausenden von Fahrzeugen auf den Straßen unterwegs ist.

Zurück von der Leinwand ins Auto: Etwas in die Zukunft geschaut wird der Anteil der elektrisch betriebenen Autos am Straßenverkehr zunehmen. Entsprechend wäre ein Service sinnvoll, der etwa die Ladesäulen für Elektrofahrzeuge auf dem Display im Fahrzeug anzeigt. „Sie wissen sofort, wo sich die nächste Ladestation befindet und wie weit es noch bis dahin ist“, erläutert SAP-Forscher Braun, „zudem könnte das System das Fahrverhalten analysieren und anzeigen, welche die energieeffizienteste Route ist“. Da die Reichweite von Elektrofahrzeugen nach wie vor beschränkt ist, ist das ein Service, der den Fahrer unterstützt, möglichst viele Kilometer aus der Batterie „rauszuholen“.

SAP-Mann Kantimm: „So oder so ist klar, dass Mehrwertdienste in ein paar Jahren aus den Autos fast nicht mehr wegzudenken sein werden.“

Weiterführende Links:

Connected Vehicles Concept Video

Connected Fueling

Global Connected Car Contest

Blog-Beitrag zum Mobile World Congress auf SCN

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